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Der Menschensammler - Dicte Svendsen ermittelt Kriminalroman

Titel: Der Menschensammler - Dicte Svendsen ermittelt Kriminalroman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elsebeth Egholm
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wieder besser atmen, wenn auch nur vorsichtig. Aber er wusste, dass der Sauerstoff nicht genügte, um sein Gehirn ausreichend zu versorgen. Gleich würde er ohnmächtig werden, wenn sich der Krampf nicht löste.
    Während er dasaß und wartete, gab er sich selbst einen Schwur. Ida Marie sollte nicht plötzlich ohne ihn dastehen und |254| keine Ahnung von seinen Wünschen haben. Sie sollte nicht in die Situation geraten, erraten zu müssen, was mit ihm nach seinem Tod geschehen sollte. Wenn er diesen Anfall überleben sollte, würde er dazu Stellung nehmen. Er würde ein Testament aufsetzen und seinen Letzten Willen formulieren.
    In Gedanken schon bei der Musik, die auf seinem Begräbnis gespielt werden sollte, merkte er mit Verzögerung, dass er wieder frei atmen konnte. Der Schmerz zog sich so schnell zurück, wie er gekommen war. Vorsichtig erhob er sich und betrachtete sein Spiegelbild. Er war blass, auf Stirn und Wangen zeichneten sich Schweißtropfen ab. Seine Nase wirkte spitzer als ohnehin schon, und seine Augen waren eingefallen und sahen aus wie Rosinen. Er konnte die Angst, die noch im Raum hing, deutlich spüren.
    Er drehte das kalte Wasser an und beugte sich übers Waschbecken, äußerst wachsam, ob sich der Krampf wiederholen könnte. Dann hielt er seine Hände unters laufende Wasser, formte sie zu einer Schale und badete sein Gesicht darin, immer und immer wieder. Als er sich wieder aufrichtete, hatten seine Haut ihre Farbe und seine Augen ihre Strahlkraft zurückgewonnen.
    Er richtete seine Kleidung, warf einen letzten Blick in den Spiegel und ging hinaus in die Küche zu Ida Marie.
     
    »Sie haben Besuch«, sagte der wachhabende Beamte im Foyer des Polizeipräsidiums, als er etwa eine Stunde später an seinem Arbeitsplatz eintraf.
    Ein junger Mann stand in der Ecke und wartete. Wagner bedankte sich und ging auf ihn zu.
    »Jeppe Ødum?«
    Wagner erinnerte sich an ihn von seinem ersten Besuch in der Firma am Åboulevarden. Der junge Mann nickte. Er konnte nicht älter als fünfundzwanzig Jahre sein.
    Sie gaben sich die Hand. Ødums Händedruck war überraschend fest, als würde er damit ausdrücken wollen, dass er alles |255| unter Kontrolle hatte, während sein Blick das genaue Gegenteil verriet. Er wirkte nervös.
    »Kommen Sie, wir fahren hoch in mein Büro.«
    Sie sprachen kein Wort, während sie der Fahrstuhl in den dritten Stock brachte. Insgeheim fertigte Wagner eine Personenbeschreibung des jungen Zeugen an. Da bin ich echt berufsgeschädigt, dachte er, als er die relevanten Details zusammentrug. Ødum war groß, etwa ein Meter fünfundneunzig, schlanker Körperbau mit kurzen, blonden Haaren und blauen Augen. Er trug eine khakifarbene Leinenhose, ein hellblaues Polohemd und dunkelblaue Segelschuhe. Er sah aus wie ein Sohn aus reichem Hause irgendwo aus Nordseeland, so wie Wagner sich die vorstellte. Aber er wusste auch, dass er vermutlich vollkommen danebenlag.
    »Sie haben gesagt, Sie hätten Informationen über Mette Mortensen«, leitete er ihr Gespräch ein und schloss die Tür hinter ihnen. »Bitte, setzen Sie sich doch.«
    Das Büro war nicht besonders groß, und allzu häufig hatte sich Wagner darüber geärgert, dass man so dicht aufeinander saß, wenn man zu zweit darin war. In diesem Fall aber gab ihm das die Gelegenheit, sich den jungen Mann aus nächster Nähe anzusehen, und das war nicht uninteressant. Auf seinem Gesicht änderten sich die Stimmungen in schnellem Wechsel, von Zweifel und Unsicherheit zu Selbstbewusstsein und ab und an der ambitionierte Versuch, Wagner ein entwaffnendes Lächeln zu präsentieren.
    »Ich konnte nichts sagen, als Sie bei uns in der Firma waren«, begann Jeppe Ødum. »Es fällt mir auch jetzt schwer, obwohl ich da lange drüber nachgedacht habe.«
    Wagner stand auf.
    »Möchten Sie einen Kaffee? Oder einen Schluck Wasser?«
    Zuerst schüttelte der junge Mann den Kopf, aber dann überlegte er es sich anders.
    »Doch, gerne einen Kaffee.«
    Wagner goss aus der Thermoskanne Kaffee in einen Plastikbecher |256| und reichte ihn an seinen Gast weiter. Er selbst nahm ein Glas Wasser. Dann stellte er Zucker und Sahne auf den Tisch und beobachtete, wie Ødum zwei Stück Würfelzucker in den Kaffee fallen ließ und umrührte.
    »Wir fangen am besten ganz von vorne an«, schlug Wagner vor, als er sich wieder gesetzt hatte.
    Vorsichtig klopfte Ødum den Löffel am Rand ab und legte ihn auf den Tisch.
    »Okay.«
    Sein Adamsapfel hüpfte auf und ab, als er den Kaffee

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