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Der Pfeil der Rache

Der Pfeil der Rache

Titel: Der Pfeil der Rache Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: C.J. Sansom
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Front. Nun, an Mut hat es ihm noch nie gefehlt.«
    »Selbst wenn die Franzosen landen, so können sie England doch niemals halten.«
    »Den Normannen ist es gelungen. Doch du hast recht, das Volk würde erbittert Widerstand leisten. Aber falls sich die Möglichkeit bietet, uns nach Rom zurückzubringen, eilt der Papst den Franzosen zu Hilfe, sobald sie hier Fuß fassen. Vielleicht auch Kaiser Karl. Du lieber Gott«, stieß ich zornig aus, »was für ein Schlamassel!«
    »Lord Cromwell hätte einen Ausweg gesucht. Der König nicht.«
    »Niemals. Eher sieht er zu, wie England im Blut ertrinkt.«
    »Nun ja«, sagte Barak fröhlicher, »in London könnt Ihr wenigstens gegen Coldiron vorgehen. Danke«, sagte er, »dass Ihr zurückreiten wollt.«
    Ich nickte. »Du machst dir Sorgen um Tamasin, nicht?«
    »Unentwegt«, gab er zu.
    Wir ritten weiter, auf Portsdown Hill zu.

kapitel neunundzwanzig
    W ir trafen gegen sieben in Hoyland ein. Ich wusch und kämmte mich gründlich, um mich der Flöhe und Läuse zu entledigen, die ich mir eingefangen hatte, legte mich aufs Bett und sann über Ellen und Hugh nach. Ich fand in beiden Fällen keinen Weg aus der Sackgasse.
    In jener Nacht schlief ich tief und fest. Der folgende Tag verlief ausgesprochen friedvoll. Bei den Mahlzeiten sprach Abigail fast kein Wort; sie wirkte matt und niedergeschlagen. Dyrick gab sich wie immer scharfzüngig und streitlustig. Hobbey war auf der Hut, Hugh äußerst zuvorkommend und meiner Anwesenheit gegenüber gleichgültig. David jedoch war in einer merkwürdigen Gemütsverfassung, still und störrisch. Einige Male erwischte ich Fulstowe dabei, wie er den Jungen mit scharfen Blicken maß. Tagsüber waren alle bis auf Abigail ausgegangen, um letzte Vorbereitungen für die Jagd zu treffen.
    Am Nachmittag unternahm ich einen Spaziergang, um meine Gedanken zu ordnen, da ich unentwegt an Ellen denken musste und mir den Kopf zermarterte, wer diesen Brand gelegt haben könnte, bis mir ganz schwindelig wurde. In Abigails Garten ließen die Blumen ob der endlosen brütenden Hitze die Köpfe hängen.
    * * *
    An jenem Abend ereignete sich der erste jener Vorfälle, die das Leben der Familie Hobbey für immer verändern sollten.
    Ich saß am Tisch in meinem Zimmer und versuchte, die Kosten zu errechnen, die meiner Mandantin nach der nächsten Anhörung angelastet werden konnten. Sie waren beträchtlich. Das Licht wurde allmählich schwächer. Ich war mir vage bewusst, dass die Jungen sich draußen wieder im Bogenschießen übten, denn ich hörte durch die offenen Läden ihre Stimmen. Da vernahm ich einen bangen Ausruf: »Nein!«
    Ich stand auf und eilte ans Fenster. Zu meinem Erstaunen sah ich Feaveryear über den Rasen rennen. Hugh und David blickten ihm hinterher, waren aber zu weit entfernt, als dass ich ihre Mienen hätte erkennen können. Feaveryear rannte wie vom Teufel gejagt. Er verschwand im Haus, woraufhin ich eilige Schritte auf den Stufen vernahm und alsbald ein frenetisches Pochen an Dyricks Tür.
    * * *
    Am darauffolgenden Morgen, einem weiteren schwülheißen Julitag, begaben wir uns alle in die Kirche. Hobbey führte die kleine Prozession an. Abigail schritt an seinem Arm, in den besten Kleidern, aber mit hängendem Kopf. Dann folgten Dyrick, Barak und ich, und schließlich Fulstowe und die Dienerschaft. Barak hatte uns nicht begleiten wollen, aber ich hatte ihn wach gerüttelt und gebeten, keinen Anlass zur Kritik zu geben. Zu meiner Überraschung fehlte Feaveryear.
    »Ist der junge Feaveryear unwohl?«, fragte ich Dyrick, der mit sorgenvoll gerunzelter Stirn einherging.
    Er blickte mich mit scheelem Blick an. »Ich habe ihn nach London zurückgeschickt. Ein Brief wartete auf mich, als wir aus Portsmouth zurückkamen, einen Fall betreffend. Ich habe ihn heute früh losgeschickt, damit er die Angelegenheit bereinige. Wozu sollen wir auch beide unsere Zeit hier vergeuden, nicht?«, sagte er, streitlustig wie immer.
    »Wir haben keine Briefe erhalten. Barak erwartet ein Schreiben von seiner Frau.«
    »Ein Sonderbote aus London brachte die Nachricht. Der Fall ist wichtig.«
    »Ich dachte, ich hätte Feaveryear gestern Abend über den Rasen laufen sehen.«
    Wieder sah er mich scharf an. »Ich hatte nach ihm gerufen.«
    Es war ein langer Weg zur Kirche nach Okedean, dem Nachbardorf. Lange auch, an ihrem einzigen Ruhetag, für die Dorfleute aus Hoyland, an denen wir vorübergingen; sie hatten die Klosterkirche besucht, solange die Nonnen hier gewesen

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