Der Pfeil der Rache
beistehen.«
»Betrifft er das Vormundschaftsgericht?«
»Eine richterliche Verfügung.« Er holte tief Luft. »Und falls wir morgen abreisten, wäre Master Hobbey zu einem Vergleich bereit, einer außergerichtlichen Einigung. Ein reizvoller Handel für Eure Mandantin, das müsst Ihr zugeben. Andernfalls« – seine Streitlust meldete sich zurück –, »andernfalls verspreche ich Euch, dass wir auf der Erstattung sämtlicher Kosten bestehen werden.«
»Dazu wäre Hobbey bereit?«, fragte ich erstaunt. Es war ein sehr gutes Angebot, doch kein Anwalt ließe sich dazu herbei, sobald der Vorwurf des Gegners sich als gegenstandslos erwiesen hätte.
»So ist es. Er will sich Eurer entledigen. Bei unserem Herrn Jesus, Mann, hat er nicht schon genug Verdruss?« Dyrick sprach mit ungewöhnlicher Leidenschaft.
Ich überlegte. Es gab nur einen Grund, warum Hobbey dieses Angebot machte; er wollte sicherstellen, dass Davids Zustand nicht in London bekannt werde.
»Meine Mandantin ist nicht hier«, sagte ich.
»Gebt Euch einen Ruck, Mann, Ihr könnt doch zwanglos zustimmen. Sie wird sich nach Euch richten. Und die Königin ebenso«, fügte er bitter hinzu.
»Ich will es mir überlegen, sobald ich mit Priddis Hughs Land in Augenschein genommen habe.«
Ich blickte auf und sah, wie Hobbey mich eindringlich anstarrte. »Kommt. Wir sollten uns den Übrigen anschließen.«
* * *
Wir versammelten uns um den Baumstrunk, und Hobbey stellte Dyrick und mich als seine Anwälte vor. Ich warf einen Blick auf Avery. Der junge Mann trug ein laubgrünes Wams und an einem Riemen um den Hals ein silbernes Jagdhorn. Er strahlte Autorität aus, als er auf die Karte zeigte.
»Dies ist unsere Route.« Die Karte zeigte das rechteckige Jagdgelände und auch die Pfade zwischen den Bäumen. Avery nahm ein Stück Holzkohle und zeichnete unweit der Außenkante ein Kreuz. »Hier sind wir«, sagte er. »Wir reiten im Pulk bis zu dieser Weggabelung und nehmen dann den Pfad in diese Richtung. Dabei ist unbedingtes Schweigen geboten, Gentlemen, damit wir das Wild nicht aufscheuchen, welches sich hier befindet.« Er zeichnete einen Kreis am Rande der Jagdstrecke. »Meine Männer haben die Tiere unentwegt verfolgt; und hier haben sie sich vorige Nacht zur Ruhe begeben.«
»Dann haben wir sie«, sagte Hobbey mit stiller Befriedigung.
Avery sah ihn mit ernster Miene an. »Noch nicht ganz, Sir. Hier beginnt erst die wirkliche Jagd. Jetzt, wirklich erst jetzt, dürft Ihr das Schweigen brechen. Die Hunde werden von den Leinen gelassen, und sämtliche Reiter müssen gemeinsam das männliche Tier von den Kühen und Kälbern trennen, die nur eine zweitrangige Beute abgeben.«
»Das Kahlwild, wie der Jäger sagt.« Corembeck lächelte wissend. »Keine Sorge, Sir, ich war schon auf vielen Jagden.«
»Mit Verlaub, Sir«, sagte Avery, »aber dies trifft nicht auf jedermann der hier Anwesenden zu.« Er blickte mit ernster Miene in die Runde. »Wir haben es mit einem kapitalen Hirsch zu tun, etwa sieben Jahre alt, mit zehn Sprossen am Geweih. Es ist wichtig, dass wir ihn auf den Weg schicken, den er nehmen soll, aber nicht zu sehr in die Enge treiben. Was das Kahlwild anbelangt, so setzt die Hunde darauf an, und sechs Dorfleute sollen auf Pferden die Verfolgung aufnehmen. Die übrigen Männer aus dem Dorf warten bei den Lappen, die wir entlang des Hauptpfads zwischen die Bäume gehängt haben, und erschrecken den Hirsch mit lautem Geschrei, falls er versuchen sollte, durchzubrechen. Das Kahlwild besteht nur aus acht Kühen und ein paar Kälbern, die Hunde dürfen einige davon stellen, und ihr Männer könnt sie mit dem Schwert oder mit Pfeilen erlegen.« Avery blickte die Dorfleute forschend an. »Master Clements, Ihr seid mir für die Hunde verantwortlich.«
Der junge Landmann, den er angesprochen hatte, grinste breit. »Ich bin bereit, Sir.«
»Ihr Übrigen habt alles verstanden?«
»Darf derjenige, der eine Kuh oder ein Kalb erlegt, sich auch wirklich das beste Stück Fleisch aussuchen?«, fragte ein Mann aus dem Dorf.
»Das habe ich euch doch versprochen!«, entgegnete Hobbey in scharfem Ton.
»Wir nehmen für Master Ettis eine Keule mit«, sagte ein anderer, und alles lachte. Sogar unter den Männern, die Hobbey rekrutiert hatte, herrschte demnach eine aufrührerische Stimmung. Abigail, die auf ihren Kissen saß, wandte sich dem vorlauten Menschen zu. »Nicholas«, rief sie, »sieh zu, dass dieser Mann seiner Grobheit wegen kein Fleisch
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