Der Ring Der Jaegerin
für besonderen Einsatz mit den besten Wünschen für das nächste Jahr. Ich meine, schlecht verdiene ich nicht als Geschäftsführer-Sekretärin. Aber das …
»Das ist aber ein bisschen mehr als ein Kleidchen. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, Herr Mergelstein.«
»Ach, warten Sie ab, was übrig bleibt, wenn die Steuer zugeschlagen hat. Und könnten Sie bitte die Bereichsleiter informieren, dass wir …«
Er war verlegen, darum gingen wir beide so schnell wie möglich zur Tagesordnung über. Erst nachmittags kam er auf das Thema Schrader zurück, und ich erzählte ihm mit einer Leichtigkeit, die ich nicht ganz fühlte, von den Versuchungen, denen ich ausgesetzt war.
»Meint er es ernst? Hatten Sie den Eindruck, er würde Ihnen einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen, der Ihren Fähigkeiten entspricht?«
»Kommt wohl auf die Fähigkeiten an, die er eingesetzt zu sehen wünscht«, rutschte mir heraus, und Mergelstein sagte: »Oh!«
Aber das meinte ich ja gar nicht, verdammt. Ich dachte an die Spionage und versuchte Mergelsteinchen das zu erklären. Er bedachte das lange. Fast zu lange, denn ich wollte weg, weil diesen Abend wieder Probe war.
»Laufen Sie, Mädchen! Ich sehe, Sie haben noch einen Termin. Ich hoffe, er ist netter als Schrader!«
Du lieber Gott, konnte sogar er schon in meinem Gesicht lesen?
Liane hatte ihr Kostüm von ihrem letztjährigen Auftritt mitgebracht und half mir nach dem Training, es für die Probe anzuziehen. Es war eine glänzende, hautfarbene Strumpfhose, die ganz lange, ganz glatte Beine machte, und ein weißer Body mit einem gewagten Ausschnitt, der mit hautfarbenem Futter unterlegt war, so dass nichts verrutschen konnte. Da wir beide etwa die gleiche Größe hatten, passten mir die Sachen.
»So, mach die Haare auf, damit müssen wir auch noch was anfangen.«
Das war mir überhaupt nicht recht, aber sie bestand darauf.
»Du musst wissen, wie sich das anfühlt. Vermutlich trägst du die nicht häufig offen.«
Womit sie natürlich recht hatte. Also entflocht ich den Zopf, und Liane bearbeitete meinen Kopf mit Fön und Toupierkamm. Als ich wieder aufsah, umwallte eine Löwenmähne mein Haupt.
»Ach du lieber Gott!«, war alles, was mir dazu einfiel.
»Sieht stark aus.«
Ein Liter Haarspray der ganz harten Sorte wurde über dem Gewuschel verteilt, und ich dachte mit Entsetzen daran, dass das alles wieder glattgebürstet werden musste.
»Liane, Katharina. Seid ihr Mädels langsam so weit?«, fragte es vor der Tür.
»Na, dann zeig dich der bewundernden Männerwelt«, kam es von Liane. »Ich guck euch heute mal ein bisschen zu und helfe dir nachher beim Auskämmen.«
Ich lief durch das Bistro, erntete ein paar erstaunte Blicke und machte dann die Tür zum Trainingsraum auf.
»Wow! Das ist aber mal was!«
Die Bewunderung, ich konnte es nicht leugnen, tat mir wohl. Dann traute ich mich, den Gesamteindruck im Spiegel zu begutachten. Die Fremde dort in dem gewagten Dress und den vielen Haaren sollte ich sein? Nur dadurch, dass das Geschöpf dort im Glas dieselben Bewegungen machte wie ich, konnte ich mich wiederfinden.
»Auf, Musik! Wir gehen die ganze Show durch.«
Wobei ich in den Genuss schöner, beinah nackter Männerkörper kam. Und immer, wenn die Flammen im Spiegel aufzüngelten, konzentrierte ich mich mit aller Gewalt auf meine Schritte. Es war harte Arbeit an diesem Abend.
Der ganze Auftritt sollte etwa zwanzig Minuten dauern, vielleicht mit einer Zugabe. Nach einer guten Stunde hatten wir alles zweimal durchgetanzt, und die Jungs waren mit sich einigermaßen, mit mir sehr zufrieden. Liane zwinkerte mir zu.
»Magst du noch mit uns essen gehen, Katharina?« Alan, nur eine schwarze Lederjacke über seinen nackten Oberkörper gezogen, legte seinen Arm um meine Schultern. Obwohl ich die Augen schloss, loderten die Flammen drohend auf. Darum machte ich mich recht barsch los und sagte, dass ich nach Hause müsse.
»Schade, aber wenn du gehen musst … Wir treffen uns dann morgen Abend um neun hier. Dann haben wir genug Zeit, uns vorzubereiten. Um elf ist der Auftritt. Bis dann, Wuschelhexe.«
»Tschüs, Alan«, würgte ich heraus und sah zu, dass ich schleunigst in die Umkleide kam. Liane kam mir nach und begann, mit einer grobzinkigen Bürste meine Haare zu bearbeiten.
»Sei ein bisschen vorsichtig mit Alan«, meinte sie beiläufig.
Eine überflüssige Warnung. Ich nickte nur.
»Sei auch mit dir ein bisschen vorsichtig. Entschuldige, wenn ich so direkt
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