Der Ring der Kraft - Covenant 06
Glutgefäße, wie's die Riesen zu verwenden pflegen.«
Caamora . Blankehans versuchte sich seinen Gram auszubrennen. Beim Klang von Cails Stimme blickte die Erste von ihrer Lagerstatt auf, eine stumme Frage in den Augen. Covenant merkte, daß er keinen Ton mehr aus der Kehle zwängen konnte. Wortlos lenkte er den Blick der Ersten in Blankehans' Richtung. Sobald sie den Kapitän sah, stieß die Erste einen rauhen Fluch aus und sprang auf. Sie weckte Pechnase mit einem Klaps ihrer Hand, fragte Covenant und Cail, wie lange Blankehans bereits dort oben sei. Gleichgültig wiederholte der Haruchai, was er vorhin zu Covenant gesagt hatte. »Stein und See!« schnob die Erste, während sich Pechnase und dann auch Linden erhoben. »Hat er die eigenen Worte vergessen? Der Norden ist voller Gefahren!«
Pechnase blinzelte angespannt zu Blankehans hinauf; aber er äußerte sich eher zurückhaltend. »Der Meister ist ein Riese. Er vermag vor jedweder Gefahr zu bestehen. Und sein Herz hat seit Ankertau Seeträumers Tod keinen Trost erlangt. Mag sein, er wird nun auf diese Weise Frieden finden.«
Die Erste blickte ihn verdrossen an. Aber sie rief Blankehans nicht von der Höhe herab. Die Augen glasig von Schläfrigkeit und allesdurchdringender Sicht, starrte Linden zum Kapitän hinauf und schwieg.
Nach einiger Zeit sah man Blankehans aufstehen. Er verschwand hinter dem Höhenrücken, suchte sich einen Weg nach unten. Bald darauf kam er aus einem nahen, talähnlichen Einschnitt des Höhenzugs zum Vorschein und mit eckigen, steifen Bewegungen auf die Gefährten zu. Die Arme schwangen an seinen Seiten. Als er sich dem Lagerplatz näherte, erkannte Covenant, daß das Feuer ihm die Hände versengt hatte. Sobald er seine Begleiter erreichte, blieb er stehen, hob vor sich die Hände wie in einer Gebärde der Ratlosigkeit. Sein Blick war verschleiert. Im großen und ganzen waren seine Finger unversehrt; aber die Nachwirkungen seiner Qual ließen sich noch deutlich ersehen. In instinktivem Mitfühlen klemmte Linden die eigenen Hände unter ihre Achselhöhlen. »Bist du wohlauf, Grimme Blankehans?« Die Stimme der Ersten klang ungewohnt sanft.
Der Kapitän schüttelte befremdet den Kopf. »Es ist nicht genug. Nichts ist genug. Es brennt in meiner Brust ... aber ausbrennen läßt's sich nicht.« Und dann sank er auf die Knie, als wäre die Willenskraft, die ihn bislang aufrecht gehalten hatte, plötzlich erloschen, und stieß seine Hände in eine Schneeverwehung. Rings um seine Handgelenke kräuselten sich zerzauste Dampfwölkchen empor.
Die anderen Riesen umringten ihn, wie benommen aus Betroffenheit und hilfloser Sorge. Linden kaute auf ihren Lippen. Der Wind trieb kalten Nebel übers Eis, und der allgemeine Kummer schien die Luft zusätzlich zu verschärfen. Covenants Blickfeld verschwamm; seine Augen tränten. Er hätte zu seiner Verteidigung viele Dinge anführen können, an denen man ihm keine Schuld geben konnte; Seeträumers Tod zählte jedoch nicht dazu.
Endlich ergriff die Erste das Wort. »Komm, Meister!« sagte sie mit leiser, schwerfälliger Stimme. »Erhebe dich und beginne dein Werk! Wir müssen hoffen oder sterben.« Hoffen oder sterben , dachte Covenant. Wie er da inmitten der gefrorenen Ödnis kniete, wirkte Blankehans, als hätte er sich zwischen diesen beiden Alternativen verirrt. Aber dann streckte er langsam unter sich die Beine, richtete seine Hünengestalt auf. Seine Augen hatten sich verhärtet, seine Miene war starr und unheilvoll geworden. Einen Moment lang verharrte er nur reglos, so daß seine Gefährten mit ansehen mußten, wieviel Mühsal und Überwindung es ihn kostete, sich zusammenzunehmen. Dann begab er sich ohne ein Wort daran, das Lager abzubrechen.
Covenant bemerkte eine Andeutung von Unbehagen in Lindens Miene. Doch als sie seinen Blick stummer Fragestellung erwiderte, schüttelte sie den Kopf, dazu außerstande, das in Worte zu fassen, was sie in Blankehans wahrgenommen hatte.
Gemeinsam folgten die Gefährten dem Beispiel des Kapitäns. Während Blankehans das Segeltuch und die Decken zusammenpackte, bereitete Nebelhorn ein kaltes Frühstück. Seine rot angelaufenen Augen und sein mattes Verhalten bezeugten eine gewisse Verlegenheit; er war ein Riese und hatte vermutlich nicht damit gerechnet, daß Cail ihn an Durchhaltevermögen übertraf. Jetzt erweckte er den Eindruck, als gedenke er zum Ausgleich um so tüchtiger zu schuften – und um Blankehans zu entlasten. Nebelhorn eilte am Lagerplatz
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