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Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Titel: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Ende
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Fragezeichen krümmte. Und Tyrannja kam es vor, als bestünden all die unendlichen Zahlenkolonnen, die sie vor sich sah, aus Myriaden mikroskopisch kleiner Fragezeichen, die durcheinander wimmelten und sich nicht in Reih und Glied halten wollten.
    »Bei allen geklonten Genen!« stöhnte Irrwitzer schließlich. »Ich kann bald nicht mehr, ich weiß keine Gedichte mehr...«
    Und Tyrannja flüsterte entsetzt: »Ich bin mit meiner
    Bilanz durcheinandergekommen. Gleich ... gleich ... gleich denke ich an ...«
    Klatsch!
    Der Neffe hatte seiner Tante mit der Entschlossenheit der Verzweiflung eine gewaltige Maulschelle verabfolgt. »Aua!« schrie die Hexe außer sich. »Na warte!«
    Und sie gab ihrerseits dem Neffen eine Backpfeife, daß dessen Brille quer durchs Labor wirbelte.
    Und nun begann ein Schlagabtausch zwischen den beiden, der selbst den rauhesten Catchern Ehre gemacht hätte.

    Als sie schließlich innehielten, saßen sie auf dem Boden und schauten sich schnaufend an. Der Neffe hatte ein blaues Auge und die Tante eine blutige Nase.
    »War nicht persönlich gemeint, Tyti«, erklärte Irrwitzer. Dann zeigte er auf das Glas aus Kaltem Feuer. »Schau mal da!«
    Der Funkenwirbel des Kometenschweifs hatte sich inzwischen vollkommen aufgelöst, alles Trübe war verschwunden, ruhig und klar glänzte in allen Regenbogenfarben der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch.
    Beide stießen einen tiefgefühlten Seufzer der Erleichterung aus.
    »Das mit der Ohrfeige«, sagte Tyrannja, »war die rettende Idee. Du bist ja doch ein guter Junge, Bubi.«
    »Weißt du was, Tantchen«, meinte Irrwitzer, »jetzt ist die Gefahr ja vorbei. Jetzt dürfen wir denken, was wir wollen. Und das sollten wir jetzt erst mal nach Herzenslust tun, meinst du nicht?«
    »Einverstanden«, antwortete die Hexe und verdrehte genießerisch die Augen.
    Irrwitzer feixte sich eins. Natürlich hatte er bei diesem Vorschlag so seine Hintergedanken. Tantchen sollte sich wundern.

Als der Rabe und der kleine Kater aus ihrer Ohnmacht langsam wieder zu sich kamen, glaubten sie zunächst zu träumen. Der eisige Wind hatte sich gelegt, es war ganz still, die Nacht war sternenklar, sie froren nicht mehr und der riesige Glockenstuhl war von einem wunderbaren, goldenen Licht erfüllt. Eine der großen, steinernen Figuren, die seit Jahrhunderten außerhalb der Spitzbogenfenster auf die Stadt hinunterblickten, hatte sich umgedreht und war eingetreten. Aber jetzt sah die Statue gar nicht mehr steinern aus, sondern sehr lebendig.
    Es handelte sich um einen zierlichen alten Herrn in einem goldbestickten langen Mantel, auf dessen Schultern hohe Schneepolster lagen. Er trug eine Bischofsmütze auf dem Kopf und in der linken Hand einen Krummstab. Seine wasserblauen Augen blickten unter buschigen, weißen Brauen nicht unfreundlich, aber ein wenig ratlos auf die beiden Tiere.
    Im ersten Augenblick hätte man ihn für Sankt Nikolaus halten können, aber er konnte es nicht sein, denn sein Kinn war bartlos. Und wer hätte je einen rasierten Nikolaus gesehen?
    Der alte Herr hob die rechte Hand, und Jakob und Moritz fühlten plötzlich, daß sie sich weder bewegen noch den geringsten Laut hervorbringen konnten. Beiden war wohl ängstlich zumut, zugleich aber fühlten sie sich auf eine unerklärliche Art in guter Hut.
    »Na, ihr beiden Lauser«, sagte der alte Herr, »was treibt ihr eigentlich hier oben?«
    Er kam noch etwas näher und beugte sich über sie, um sie aus der Nähe zu betrachten. Dabei kniff er die Augen ein wenig zu, offenbar war er kurzsichtig.
    Der Rabe und der Kater saßen da und guckten zu ihm auf.
    »Ich weiß schon, was ihr vorhabt«, fuhr der alte Herr fort, »ihr habt’s ja laut genug herumgeschrieen, während ihr hier heraufgeturnt seid. Ihr wolltet mir mein schönes Neujahrsgeläut stibitzen. Ehrlich gesagt, das finde ich nicht gerade nett von euch. Ich habe zwar allerhand übrig für einen guten Spaß, schließlich bin ich ja Sankt Sylvester, aber was ihr da tun wolltet, ist ein schlechter Spaß, findet ihr nicht? Nun, da bin ich ja gerade noch rechtzeitig gekommen.«
    Die beiden Tiere versuchten zu protestieren, konnten aber noch immer nicht sprechen.
    »Ihr wußtet wohl gar nicht«, meinte Sankt Sylvester, »daß ich einmal im Jahr, zu meinem Namensfest, für ein paar Minuten hierher komme, um nach dem Rechten zu sehen. Vielleicht sollte ich euch für diesen dummen Streich, den ihr mir da spielen wolltet, für ein Weilchen in Steinfiguren verwandeln

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