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Der Schatten erhebt sich

Der Schatten erhebt sich

Titel: Der Schatten erhebt sich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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sagen, was ich in der Zukunft sehe.« »Friede, Schwestern.« Solinda war die ruhigste von allen. Ihr altmodisches Tüllkleid wirkte wie feiner, blauer Dunst. Das rotgoldene Haar, das ihr bis zur Taille reichte, zeigte beinahe den gleichen Farbton wie das seine. Sein Großvater hatte ihr als junger Mann gedient, und doch sah sie jünger aus als er. Sie war eben eine Aes Sedai. »Wir haben keine Zeit mehr, uns zu zanken. Jaric und Haindar werden beide morgen hier ankommen.« »Und das heißt, wir können uns keine Fehler leisten, Solinda.« »Wir müssen wissen... « »Gibt es eine Möglichkeit...?« Jonai hörte nicht mehr hin. Sie würden ihn bemerken, wenn es an der Zeit war. Er war auch nicht der einzige im Raum neben den Aes Sedai. Someschta saß in der Nähe der Tür, den Rücken an die Wand gelehnt, eine aus Ranken und Blättern geformte Gestalt, deren Kopf selbst im Sitzen Jonai noch etwas überragte. Eine rißartige Narbe mit welkbraunen und rußigschwarzen Rändern zog sich über die Wange des Nyms bis hoch unter das grüne Gras seiner Haare, wo sie eine Furche hinterließ. Er blickte Jonai besorgt mit seinen Haselnußaugen an.
    Als Jonai ihm zunickte, faßte er sich an die Narbe und runzelte die Stirn. »Kenne ich Euch?« fragte er leise.
    »Ich bin dein Freund«, antwortete Jonai traurig. Er hatte Someschta jahrelang nicht mehr gesehen, aber von seinem Zustand gehört. Wie man ihm berichtet hatte, waren die meisten Nym tot. »Als ich ein Kind war, hast du mich auf den Schultern getragen. Erinnerst du dich nicht mehr daran?« »Gesang«, sagte Someschta. »Gab es Gesang dabei? So vieles ist verloren gegangen. Die Aes Sedai behaupten, daß einiges wiedergewonnen werden kann. Du bist eines der Kinder des Drachen, nicht wahr?« Jonai zuckte leicht zusammen. Die Bezeichnung hatte ihm bereits Schwierigkeiten bereitet, obwohl sie der Wirklichkeit überhaupt nicht entsprach. Aber viele Bürger heutzutage glaubten, die Da'schain Aiel hätten ausschließlich dem Drachen gedient und keinen anderen Aes Sedai.
    »Jonai?« Er drehte sich um, als Solindas Stimme erklang, und bei ihrer Annäherung sank er auf ein Knie nieder. Die anderen stritten sich noch immer, wenn auch viel leiser als vorher.
    »Alles ist vorbereitet, Jonai?« sagte sie.
    »Alles, Aes Sedai. Solinda Sedai... « Er zögerte und atmete tief durch. »Solinda Sedai, einige von uns wollen hierbleiben. Wir könnten auch so noch dienen.« »Wißt Ihr, was mit den Aiel in Tzora geschehen ist?« Er nickte, und sie seufzte. Dann streckte sie die Hand aus und strich ihm wie einem Kind über das kurzgeschnittene Haar. »Natürlich habt Ihr es erfahren. Ihr Da'schain habt mehr Mut als... Zehntausend Aiel hakten sich unter, bildeten eine lebende Kette und sangen. Sie versuchten, einen Wahnsinnigen daran zu erinnern, wer sie waren und wer er gewesen war, versuchten, ihn mit ihren Körpern und mit einem Lied umzustimmen. Jaric Mondoran tötete sie. Er stand da, blickte sie an, als stellten sie für ihn ein Rätsel dar, tötete sie, und sie rückten lediglich in den Reihen auf, schlossen die Lücken und sangen. Man hat mir berichtet, daß er dem letzten Aiel mehr als eine Stunde gelauscht hat, bevor er ihn vernichtete. Und dann brannte Tzora. Eine riesige Flamme verschlang Stein und Metall und Fleisch. Ein Glasklumpen befindet sich heute, wo vorher die zweitgrößte Stadt der Welt stand.« »Viele Menschen hatten Zeit, um zu fliehen, Aes Sedai. Die Da'schain haben ihnen diese Zeit erkauft. Wir haben keine Angst.« Ihre Hand verkrampfte sich in sein Haar, daß es schmerzte. »Die Bürger sind auch bereits aus Paaren Disen geflohen, Jonai. Außerdem werden die Da'schain noch eine große Rolle spielen. Wenn Deindre nur weit genug voraussehen könnte, um zu sagen, was es sein wird. Auf jeden Fall will ich hier etwas retten, und dieses Etwas seid Ihr.« »Wie Ihr meint«, sagte er zögernd. »Wir werden das behüten, was Ihr uns anvertraut habt, bis Ihr es wieder braucht.« »Selbstverständlich. Die Dinge, die wir Euch gaben.« Sie lächelte ihn an und löste ihren Griff aus seinem Haar. Dann strich sie es auch noch glatt und faltete schließlich die Hände. »Ihr werdet diese... Dinge... in Sicherheit bringen, Jonai. Bleibt in Bewegung, zieht immer weiter, bis Ihr einen sicheren Ort findet, wo Euch niemand etwas antun kann.« »Wie Ihr befehlt, Aes Sedai.« »Wie steht es mit Coumin, Jonai? Hat er sich beruhigt?« Er sah keine Möglichkeit, ihr die Antwort zu

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