Der Schatten erhebt sich
seiner Laternenstange auf einen Kopf mit Ziegenhörnern ein. Die Laterne zerbrach dabei, das heiße Öl floß dem Trolloc über den Schädel, und er rannte brüllend und heulend in die Dunkelheit. Der Ogier schlug wild mit der dicken Stange um sich, die in seinen großen Händen wie eine Rute wirkte, aber wo sie auftraf, da krachten und zersplitterten Knochen. Eines von Failes Messern steckte plötzlich in einem nur zu menschlich wirkenden Auge über einer hauerbewehrten Schnauze. Die Aiel tanzten den Speertanz. Sie mußten die Zeit gefunden haben, ihre Schleier anzulegen. Perrin schlug und schlug und schlug. Ein Wirbel des Todes breitete sich aus. Es dauerte... eine Minute? Fünf? Es erschien ihm wie eine Stunde. Aber schließlich lagen drei Trollocs am Boden, und diejenigen, die noch nicht tot waren, zuckten bereits im Todeskampf.
Perrin sog Luft in seine Lunge. Sein rechter Arm schmerzte so, als werde er durch das Gewicht des Hammers ausgerissen. Auf seinem Gesicht brannte etwas. An seiner Seite und an seinem einen Bein lief es feucht herunter. Dort hatte ihn der Stahl der Trollocs getroffen. Jeder der Aiel wies zumindest einen dunklen Fleck auf der graubraunen Kleidung auf, und Loial hatte einen blutigen Schnitt an der Hüfte. Perrin blickte an ihm vorbei und suchte Faile. Falls sie verletzt war... Sie saß auf ihrer schwarzen Stute und hatte ein Messer wurfbereit in der Hand. Sie hatte es doch tatsächlich fertiggebracht, ihre Handschuhe auszuziehen und sauber gefaltet in ihren Gürtel zu stecken. Er konnte an ihr keine Wunde entdecken. Bei all dem Blutgeruch in ihrer Umgebung -von Menschen, Ogier und Trollocs - hätte er an ihr keine einzelne Wunde wittern können, aber er kannte ihren eigenen Geruch ganz genau, und sie roch nicht nach Schmerzen und Verletzungen. Helles Licht tat den Trolloc-Augen weh. Sie konnten sich nicht schnell an die geänderten Lichtverhältnisse gewöhnen, als sie aus dem total Dunklen in den hellen Laternenschein kamen. Wahrscheinlich hatten sie es diesem Umstand zu verdanken, daß sie noch lebten und die Trollocs an ihrer Stelle tot waren.
Alles, was ihnen an Zeit blieb, waren ein paar Augenblicke zum Luftholen, um sich umzusehen. Mit einem Brüllen, als fielen hundert Pfund Knochen auf einmal in eine riesenhafte Knochenmühle, sprang ein Blasser in den Lichtkreis. Das augenlose Gesicht verhieß den Tod, und das Schwert zuckte wie ein schwarzer Blitz durch die Luft. Die Pferde wieherten wild und wollten durchgehen.
Gaul schaffte es gerade noch, diese Klinge mit seinem Schild abzulenken. Ein Stück seines Schilds wurde dabei glatt abgeschnitten, als seien die Schichten aus gegerbtem Stierleder nur Papier. Er stach zu, konnte gerade noch einem weiteren Schwerthieb ausweichen und stach wieder zu. Die Brust des Myrddraal wurde von mehreren Pfeilen durchbohrt. Bain und Chiad hatten ihre Speere in die dafür vorgesehenen Schlaufen ihrer Waffengurte gesteckt und benützten statt dessen die Hornbögen. Nach wenigen Augenblicken sah die Brust des Halbmenschen wie ein Nadelkissen aus. Dazu schoß Gauls Speers blitzschnell vor, zuckte zurück, schoß wieder vor. Plötzlich ragte eines von Failes Messern aus dem larvenblassen, glatten Gesicht. Trotzdem fiel der Blasse nicht und versuchte weiter, jeden zu töten, der in seine Nähe kam. Nur wilde Ausweichmanöver verhinderten, von seiner tödlichen Klinge getroffen zu werden.
Perrin bleckte unbewußt die Zähne und knurrte. Er haßte Trollocs, aber die Ungeborenen...? Es war es wert, bei dem Versuch zu sterben, einen der Ungeborenen zu töten. Meine Zähne in seine Kehle schlagen...! Er achtete nicht darauf, daß er Bains und Chiads Schußfeld einengte, sondern lenkte Traber immer näher von hinten an den Ungeborenen heran. Das Pferd sträubte sich heftig, und er mußte hart mit Knien und Zügeln arbeiten. Im letzten Moment fuhr die Kreatur herum, weg von Gaul, der ihm die Speerspitze zwischen die Schulterblätter zu rammen versuchte, stand unter dem Hals des Pferdes und starrte Perrin mit diesem augenlosen Blick an, der den Menschen so furchtbare Angst einjagte. Zu spät. Perrins Hammer fuhr herunter und zerschmetterte den Schädel des Myrddraal.
Selbst am Boden und praktisch kopflos schlug der Myrddraal noch wild um sich mit seinem in Thakandar geschmiedeten Schwert. Traber tänzelte zurück, wieherte nervös, und Perrin hatte mit einemmal das Gefühl, daß ihm eiskaltes Wasser den Rücken herunterrinne. Dieser schwarze Stahl schlug Wunden,
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