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Der Schatten erhebt sich

Der Schatten erhebt sich

Titel: Der Schatten erhebt sich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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leise. »Sie werden schon auf uns warten.« Auf mich.

KAPITEL
27

    Durch die kurzen Wege
    D ie Dunkelheit innerhalb der Wege ließ den Lichtschein von Perrins Stablaterne zu einem unbedeutenden kleinen Lichtkreis um ihn selbst und Gaul herum zusammenschrumpfen. Das Knarren seines Sattels, das Knirschen und Klappern der Hufe auf dem Steinboden, alles schien nicht weiter zu dringen als bis zum Rand dieses Lichtkreises. Kein Geruch lag in der Luft; nichts. Der Aielmann hielt leicht bei Trabers Schrittempo mit und spähte ständig nach dem trüben Laternenschein von Loials Gruppe aus, die sich ein Stück voraus befand. Perrin weigerte sich, sie als Failes Gruppe zu bezeichnen. Trotz ihres schlechten Rufs schienen die Wege Gaul überhaupt nicht zu beeindrucken. Perrin konnte nicht anders: Er lauschte andauernd in die Dunkelheit hinein, und das schon zwei Tage lang oder was man hier so Tage nennen konnte. Seine Ohren würden den Laut dessen als erste auffangen, das ihm sagte, sie müßten alle sterben oder es würde ihnen noch Schlimmeres zustoßen. Das Heulen des Windes, wo niemals ein Wind wehte. Kein wirklicher Wind, sondern Machin Shin, der Schwarze Wind, der die Seelen fraß. Immer wieder kam ihm der Gedanke, daß es doch absolut irrsinnig gewesen war, durch die Wege reisen zu wollen, aber andererseits, nun ja, wenn die Notwendigkeit bestand, was wollte man da machen?
    Das schwache Licht voraus bewegte sich nicht mehr, und so ließ er Traber anhalten, obwohl sie mitten auf einer uralten Steinbrücke standen, die sich durch vollkommene Schwärze schwang. Wie alt sie war, konnte er an den Rissen in der Brüstung sehen und an dem mit Schlaglöchern übersäten Straßenbelag. Sehr wahrscheinlich hatte sie bereits dreitausend Jahre lang hier gestanden, und nun schien sie dem Einsturz nahe. Vielleicht würde sie gerade jetzt einstürzen?
    Das Packpferd drängte sich an Traber heran. Die beiden Tiere wieherten leise und rollten ängstlich mit den Augen. Die Dunkelheit ihrer Umgebung machte sie so unruhig. Perrin wußte genau, wie sich die Pferde fühlten. Noch ein paar Menschen in ihrer Begleitung hätten geholfen, diese Dunkelheit nicht gar so drückend erscheinen zu lassen. Aber er hätte sich um keinen Preis den Laternen vor ihnen genähert, selbst wenn er ganz allein wäre. Da hätte er höchstens riskiert, dasselbe zu erleben wie auf jener ersten Insel, kurze Zeit, nachdem sie die Wege in Tear betreten hatten. Er kratzte sich gereizt in seinem lockigen Bart. Er war sich selbst nicht klar darüber, was er eigentlich erwartet hatte, aber bestimmt nicht...
    Die Stablaterne hüpfte auf und ab, als er aus dem Sattel stieg und Traber sowie das Packpferd zum Wegweiser führte, einer hohen, weißen Steinplatte, die mit in Silber eingelegten Schriftzeichen bedeckt war. Die Zeichen erinnerten ein wenig an Ranken und Blätter, aber die gesamte Oberfläche der Platte war mit Löchern übersät, als habe man Säure daraufgegossen. Er konnte die Schrift natürlich nicht lesen. Das mußte Loial tun, denn es war ja Ogier-Schrift. Nach einem Augenblick der Betrachtung schritt er um den Wegweiser herum und sah sich die Insel
    an. Sie entsprach genau den anderen, die er gesehen hatte: eine weiße Steinbrüstung, die ihm bis an die Rippen reichte, in kunstvollen Schwüngen und Rundungen durchbrochen. In Abständen wurde die Brüstung durch Brücken unterbrochen, die hinaus in die Dunkelheit ragten, und an anderen Stellen mündeten Rampen ohne jedes Geländer ein, die ohne sichtbare Stütze nach oben oder unten führten. Überall zeigten sich Risse, Schlaglöcher, Spalten, so, als verrotte der Stein ganz langsam. Bei jedem Hufschlag der Pferde konnte man hören, wie kleine Steinsplitterchen wegflogen. Gaul spähte ohne sichtbares Zeichen von Nervosität in die Dunkelheit hinaus, aber er wußte ja auch nicht, was dort draußen auf sie warten mochte. Perrin wußte es nur zu gut.
    Als Loial und die anderen nachkamen, sprang Faile sofort von ihrer schwarzen Stute und marschierte geradewegs auf Perrin zu. Sie sah ihm dabei eindringlich in die Augen. Er bereute es bereits, ihr Sorgen bereitet zu haben, aber eigentlich wirkte sie gar nicht besorgt. Er konnte ihren Gesichtsausdruck nicht deuten, nur entschlossen wirkte er schon.
    »Hast du dich endlich entschieden, wieder mit mir zu sprechen, anstatt...?«
    Ihre gewaltige Ohrfeige ließ ihn Sterne sehen. »Was hast du dir eingebildet«, fauchte sie ihn an, »hier einfach wie ein wilder Keiler

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