Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Der verlorne Sohn

Der verlorne Sohn

Titel: Der verlorne Sohn Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
Vom Netzwerk:
Freiheit beraubt, und zwar zu unzüchtigen Zwecken. Darauf ist eine sehr hohe Zuchthausstrafe gesetzt, der er gar nicht entgehen kann.«
    »Hm! Darüber wird sich sein Herr Bruder wohl nicht sehr freuen,« bemerkte Doctor Zander.
    »Sein Bruder? Wer ist das?« fragte Holm.
    »Der Intendant des Residenztheaters.«
    »Donnerwetter! Entschuldigung, meine Herren, daß dieser Fluch mir entschlüpft. Aber das ist mir hoch, hoch interessant. Sie irren sich doch nicht etwa, Herr Doctor?«
    »Nein. Emilie Werner selbst sagte es mir.«
    »Sie selbst? Ah, dann ist es mir unbegreiflich, daß sie dieses Engagement eingegangen ist, nachdem sie den Intendanten auf eine ganz armselige Weise kennen gelernt hat.«
    »Sie hat es ja gar nicht gewußt! Sie hat es erst erfahren, als die Mitglieder dieser Künstlerbande in ihrer Gegenwart davon gesprochen haben.«
    »Ah! Jetzt geht mir ein Licht auf, und was für eins. Warten Sie, mein bester Herr Intendant, wie ich Sie fassen werde! Dieser Mensch hat das arme Mädchen seinem Bruder in die Krallen gespielt.«
    »Wieso?« fragte der Arzt.
    Holm erklärte seine Combinationen und war damit gerade zu Ende, als die beiden Schwestern eintraten. Ihre Gesichter glänzten vor Glück, obgleich man ihnen ansah, wie viele Thränen sie vergossen hatten. Es waren ja Thränen der Freude gewesen. Beide wußten nicht, wie sie den drei Beschützern ihre Dankbarkeit erweisen sollten, und ganz besonders wurde ihr Glück durch Zanders Zusicherung erhöht, daß er noch im Laufe des heutigen Tages ihre Mutter besuchen werde, um zu sehen, ob noch Hoffnung sei, sie zu retten und der schrecklichen Krankheit Einhalt zu thun.
    Natürlich fuhren die fünf Personen in einem gemeinschaftlichen Coupé nach der Residenz. Dort angekommen, trennten sie sich. Der Arzt begab sich direct nach der Wohnung des Fürsten, um da auf ihn zu warten, welcher zunächst in’s Bezirksgericht ging, um dem Gerichtsrathe seinen Bericht zu erstatten. Holm hingegen begleitete die beiden Schwestern nach Hause.
    »Bitte, machen Sie mir die Freude, vor der Thür zu warten,« bat er sie, und sie willigten gern ein.
    Er klopfte an und trat ein. Der abgesetzte Theaterdiener war daheim und freute sich über Holms Besuch. Er gab ihm die Hand und schob ihm einen Stuhl zu.
    »Nun, haben Sie geschwiegen?« fragte der Reporter.
    »Wegen Laura meinen Sie doch?«
    »Ja.«
    »Kein Wort habe ich gesagt.«
    »Das ist recht, sehr recht!«
    »Aber – hm, lieber Herr Holm, darf ich Sie darauf aufmerksam machen?«
    »Worauf?«
    »Daß Sie mir sagten, ich brauche nur bis morgen oder übermorgen zu schweigen?«
    »Ja, das habe ich freilich gesagt.«
    »Wann kann ich davon reden?«
    »Heute, jetzt.«
    »Wirklich? Wirklich? So ist es also wahr, daß die Unschuld Laura’s nachgewiesen werden kann?«
    »Sie wird gerichtlich nachgewiesen werden, denn die eigentliche Mörderin ist entdeckt!«
    »Herrgott! Entdeckt?«
    »Ja. Sie befindet sich in sicherem Gewahrsam.«
    »Und Laura? Was wird unterdessen mit ihr? Muß sie bis zum Ende der Untersuchung in Haft bleiben?«
    »Hm! Ich möchte daran zweifeln.«
    »Wirklich? Sie meinen, daß man sie freilassen werde?«
    »Ja, das ist freilich meine Meinung, Es ist sogar möglich, daß man bereits Schritte gethan hat, sie aus ihrer unverdienten Gefangenschaft zu entlassen.«
    »Was Sie sagen! Hört, Kinder, hört! Unsere Laura ist unschuldig! Sie soll entlassen werden! Sie wird wieder kommen! Aber, mein liebster, mein bester Herr Holm, von wem sind diese Schritte gethan worden?«
    »Von Emilien.«
    »Von Em – – – welche Emilie meinen Sie denn?«
    »Nun, die Ihrige natürlich!«
    »Meine Tochter? Ich verstehe Sie nicht. Welche Schritte soll denn die gethan haben?«
    »Das ist doch sehr einfach: Sie ist nach Rollenburg gemacht, um ihre Schwester nach Hause zu bringen.«
    »Wie? Was? Wie kommen Sie mir vor? Sie hat sich ja vermiethet, und ist da ganz zufällig nach Rollenburg, weil die Truppe dort auftritt.«
    »Und ich bin überzeugt, daß sie nach Rollenburg ist, um Laura zu holen. Ich habe es aus einem sehr sicheren Munde.«
    »Sie werden immer räthselhafter. Sie wissen doch, daß sie als Kassirerin angestellt ist.«
    »Nein, das ist sie nicht.«
    »Was denn? Ich habe ja das vierteljährliche Gehalt pränumerando ausgezahlt erhalten.«
    »Ja, geschenkt haben Sie es bekommen!«
    »Herr Holm, ich kenne Sie als Ehrenmann, sonst würde ich behaupten, daß Sie sich einen dummen Spaß mit mir machen!«
    »Ich spreche sehr im

Weitere Kostenlose Bücher