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Der verlorne Sohn

Der verlorne Sohn

Titel: Der verlorne Sohn Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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davon, daß er jetzt wieder hier ist und heimlich bei seinen Eltern wohnt.«
    »Soll ich nach ihm forschen?«
    »Ja. Ich möchte baldigst wissen, ob an diesem Gerüchte etwas Wahres ist. Lieb wäre es mir, außerordentlich lieb, wenn ich noch heute Etwas erfahren könnte.«
    »Wo und wann würde ich Sie treffen?«
    »Wir haben wieder Versammlung. Nach derselben bleiben Sie zurück und machen mir Meldung.«
    »Schön! Ich werde sofort an die Lösung der beiden Aufgaben gehen, welche Sie mir gegeben haben.«
    »Bringen Sie mir erwünschte Nachricht, so werde ich Sie so belohnen, daß Sie zufrieden sind.«
    »O, ich bin überzeugt davon!«
    Der Baron entfernte sich, und der Goldarbeiter legte eben seinen Ausgehrock an, als er hörte, daß wieder Jemand in seinen kleinen Laden trat. Als er hinausging, erkannte er zu seinem Erstaunen den Fürsten von Befour.
    Was wollte dieser bei ihm? Er nahm sich vor, sich jedenfalls diese Gelegenheit nützlich zu machen.
    »Sind Sie selbst der Besitzer dieses Ladens?« fragte der Fürst.
    »Ja, mein Herr!«
    »Kennen Sie mich vielleicht?«
    »Nein; ich habe nicht die Ehre.«
    »Ich bin der Fürst von Befour –«
    Der Jude verbeugte sich tief, und der Fürst fuhr fort:
    »Ich komme nicht, um einen Einkauf zu machen, sondern um Ihnen eine Frage vorzulegen.«
    »Ich stehe ergebenst zu Diensten, Durchlaucht!«
    »Ist Ihnen vielleicht hier diese Kette bekannt?«
    Er legte ihm die echte Kette Robert Bertram’s vor. Jacob Simeon ahnte eine Falle und antwortete: »Nein.«
    »Wirklich? Sie kennen sie nicht?«
    »Wirklich nicht.«
    »Ich vermuthe aber, daß Sie sie vor nicht gar langer Zeit in den Händen gehabt haben.«
    »Das ist auf alle Fälle ein Irrthum, gnädiger Herr.«
    »Besinnen Sie sich!«
    »Ich würde dadurch zu keinem anderen Ergebnisse gelangen.«
    »Nun, vielleicht überzeuge ich Sie doch. Es handelt sich bei den Arbeiten, welche Sie in Auftrag bekommen, immerhin um gewisse Werthe, so daß ich vermuthen darf, Sie führen Buch über Ihre Arbeiten?«
    »Allerdings.«
    »Wollen Sie nicht einmal nachschlagen?«
    Jetzt befand sich der Jude in keiner geringen Verlegenheit; er zog sich aber aus derselben durch die Ausrede: »Grad heute ist mir das Nachschlagen unmöglich.«
    »Warum?«
    »Ich habe das Buch zum Buchbinder geschafft, um mir neue Blätter anheften zu lassen.«
    »Ah, das klingt doch nicht sehr wahrscheinlich! Man kauft sich ein neues Buch, aber man läßt sich an das alte nicht anheften. Das ist erstens unbequem, und zweitens würde dadurch der Buchbinder Einsicht in Ihr Geschäft erhalten.«
    Jacob Simeon sah recht wohl ein, daß seine Ausrede eigentlich eine dumme sei. Er dachte zugleich an den Auftrag, welchen er vor wenigen Minuten von dem Hauptmann erhalten hatte, und so antwortete er: »Warum sollte ich Euer Durchlaucht die Unwahrheit sagen? Ich bin bereit, zum Buchbinder zu gehen, um nachzuschlagen und Ihnen dann das Ergebniß mitzutheilen.«
    »Das halte ich keineswegs für nöthig. Diese Kette ist ein Stück, dessen man sich wohl noch nach langen Jahren erinnert, wenn man es einmal in der Hand gehabt hat.«
    »Das ist aber bei mir nicht der Fall gewesen.«
    »Nun, ich will Ihrem Gedächtnisse zu Hilfe kommen. Haben Sie die Buchstaben gelesen, welche dem Medaillon eingravirt sind.«
    »Ja.
R.v.H.
«
    »Sind Ihnen auch diese nicht erinnerlich?«
    »Ganz und gar nicht!«
    »Sonderbar!«
    Er schüttelte den Kopf, betrachtete unter einem schalkhaften Lächeln den Goldarbeiter und fuhr fort: »Sie machen es mir wirklich schwer, von Ihnen zu hören, was ich erfahren will! Aber ich werde Ihr Gedächtniß doch noch auf die richtige Spur bringen. Ist Ihnen vielleicht der jüdische Althändler Salomon Levi bekannt, welcher in der Wasserstraße wohnt?«
    Der Jude hielt es nicht für gerathen, diese Bekanntschaft abzuleugnen; daher antwortete er:
    »Ja, den kenne ich.«
    »Aber wohl nur oberflächlich?«
    Der Fürst machte dabei ein Gesicht, welches verrieth, daß er seiner Sache ganz gewiß sei. Der Jude wagte also nicht zu leugnen, zumal ihm ja der Umstand, mit dem Juden bekannt zu sein, an und für sich keinen Schaden bringen konnte. Er antwortete:»Nein. Ich kenne ihn vielmehr sehr gut. Ich habe oft für ihn gearbeitet. Er kauft zuweilen altes Geschmeide, welches ich ihm bearbeiten muß.«
    »Wissen Sie, was mit ihm geschehen ist?«
    »Nein.«
    »Er ist gefänglich eingezogen worden.«
    »Sapperment!«
    »Ja. Er ist gewisser Dinge angeschuldigt, welche vermuthen lassen,

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