Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
wodurch ihrer 18 verleitet / auf sein stränges anhalten ihm eheliche Liebe versprochen / und deren 6 gar von ihm zu unfall gebracht währen. Sehet Durchleuchtigster Fürst /sagte sie / dieser träulose Bube / der es endlich gar mit einem Schelmen verlauffen müssen / hat dannoch durch seine Bosheit so viel gutes gestifftet / daß wir jungen einfältigen Fräulein uns fein lernen vorsehen /und nicht einer jeden süssen Pfeiffe gehör geben. Zwar Eure Liebe sehe ich nicht vor einen solchen an /dann wie könte der allergeträueste Liebhaber GroßFürst Herkules einen so ungleichen betrieglichen Bruder haben? aber obgedachtes Römische Frauenzimmer haben den Bösewicht Anizius auch nicht vor einen solchen gehalten / und darüber ihre Leichtgläubigkeit gar zu spät bereuen und beweine müssen. Der ErzSchelm hat verdienet / sagte Baldrich / daß ein jeder redlicher Ritter Rache an ihm üben solte / weil durch solche Büberey der löblichen Ritterschafft er diesen Schandflek angehänget / daß eines auffrichtigen ritterlichen Herzen standhaffte Träue in zweifel muß gezogen werden; ich vor mein Haupt gelobe hiemit an / wann ich wüste / an was Ort und Ende er sich aushielte / ich nicht ruhen wolte / biß er durch Büttels Hand die verdiente Straffe empfangen hätte / und wanns möglich währe / 63 mahl gekreuziget würde; versichere auch Eure Liebe beständig / daß wann ein solcher Bube in meinem Vaterlande sich würde finden lassen / der nur einer einige Herren-Standes Fräulein solche Unträue beweisen dürffte / müste er allenthalben durchächtet / und da er nicht zufinden währe / als ein verlauffener Schelm an den Galgen geschlage werden; baht hierauff inständig / ihre Vortrefligkeit möchte doch dergleichen Argwohn von ihm nicht fassen / nachdem er lieber ungebohren / als seinem Herr Bluder so ungleich seyn wolte; fassete endlich ihre Hände / küssete sie abermahl inbrünstig / und sagete: Ihr Götter / die ihr den Ritterstand zur Beschützung weibliches Geschlechts ohn zweifel insonderheit eingesezt habet / straffet ja bitte ich alle dieselben / welche ein ehrliebendes Fräulein oder ander Weibesbild zubetriegen die Gedanken fassen dürffen / absonderlich aber suchet mich mit eurem Donnerstrahl heim /wann ich jemahl einem andern Fräulein mich vor ihrem Ritter anbiete / als dieser Hochgebornen Fräulein Lukrezien Pompejen. Behüte Gott / Durchleuchtigster Fürst / antwortete sie / warum verwünschet er sich dergestalt? Mein Gott und Schöpffer weiß / daß mir solches von herzen zuwider ist; nicht daß Eure Liebe ich zu solchem Freunde ausschlagen wolte /dessen Wirdigkeit ich ja nicht eins gleich legen kan /sondern derselben anderwerz viel höhere Glükseligkeiten zubefodern / wil ich meinen Gott bitten / daß er Euer Liebe jeztgeführete Reden / als ungesprochen rechnen und vorbey gehen lassen wolle. Er hingegen brachte vor: Was ein bebachtsames Gemüt aus steiffem Vorsaz redete / könte den Göttern nicht verborgen bleiben; währe auch nicht willens /dieses Gelübde Zeit seines Lebens zuwiderruffen; hätte er aber ihre Vortrefligkeit dadurch beleidiget bähte er ganz demühtig um Verzeihung. Der anderen von ihr gedachten Glükseligkeiten wolte er sich herzlich gerne begeben / wann er nur der jeztgewünscheten könte fähig seyn; woran ihm ohn zweifel nichts als seine gar zu grosse Unwirdigkeit verhinderlich währe; Hielt nochmahls an / das Fräulein möchte ihm die grosse Ehre uñ gnade erzeigen /und gönnen / daß er in seinem Herzen und gege ihr allein / sich ihren Ritter halten und nennen dürffte. Warumb nicht / Durchleuchtigster Fürst / antwortete sie / das sol Euer Liebe frey stehen / mich so hoch zuehren / und zwar solcher gestalt / daß ihr die freyheit sol unbenommen seyn / sich schier heut oder morgen einer wirdigern Fürst- oder Königlichen Fräulein im rechten Ernst darzustellen / jedoch mit diesem ausdrüklichen bedinge / daß gleichwol meiner alsdann nicht spötlich gedacht werden möge / als hätte ich mir andere als Scherzgedanken hierüber gemacht. Ach mein Hochgebohrnes Fräulein / gab er zur Antwort /welche tödliche Seelenstiche sind das; wolte Gott /ich könte meines ergebenen Herzen auffrichtige Gedanken derselben augenscheinlich darlegen / umb zubekräfftigen / dz in dieser Welt meine Geister durch nichts anders / als Euer Liebe Volkommenheit könne vergnüget werden; doch der begünstigten Gnade mich zugebrauchen / nehme ich mit inbrünstigem Willen an / daß mein Fräulein mir
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