Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
übergebrachte grossen Schätze aus / über deren grosse Menge sich jederman zum höchsten verwunderte / insonderheit aber entschuldigten sich Fr. Sophia und Fr. Ursul / daß sie solches annehmen solten / da sie doch ihren Gemahlen nicht hätten können in der fremde Geselschafft leisten. Leches und die übrigen empfingen auch neben ihren Eheliebsten die beygelegten Gelder und andere Sachen; nur vor Gallus fand sich nichts /dessen Ladisla sich verwunderte / und nicht anders meynete / es würde von den Morgenländischen Fürsten wegen der Eile vergessen seyn / deßwegen er zu ihm sagete: Machet euch keine Gedanken Gallus /finde ich gleich euren Anteil hier nicht / sol er euch doch unverrücket bleiben / wie ihr solches mit euren geträuen Diensten wol verdienet habet. Ach Gnädigster Herr / antwortete er / was könte ich doch vor einige Gnade verdienet haben? wolte Eure Durchl. mit mir nach Verdienst handeln / so müste ich heut dem Räuber Fannius Geselschafft geleistet haben. Auff welche Rede / die er kaum endigen kunte / drungen ihm die Trähnen so häuffig aus den Augen / daß er einen Abtrit nehmen muste / auch Ladisla selbst vor Mitleiden ihm keine Antwort geben kunte. Er stellete sich aber bald wieder ein / und zeigete an / daß er die Schenkungen von den Fürsten zu Persepolis und andern KriegsObristen in so grosser menge empfangen hätte / daß er des nehmens überdrüssig worden / und es auf viel Wagen fortschleppen müssen / wovon er seinem Gelübde nach / der armen Christenheit hin und wieder den zehenden träulich entrichtet / welcher über anderthalb Tonnen Goldes sich erstrecket. Es ist mir lieb / sagte Ladisla / daß ihr diese Reise nicht umsonst getahn / und ist unser aller ernstlicher Befehl und Wille / daß hinfort ihr eures ehmahligen Verbrechens keine Erwähnung / als etwa bey euch selbst und vor GOtt tuht / weil eure folgende Träue alles vorige bey uns gänzlich ausgelöschet uñ vertilget hat. Sonst werde ich mich unterstehen / mein liebstes Gemahl zuersuchen / daß sie euch zur Heyraht verhelffe /nachdem es euch noch an dieser zeitlichen Glükseligkeit mangelt. Er bedankete sich dessen untertähnigst /und bekennete / daß er seinem Gott angelobet hätte /da es ihm so gut werden könte / eines verarmeten ädelmans Tochter / die ehrlich und eine Christin währe /oder zuwerden gedächte / zuheirahten / deren Eltern und Geschwistern sich seines grossen Gutes mit solten zuerfreuen haben. Er hatte sich aber in Fr. Sophien Leibdienerin / Jungfer Beaten hefftig verliebet /und ihres Standes Kundschaft eingezogen / daß sie von gutem Paduanischen Adel / aber ihre Eltern durch alte Schulden in tieffe Armuht gerahten währen. Sie wahr ohngefehr von 24 Jahren / from / schön und eine Christin / und hatte Fr. Sophien von ihrer Jugend her auffgewartet. Weil dann dieselbe ihres Gemahls erbieten hörete / fassete sie alsbald die Gedanken / ihre geträue Dienerin zubefodern / gab vor / sie hätte etwas zubestellen / und wolte sich bald wieder herzu machen / hieß Beaten ihr nachfolgen / und da sie mit ihr allein wahr / sagte sie: Ohn zweifel gedenket der liebe Gott auch an dich wege deines Christlichen Wandels; dafern du nun dein Glük erkeñen kanst / wird dir leicht geholffen seyn; Du hörest / wessen Gallus sich erbeut / welcher / ob er gleich kein gebohrner ädelman ist / so wird er doch von Königen und Fürsten dergestalt geliebet / daß ihm ein mehres als der gemeine Adelstand erfolgen kan; drumb erkläre dich bald /wessen du gesinnet bist / alsdann wil ich eure Heyraht ohn verweilen befodern / und kanst durch dieses Mittel deine Eltern und Geschwister alle mit einander aus ihrer Armuht loßreissen. Diese gab zur Antwort: Sie hätte ihr vorgenommen / Ihrer Gn. Frauen Leib-bedienung nimmermehr zuverlassen / wolte ihr aber gerne gehorsamen und ihres Willens leben / hoffete auch /es würde Gallus so übermühtig nicht seyn / und hernähst ihre Armuht ihr schimpflich vorwerffen. Ey was wolte er dir vorwerffen / sagte sie / ich wil dir vor alles Bürge seyn; ging wieder mit ihr hin / da Gallus mit verlangen wartete / und nicht wenig fürchtete /man würde ihm eine ungenehme zu freien wollen / hörete aber mit freuden / daß ihn Fr. Sophia also anredete: Guter Freund Gallus / ich habe meines Herrn Königes uñ Gemahls begehren an mich wol verstande /in dem dessen Liebe von mir gewärtig ist / euch einen Ehegatten zuzufreien; weil ihr dann euer Christliches Gemüht gnugsam habt erkläret / daß euchs weder umbs
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