Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
und sehr wol abgerichtet / wobey der Ritter selbst sich gar höflich erzeigete / und der Zuseher gute Gunst erwarb /hielt sich auch im Treffen nicht minder hurtig als kräfftig / so daß Klodius / der bißher grosse Ehre eingelegt hatte / von ihm im dritten Ritte abgestochen ward; welchen Markus zurächen meynete / aber im andern Satze ihm Geselschafft leisten muste. Baldrich wähnete alsbald / es würde eben der seyn / mit welchem er voriges Tages zu allererst gestochen hatte /ward auch in seiner Meynung nicht betrogen. Nach diesem kahmen zween in einerley Rüstung auffgezogen / und tahten ihren Ehren gutes genügen / daß ich der anderen / die jeztgedachten nit gleicheten / geschweige / weil alles zuerzählen viel zuverdrießlich seyn würde / massen das heutige Spiel sich viel länger als das gestrige auff den Tag verzog / ungeachtet es wol anderthalb Stunden zeitiger angangen wahr / biß endlich die Richter ihm Anstand gaben / und obgedachte beyde junge Fürstiñen den mit der Tugend / uñ den mit der gekröneten Schlangen herzufodern liessen / welche gehorsamlich erschienen / und von Fr. Sibyllen alsbald erkennet wurden; dann der erste wahr Herr Q. Skaurus / der ander Herr Kajus Pupienus / des damahligen Bürgemeisters zu Rom leiblicher Bruder /und beyde der jungen Fürstinnen nahe Anverwanten /daher sie sich unter einander grosse Höfligkeit erwiesen / und Sibylla zu Lukrezien sagete: Sehet da / geliebte Schwester / unsere Herren Oheime haben mit eurem Gemahl gestriges Tages unwissend gestochen /und ihre Manheit gnug dargelegt / dero behuef wir dann gevolmächtiget sind / sagte sie zu den Rittern /Euer Liebden das Zeugniß euer Tugend mitzuteilen; nehmet demnach diese Ketten im Nahmen des Durchl. Fürsten Arbianes von unsern Händen / und tuht unsern Fürstlichen Gemahlen / insonderheit dem unvergleichlichen Groß Fürsten Herkules und seinem Königlichen Gemahl / der Krone des ganzen weiblichen Geschlechts / dann auch ihrem Herr Bruder / dem Großmächtigen Könige Ladisla die Ehre eurer Geselschafft / welches sie mit aller möglichen Freundschafft erkennen werden. Diese beyde Ritter danketen sehr wegen beschehener Ehre / hielten sich unwert /so hohen Preiß anzunehmen / nachdem sie des vorigen Tages von dem ritterlichen Helden Groß Fürst Baldrich herunter geworffen währen; jedoch ihnen /als vortreflichen Fürstinnen zugehor samen / müsten sie billich ihres Willens leben; wünscheten ihnen nachgehends zu ihrer Heyraht Glük / und bahten /ihrer bey der Hoch Fürstl. Geselschafft im besten zugedenken. Groß Fürstin Valiska und Frau Sophia stelleten den beyden gleichgewaffneten Rittern den andern Dank zu / und wahren eben die / so des vorigen Tages zu allererst mit Siegward und Arbianes gestochen hatten. Den dritten Preiß / welcher ein grosser weisser Federbusch mit einem angeheffteten Kleinot war / bekamen Klodius und Markus von Fr. Ursulen und Frl. Helenen / dessen sie sich höchlich bedanketen. Als nun Sibylla der sämtlichen Geselschafft zuwissen taht / wie Herr Skaurus und Pupienus ihre nahe Anverwanten währen / wurden dieselben alsbald von Leches und Neda in das Fürstliche Gezelt eingehohlet / dahin sie nach abgelegten Waffen mit ihnen gingen / und anfangs von der Groß Fürstin sehr höflich empfangen wurden / deren Volkommenheit sie vor übermenschlich schätzeten / tahten ihr demnach überaus grosse Ehr / und nach geleistetem Handkusse sagte Skaurus: Durchleuchtigste Groß Fürstin; das Lob ihrer hohen Volkommenheit / nachdem es die weiten Morgenländer erfüllet / und ganz Asten durchstrichen / kan in diesen Orten sich so wenig als die Sonne selbst verbergen; mein Geselle und ich schätzen uns sehr glükselig / wegen der Ehre / die wir haben / ihre Hände zuküssen / dienstlich bittend / Ihre Durchl. wolle durch ihr gebieten uns wirdigen / in die Zahl ihrer Diener auffzunehmen. Ihr meine hochwerte Herren / antwortete sie; das Lob meiner Wenigkeit muß sehr dunkel seyn / nachdem der Nebel der Unvolkommenheit meine Kräfte allerdinge überzogen hat / da hingegen Eurer Liebe tapffere Tahten sich überal hören lassen / deren meine Fr. Schwester / Fürstin Sibylla mir schon etliche gnug denkwirdige erzählet hat; werde demnach auff gebührliche Dankbarkeit bedacht seyn müssen / daß Ihre Liebden mir ihre Kundschafft gönnen. Der Stathalter kam mit den gesamten Fürsten darzu / da es überal viel Höfligkeiten abgabe / gestaltsam den unsern nicht unbewust wahr /in wz grossem Ansehen diese beyde am
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