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Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
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hätte sich selbst umbs Leben gebracht; Dann es ward desselben Tages eine fliegende Zeitung / die aus Irtuhm herrührete / in der Stad außgesprenget / wie eine Reuter Schaar / welche sie meineten aus Padua geritten seyn / in einem Flecken angegriffen / und alle miteinander erschlagen währen /ohn daß ein einziger junger Ritter / mit gelben Haaren und zartem Angesicht / durch seine ungläubliche Mannheit sich so lange gewehret / biß ihm Lebensfreyheit zugesaget wåhre; worauff er endlich sich gefangen hinweg führen lassen. Dieses erzählete Herren Emilius Haußhalter in beysein Frl. Helenen / wie ers auff der Gasse gehöret hatte. Selbe hinterbrachte es ihrem Vater / welcher den Haußhalter eigentlich befragete / und ging bald hernach zu dem Stathalter /ihm anzeigend / es gingen böse Zeitungen umb / und fürchtete / die Außgerittenen hätten einen Anfal erlitten; wolte ihn zwar ungerne betrüben / könte aber nicht umb hin / es zu melden / daß eine SchaarReuter von XI. Pferden in einem Flecken gänzlich / auff einen einzigen nahe / solten erschlagen seyn. Herr Fabius entsetzete sich darüber zum hefftigsten / fragete nach dem Zeitungs-bringer / und sendete alsbald etliche Diener aus / dem Geschrey nachzuforschen; welche bald wieder kahmen / und berichteten / daß die ganze Stad davon redete. Inzwischen ging Frl. Helena hin / ihre Wase Fr. Sophien zu besuchen / und da ihr diese Zeitung zukommen währe / sie in ihrem Unglük zu trösten; fand aber / daß sie dessen noch unberichtet wahr / biß Herr Fabius in das Frauenzimmer trat / und mit gelinder Stimme anfing; lieben Kinder / ich finde / das ein Geschrey in der Stad erschollen / ob solten unsere Leute angegriffen seyn / und etwas Niderlage erlitten haben; wird demnach rahtsam seyn / daß man Reuter außschicke / umb eigentlich nachzuforschen /ob sichs also verhalte oder nicht. O Herzlieber Herr Vater / sagete Fr. Sophia mit zitternden Gliedern; vielleicht sind sie alle miteinander erschlagen. Solches wollen wir nicht hoffen / antwortete er / vielweniger ohn Ursach muhtmassen; dann das Geschrey pfleget solche und dergleichen Lügen offtmahl auff die Beine zusetzen. Ging damit hinweg / und lies stündlich 500 zu Pferde auffbieten / vermochte auch Herren Kornelius / daß er ihr Führer ward / welcher mit seinen Leuten schleunig auffbrach / und die gemeine Landstrasse nach dem Flecken vor sich nam. Fr. Ursula wahr damahls auff ihrem Zimmer allein /und hatte ihre Leibdienerin außgesand / ihr etliche Goldfädem einzukäuffen; diese vernam das Geschrey auff der Gassen / lieff ganz unbesonnen zu ihrer Frauen mit grossem geheule / und sagte; es währe ihr Gemahl samt Herren Ladisla und allen Reutern erschlagen / und Herr Herkules gefangen; worüber sie dermassen erschrak daß sie in starke Ohmacht niderfiel /und weder Hand noch Fuß mehr regete. Die Magd entsetzete sich hierüber / lieff nach Fr. Pompeien /und taht ihr solches zuwissen / welche alsbald kräfftige Sachen zur Hand nam / und mit Fr. Sophien und Frl. Sibyllen zu ihr ging / funden sie als eine Todtenleiche / und bestrichen sie so lange / biß sie wieder zu sich kam / und mit gar schwacher Stimme und trähnenden Augen sagte. Ach warumb lasset ihr mich meinem allerliebsten Fabius nicht folgen! oder gedenket ihr / daß ich nach seinem Tode lust habe länger zu leben? Fr. Sophia ward hierüber ängstig zittern / daß sie sich nieder auff die Erde setzen muste / und sagte: O Herz liebe Schwester / was habt ihr dann neues von meinem Bruder? Ich hoffe ja nimmermehr / daß ihr traurigere Zeitung wisset / als wir alle mit einander; Fr. Ursula aber fuhr fort mit ihrer Klage; Ach mein Fabius! ach Herr Ladisla! was vor grausame Fäuste haben euch erschlagen können? und was vor Gewalt hat den Handfesten unüberwindlichen Herkules gefangen? Als Sophia diß hörete / rieff sie mit hartweinender Stimme, O ist dann mein liebster Ladisla schon dahin? O ist meine einige Freude und Wollust ermordet? Mein Erretter! mein allerbester Schaz! mein einiges-Al? O du allerliebste Seele / warumb bistu nicht alsbald nach deinem Abschiede hieher geflogen / daß du mich auffgemuntert hättest / mit dir zuzihen? Ja warumb kömstu noch nicht / und foderst die meine ab / zu dir / nach dem sie mit dir unaufflößlich verknüpffet ist? Nun nun / unsere Freude ist dahin / unsere Wollust ist zum Ende gelauffen / aber leichter als der Wind / schneller als der Schein eines außgelöscheten Lichtes; geschwinder als die Gedanken selber. O du

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