Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
Gefangenen / sagete Valikules / werden nicht gelassen werden / weil sie dem Stathalter zu Padua nahe befreundet sind; Aber könnet ihr mir nicht sagen / wohin sie ihren Lauff genommen haben? So gar eigentlich weiß ich davon nicht zuberichten / antwortete er / nur daß sie gewaltig fort ruderten / biß sie unter den Wind kahmen / und man sie in kurzer Zeit nicht mehr sehen kunte; meinem bedünken nach ginge sie nach Griechenland / dann ihr Lauff wahr Sud Ost /wiewol ich sie nicht vor Griechen / sondern vor Barbaren halte / aus den Asiatischen Morgenländern; dann ich hörete etliche die Parthische Sprache reden /die mir von XXX Jahren her bekant ist / da ich unter dem Käyser Severus als ein FreyReuter die Parther und Adiabener bestreiten / und unter dz Joch bringen helffen. Valikules wunderte sich / daß solche von dem Mittel Meer so weit abgelegene Völker sich auff SeeRåuberey begeben solten; verstund doch aus diesem Bericht / wie gefährlich es umb sein Fräulein stünde / und wie unmöglich es wåhre / ihr zu helffen /wo nicht Gottes Barmherzigkeit ihm den rechten Weg zeigen würde. Insonderheit bekümmerte er sich hefftig / daß kein Schiff verhanden wahr / worauf er sich setzen und den Räubern folgen könte; Wie er aber in den grösten Gefährligkeiten sich allemahl auf Gottes Hülffe und Beystand verließ / also gelebete er der Christlichen Hoffnung / sein Heyland würde sein Vorhaben noch beseligen / und alles nach seinem gnädigen Willen ordnen und schicken. Weil er dann durch das ungewöhnliche stränge gehen sehr ermüdet wahr /legte er sich unter einen Baum / und ruhete etliche Stunden gar sanffte / biß die helle Sonne über dem Erdboden stund / da inzwischen Gallus immerzu wache blieb / und ein wenig davon mit dem Alten sein Gespräch hielt / welchen Valikules durch verheissung eines Geschenkes darzu vermocht hatte. Nachdem er wieder erwachet wahr / rühmete er / wiewol er geschlaffen hätte / und von der gestrigen Ungelegenheit des gehens ausgeruhet / redete mit dem Alten /und baht ihn / ein Schiff im nähesten Hafen auszuhören / wovor er ihm ein gutes Trinkgeld vergnügen wolte. Der Baur berichtete ihn / er währe vor zween Tagen bey einem Hafen / zwo Meile von hinnen / vorübergangen / da er zwey Kauffmansschiffe gesehen /Wein und andere Waaren einladen / deren das eine zweiffelsohn abgefahren; das andere hätte noch auff Ladung gewartet / und da er nit irrete / würde dasselbe nach Griechenland fahren. Mein Freund / sagete Valikules / dahin müsset ihr mich geleiten; gab ihm VI Kronen / und macheten sich ohn ferner Auffhalten fort / traffen auch das Schiff an / welches schon fertig wahr abzulauffen / da der Schiffherr anzeigete / daß er in unterschiedliche Hafen Griechenlandes anhalten /etliche Waaren ausladen / und dagegen andere wieder einnehmen würde. Weil nun dieses ihm sehr gewündschet fiel / dingete er sich neben Gallus auff das Schiff / und fuhren in Gottes Nahmen davon / der gewissen Hoffnung / jhr Helffer würde seinen Beystand ihnen scheinlich sehen lassen.
Dieses Tages / wiewol gegen den späten Abend /gelangete der verwundete Räuber bey dem unseligen Flecken an / woselbst er eine grosse Menge nacketer Männer an Kreuze gehefftet sahe / deren annoch etliche lebeten / und überaus grossen Jammer trieben /und da er jhnen nåher kam / ward er gewahr / daß sie alle seiner vorigen Geselschaft wahren; dessen er so hart erschrak / daß er nicht wuste / ob er förder gehen / oder zurük weichen solte; endlich wagete ers in seiner Mattigkeit / und ging der Herberge gleich zu. Ladisla und Fabius wahren in grossem Kummer / daß jhnen von Herkules keine Zeitung zukam / und gerieten auff die Gedanken / er möchte von seinem Führer hintergangen / den Räubern überliefert / oder wol gar erschlagen seyn; biß dieser sich angab / uñ alles berichtete was jhm befohlen wahr; dessen sie nicht wenig erschraken / und fleissig nachfrageten / wie zeitig er meinete / daß Herkules bey dem Meer anlangen würde; als sie nun vernahmen / daß er solches schon diesen Morgen würde erreichet haben / ward Ladisla über die masse betrübet / daß jhm die Augen übergingen / und zu sich selber sagete: So hat Herkules ohn seinen Ladisla sich auff das Meer begeben / und jhn verlassen können? O du mein allerbester Freund / O du mein allerliebester Bruder / wo suche ich dich dann nun? Wo finde ich dich wol wieder? Fabius wahr nicht viel anders zu muhte / dann erliebete Herkules mehr als sich selbst / hatte auch
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