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Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
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erhalten; aber unmöglich ist es / daß es lange bestehen solte; dann die Wurzel / auff welche ich gegründet wahr / ist abgehauen; Ach ihr Götter / sie ist abgehauen und dem Stam entzogen /der von ihr allen Safft und das Leben selbst hatte. Frl. Sibylla kunte wegen Mitleiden und Empfindligkeit der Wundenschmerzen / ihr nit zureden / deswegen fing der Vater an zuversuchen / ob er durch Gelindigkeit etwas bey ihr ausrichten könte / und sagte zu ihr: Herzgeliebtes Kind; du weist / mit was grossem fleiß ich und deine Mutter dich aufferzogen / und uns deiner angenommen haben / weil wir deinen Gehorsam gegen uns allemahl gespüret / und du dir sehr wol hast können rahten lassen; Warumb entsagestu mir dann jezt alle folge / und kündigest mir den Gehorsam gar auff / dessen ich mich zu dir nimmermehr versehen håtte? O mein Gn. herzallerliebester Herr und Vater / antwortete sie; mein Unfal ist ungleich schwerer / als daß er von mir schwachem Kinde solte geduldig können ertragen werden; und wann ihr empfinden möchtet / was vor Pein und Angst meine hochbetrübete Seele in ihrem Fleische leidet / nachdem mir derselbe durch den Tod geraubet ist / welcher mein Leben wahr / zweifele ich nicht / ihr würdet mir willig gönnen / mich der Qual loßzumachen / und aus diesem Kummer meine Seele außzuspannen. O Ladisla! O mein Schaz! hätte eure Freundligkeit mir doch unbekant bleibe mögen; währe ich dann gleich nimmermehr glükselig worden / so würde ich dannoch zum wenigsten ohn-unglükselig blieben seyn. Mein Kind /sagte der Vater / hastu dann etwa gewisse Zeitung von deines Gemahls Tode / so mache es mir auch kund / ob ich zum wenigsten seinen Tod rächen möchte / wie er dann auff solchen fall ungerochen nicht bleiben würde; trauestu aber nur dem blossen Gerüchte / so höre mich doch in so weit / und enthalte dich aller Tähtligkeit / biß wir unbetriegliche Zeitung haben werden; muß es dann hernach gestorben seyn; wolan / ich wil dir Schwert und Messer selbst in die Hand geben; besinne dich nur inzwischen / wie du es vor den Göttern / ja vor Ladislaen Seele / wann er tod seyn würde / verantworten wollest / daß du mit einem Stiche / dich und deine Eltern zugleich / als eine Erzmörderin umbringest. Diese Worte durchdrungen ihr Herz dermassen / weil sie dabey ihres Vaters Trähnen sahe / welche ihr bißher unbekant wahren / daß sie angelobete / sich einzuhalten / und ihrer Seele Aufflösung anderer gestalt zuerwarten; worüber ihr Vater höchlich erfreuet ward / unter der Hoffnung / die Zeit würde den Schmerzen lindern / wañ nur der erste Sturm in etwas gestillet währe. Ihre Fr. Mutter wahr zeitig hinweg gange in ihr Kämerlein / woselbst sie als eine gottfürchtige Christin ihr andächtiges Gebet zu Gott auf ihren Knien verrichtete / daß derselbe das schwere Unglük in gnaden von ihre Kind'n abwenden / uñ sie nit im Heydentuhm wolte hinsterbe lassen; ging hernach in zimlicher Freidigkeit zu ihnen hin /da sie ihre Tochter etwz beruhiget fand / zu welcher sie sagete; vertraue dem wahren Gott / mein Kind / ob du ihn gleich nit keñest / und zweiffele nit / mein Gott wird dich meiner Vorbitte geniessen lassen / uñ in kurzen dein Leid in freude verkehren; dañ mein Herzsaget mirs / ohn zweiffel aus Gottes Wirkung / dz meine Söhne alle drey noch im Leben / und das Gerücht allerdinge falsch sey. Aber der Trost welchen sie daher schöpffete / war sehr geringe / doch versprach sie ihrer Mutter / sie wolte alle mögliche Geduld ergreiffen / biß die Götter dem Leyden wurden ein Ende machen / und verblieben sie in diesem leidigen Stande / biß umb Mitternacht / daß sie weder an Essen noch Ruhe gedachten. Der Tohrhuter vernam umb diese Zeit ein hartes Geklopffe vor dem äussersten Tohr des Hoffes / und fragete / wer sich so ungestüm erzeigete. Was fragestu viel / antwortete der junge Fabius / bald öffne mir das Tohr. Dieser kennete die Stimme / und sagte; Ach Gn. Herr / seid ihrs selber / oder ists euer Geist? Er aber begunte unwillig zu werden / und dräuete ihn zu prügeln / wo er nicht bald auffmachen würde. Worauff jener sagete; ja wie gerne wolte ich mich biß auff den Tod prügeln lassen / wann nur eure Gn. noch im Leben währen. Ladisla lachete der Rede / und meinete / dieser Mensch währe aberwitzig / redete ihm deßwegen gütlich zu / und sagte; Ja mein guter Pförtner / dein Herr Fabius lebet noch / wie du ja hörest / mache uns nur auff. Helfft ihr Götter / rieff dieser vor freuden / da höre ich ja

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