Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte
bey sich beschlossen / da es möglich währe / seiner Geselschaft sich nimmermehr zu åussern. Ladisla / wie spät es gleich wahr / befahl eilends sein Pferd zusatteln /daher Klodius / Markus und Leches sich auch fertig machten / wiewol es diesem sehr hart einging / daß er Jungfer Libussen so bald lassen solte / nachdem er in Hoffnung stund / die so lange gesuchte Liebe nunmehr zubefestigen / ümb welche er am Bömischen Hofe schon ins dritte Jahr angehalten hatte / aber mit schlechter Hoffnung gespeiset wahr / nicht; daß sie ihm so ungewogen währe / sondn weil sie sich von seiner Schwester durch schimpfliche Reden beleidiget fand / welche diese Heyraht zu hindern / alle Mühe anwendete. Hier in der Fremde aber stellete sie sich geneigter / und nam Leches die Gelegenheit in acht /daß er diesen und vorigen Tag sehr hart an sie setzete / und sich vernehmen lies / dafern sie seine ihr bißher erzeigete Liebe und Träue nicht erkennen wolte / hätte er noch ein Mittel vor sich / wodurch er seinen Wunsch hoffete zuerhalten. Die Jungfer begehrete solches von ihm zu wissen / sagte im Scherz (massen sie jhr schon vorgenommen hatte / sich mit jhm zuversprechen) sie könte nicht ersinnen / was mittel dieses währe / sintemahl sie ja frey und jhres eigenen willens lebete. Leches antwortete: Er gedächte auch auff keinen Zwang / oder was dem ähnlich währe / nur vor erst wüste sie / in was grossen Gnaden sein Vater bey der Fr. Königin stünde; so hätte er auch einen ganz gnädigen Herrn an seinem Könige Ladisla / und gleicher gestalt eine gnädige Frau an dessen Gemahl /welche ihm nach geendigtem Speerbrechen eine güldene Kette / und ein Kleinot auff 6000 Kronen wert geschenket. Libussa hörete schon wo er hinaus wolte /taht doch nicht desgleichen / sondern mit einem Gelächter sagte sie; es währe jhr seinetwegen lieb / daß er in diesen Gnaden stünde; aber sagte sie / was tuht solches bey dieser Sache / die in meinem freyen Wilkühr stehet / so viel das lassen betrift? Ich höre aus dieser eurer Rede / mein Vetter / daß jhr etliche Nachte wenig müsset geschlaffen haben / weil eur Gehirn sich etwas verwirret befindet. Dem guten Leches wahren jhre Schwänke wolbekant / und daß in solchem scherzen jhr am besten beyzukommen wahr / antwortete jhr demnach: Er gestünde gerne / daß er bißher nun etliche Jahr schon / mannicher ungereimter Reden sich gebraucht hätte / die aus Unruhe des Gemühts herrühreten / nicht wegen mangel des Schlaffes / sondern daß sein höchstes Gut je länger je mehr vor ihm flöhe / und aller niessung jhn beraubete. Vetter / antwortete sie / jhr gerahtet aus dem Tropfen gar in den Schlagregen; dann wie reimet sich euer vorbringen? Ihr berühmet euch eines höchsten Gutes / welches ihr das eure nennet / und gleichwol klaget ihr / es fliehe vor euch / ja ihr seyd dessen Niessung gar beraubet; kan es aber wol das eure seyn / wann ihrs weder besitzet noch geniesset? Meine höchstgeliebete Jungfer sagte er; es ist mein höchstes Gut im wünschen / aber nicht im geniessen. Auff solche weise / sagte sie /wird es keinem Menschen an seinem höchsten Gute mangeln / weil ein jeder ihm solches wünschet; doch lasse ich euch dieses hingehen / ob ich gleich nicht weiß / von was grossem Gute eure Rede eigentlich zuverstehen sey; aber ich merke wol / ihr suchet ausflüchte / mir auff das vorige bescheid zugeben. Dem guten Leches wahr schon entfallen / was seine vorige Rede wahr / baht auch jhn deren zuerinnern; worüber die Jungfer lachens sich nicht enthalten kunte / und zu ihm sagte: Habe ich nun nicht wol und wahr geredet /daß mein Vetter noch nicht ausgeschlaffen / weil er ohn Verstand und im Schlaffe geredet hat? Wollet ihrs aber ja wissen / so frage ich zum andern mahle /was die großgerühmete Gnade / die ich euch doch gerne gönne / zu dieser Sache tuhn könne. Meine wahre Freundin / antwortete er; die Götter wissen /daß ihre Liebe und deren Niessung / ich nicht gerne einem andern / als ihr allein danken wolte. Die bißher geleistete / sagte sie / ist nicht sonderliches dankens wert; aber antwortet / bitte ich / auff meine Frage; ich werde sonst gedenken müssen / ihr schlaffet noch immerhin. Leches antwortete: Weil ihr mir dann gebietet / daß ichs sagen sol / muß ichs nach gebehtener Verzeihung ausdrücken / daß ich des gänzlichen Vorhabens bin / an meinen Vater zuschreiben / daß er umb unsere Heyraht bey unser gnädigsten Königin anwerben möge; inzwischen werde ich nit schlaffen / bey
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