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Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte

Titel: Des Christliche Teutschen Herkules [...] Wunder-Geschichte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Heinrich Buchholtz
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Ja das wird uns nicht erfreuen / noch den Räubern erschreklich seyn. Fraget nun nach / was das Gespenst in meines Ladislaen Marstalle bedeutet habe; das Dach ist weg gerissen / die Seele meine ich; das Pflaster ist umgewühlet / den Leib verstehe ich. Die Pferde sind erschlagen / seine Kräffte / O seine Kräffte haben müssen erliegen unter der wütenden Räuber Händen. Fraget nach / was die einige blutrohte Rose unter so vielen weissen bedeutet habe; Ach ihr Götter / schicket es ja / daß niemand anders / als ich / dadurch möge bezeichnet seyn. Drey Nachte hat das Gespenst angehalte / fragestu / wie diese drey Nachte heissen? Fabius / Ladisla / Herkules! O ihr drey klare Lichter / seyd ihr so geschwinde Nacht worden? dann wer wird michs überreden / daß Herkules noch im Leben sey / oder nach Ladislaen Tode noch länger darinnen zubleiben begehre? So seyd ihr nun verschwunden / ihr Lichter; so hat uns nun überfallen eine dreifache Nacht! O du stokfinstere Nacht / wer wil deine Dunkelheit vertreiben? O ihr hellen Lichter / wann wird eures gleichen wieder angezündet werden? Der Vater ließ sie ihre Klage ausführen / und ward Frl. Sibylla inzwischen verbunden / welche nachgehends sich wieder zu ihr setzete / und sie freundlich ermahnete / sie möchte doch gemach tuhn /und ihres Lebens schonen; dann solte es gleich wahr seyn / müste man ja mit den Göttern nicht streiten /welche durchaus ihren Willen haben wolten / wie hart wir uns auch dawider sträuben möchten; währe es aber nicht wahr / wie dann ihr Sinn ihr ein solches allerdinge zutrüge / was stellete sie sich dann einer Unsinnigen ähnlicher als einer Witzigen? Ja ihr habet wol ursach mich zu trösten / sagte Fr. Sophia / da ich bald Mörderin an euch worden bin / daß ihr Zeit eures Lebens bey dieser Narbe an mich gedenken könnet /welches mir doch herzlich leid ist. Und O hättet ihr doch dem Stich seinen Weg gegönnet / so wåhre ich nun aller Pein ab / und ginge meine Seele suchen /wie sie mit ihrem Ladisla entweder umherschweben /oder in Ruhe sitzen möchte. Das Fräulein / ungeachtet der Schmerzen / zeigete ihr mit einem frölichen Angesicht die verbundene Hand / und sagete: O wie sol Herr Ladisla noch dieser meiner Hand danken / daß sie seiner herzgeliebeten Sophien das Leben erhalten hat. Ach mein Schwesterchen / antwortete sie / meynet ihr / daß mein Ladisla noch leben solte? O ihr Götter / wie wol währe mir dann! aber leider leider! die Zeitung gibt es viel anders; dein Leben ist gebrochen / O du unvergleichlicher Held! O du allerfreundlichster Liebhaber! Was vor Unsiñigkeit treibet euch dann / sagte das Fräulein / daß ihr euren Ladisla mit Gewalt tod wollet haben? Ich halte / stünde er hie vor euch / ihr legetet Hand an ihn / daß nur euer widersinniger Kopff recht haben möchte; sehet da / ich gebiete euch im Nahmen und von wegen eures Ladisla / der ohn zweifel noch frisch und gesund lebet / daß ihr nicht allein eure Klage mässiget / sondern euch straks angesichts verbinden lasset; dañ was meynet ihr wol /das er gedenken würde / wann er diese Wunde an eurem Halse / und das geronnene Blut in eurem Busem sehen solte? Rieff hiemit dem Arzte / uñ hieß ihn die wunde besichtigen. Fr. Sophia ward hirüber dermassen besturzet / daß sie vor Furcht kein Wort reden kunte / saß nur und sahe sie an / weil der Arzt die Wunde betrachtete / endlich sagte sie zu ihr: O ihr harte Zuchtmeisterin! traget jhr dañ gar kein Mitleiden mit mir elenden? Ich wil euch nicht hören / antwortete sie / biß die wunde verbunden ist / und gebiete euch nochmahl / von wegen Herrn / Ladisla / daß ihr euch verbinden lasset. Ach ja mein Schwesterchen / antwortete sie / ich bin ja gehorsam; hielt auch dem Arzt die Kehle zu / und ließ ihn nach allem Willen machen. Der Stathalter verwunderte sich der Fräulein treflicher Vernunfft / daß sie dieses Mittel / sie zubereden / so klüglich hätte erfinden können. Aber so bald die Verbindung geschehen wahr / da ging der Jamer von neuen wieder an; die Trähnen schossen ihr dermassen häuffig aus den Augen / daß sie in ihre Schoß fielen. O ihr Götter / sagte sie / kan auch der Baum grünen / wañ er die Wurzel verlohren hat? Ja ja / man stellet ihn ins Wasser / und erhält seine Blätter etliche Tage auff mit solcher gewaltsamen Anfeuchtung; aber es bestehet nicht lange / dann fallen sie abe / und vergehen / ehe mans inne wird. Gleich also kan man mich durch falsche Hoffnung auch ein wenig laben / auch ein wenig

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