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Die Abenteuer des Röde Orm

Die Abenteuer des Röde Orm

Titel: Die Abenteuer des Röde Orm Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Frans Bengtsson
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Willibald, die diese Kunststücke von früher her kannten, erklärten, daß alles von der Geschicklichkeit der Gaukler herrühre und nichts Gefährliches mit im Spiele sei. Sogar Orm sah einen Augenblick nachdenklich aus, aber er fand sich bald zurecht, und als die Gaukler ihre Puppen einander näherten, die nun unter gellendem Geschimpfe mit den Armen zu fechten begannen, als wollten sie einander an den Haaren packen, da kam er so ins Lachen, daß Ylva sich über ihn beugte und ihn bat, daran zu denken, wie es dem König Colla ergangen war. Orm wischte sich die Tränen aus den Augen und schaute sie an.
    »Wenn man lustig ist, ist es nicht leicht, an Schlimmes zu denken«, sagte er. »Aber ich glaube, Gott wird mir jetzt nichts Böses zustoßen lassen, da ich ihm ja doch so großen Nutzen gebracht habe.«
    Es war ihm aber anzumerken, daß er Ylvas guten Rat beachtete, denn es gehörte zu seinen Eigenheiten, daß er seiner Gesundheit wegen leicht in Sorge geriet.
    Endlich hörten die Gaukler mit ihren Künsten auf, obwohl die Zuschauer immerzu noch mehr zu sehen verlangten, und alles endete, ohne daß jemand sich zu Tode gelacht hätte. Vater Willibald dankte Gott für alles, was man empfangen und für die Seelen, die er Christo hatte zuführen dürfen. Damit war Orms großes Tauffest zu Ende; und unter frohem Schwatzen über das wohlschmeckende Essen, mit dem man bewirtet worden war, und über die lustigen Kunststücke der Gaukler ritten die Gäste in der Dämmerung des nächsten Morgens davon.

Vom Mann, der das Schwert des Königs von Svealand trug, und vom sündigen Magister aus Aachen
    Als das alles vorüber war und auf dem Hof, der nur noch die vier Bettler als Gäste beherbergte, wieder Ruhe herrschte, meinte Orm, wie auch alle Hausbewohner, daß das Fest über Erwarten gut abgelaufen sei und daß Harald Ormsson eine Tauffeier gehabt habe, die ihm und allen Beteiligten zur Ehre gereichte. Nur Äsa machte ein bedenkliches Gesicht. Sie sagte, daß die gefräßigen Gäste sich den größten Teil der häuslichen Vorräte, sowohl die trockenen wie die flüssigen, einverleibt hätten: und schon Geringeres als das könne Besorgnis wecken.
    »Das Backhaus ist leer«, sagte sie, »nur eine einzige Kiste mit Brot ist übrig, und im Vorratshause sieht es aus, als wenn dort Wölfe geheert hätten. Und das sage ich euch beiden: wenn ihr noch viele Söhne bekommt und dann jedesmal solche Tauffeiern abhaltet, dann wird euer ganzer Reichtum draufgehen. Immerhin will ich über das, was dieses Mal vergeudet worden ist, nicht allzusehr klagen, denn es gehört sich, daß dem Erstgeborenen Ehre geschieht; aber von nun an wird es nur Schwachbier zum Essen geben, bis wieder neue Malzgerste da ist.«
    Orm sagte, er höre nicht gern solches Jammern über Bissen, die längst verzehrt seien.
    »Du meinst es ja gut«, sagte er ihr, »und murrst eigentlich nur aus alter Gewohnheit. Und ich habe sagen hören, daß Schwachbier trinkbar ist.«
    »Und bedenke doch, Äsa«, sagte Vater Willibald, »daß dieses Fest nicht war wie irgendein anderes. Es hat ja doch die Sache Christi gefördert und Heiden zur Taufe bewogen. Daher kann der Überfluß, den es gab, nicht getadelt werden, und Gott wird ihn zehnfach vergelten.«
    Äsa gab zu, daß dadurch vielleicht alles entschuldbar sei, denn dem Vater Willibald widersprach sie nicht gern, auch dann nicht, wenn sie in ihrer bissigsten Laune war.
    Am glücklichsten von allen war Vater Willibald, denn er hatte auf diesem Fest nicht bloß sämtliche Gäste taufen dürfen, sondern – als erster aller Diener Christi
    – auch Männer von Smaland.
    »Nun kann ich wahrhaftig sagen«, meinte er, »daß Geduld belohnt worden ist und daß ich euch nicht vergebens in dieses Land gefolgt bin. An diesen drei Festtagen haben 45 Seelen die Taufe aus meiner Hand empfangen. Gewiß, noch ist keiner zu mir gekommen, den der aufrichtige Drang seines Herzens zu Christus trieb, obschon ich viel von ihm geredet habe. Unsere Gäste wurden von den Meistern aus Irland dazu gelockt, und die Smaländer sind zur Taufe gezwungen worden. Aber ich bin sicher: wenn ein Diener Christi sich vornehmen wollte, darauf zu warten, daß bei diesem Volke ein aufrichtiges Verlangen nach der Taufe sich einstellt, dann würde seine Wartezeit sehr lang werden. Und aus dem, was nun geschehen ist, kann viel Gutes entspringen. Daß alles mir so nach Wunsch ging, ist aber nicht mein eigenes Verdienst, sondern das der beiden Meister von Irland, und

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