Die Artefakte der Macht 01 - Aurian
verzerrt.
Bragar trat näher an Eliseth heran, um ihr ins Ohr zu flüstern: »Bist du sicher, daß sie nur seine Augen und nicht auch sein Gehirn versengt hat?«
»Das habe ich sehr wohl gehört!« Miathan wandte sich mit unfehlbarer Genauigkeit zu dem Feuermagusch um und hob die Hand. Ein kühler, nebliger Dunst ergoß sich mit ungeheurer Geschwindigkeit aus seinen Fingern und sammelte sich um Bragars Füße, wo er sich zu der Gestalt einer glänzenden Schlange vereinigte, die sich langsam um die Beine des Magusch nach oben schlängelte. Bragar unterdrückte einen Aufschrei und versuchte, sich mit hektischen, abwehrenden Gesten zu schützen, aber es war bereits zu spät – der grausame Kopf des magischen Wesens hatte sich bereits bis zu seinem Gesicht hinaufgearbeitet. Die Schlange zischte und zeigte messerscharfe Fangzähne, auf denen das Gift glitzerte.
»Miathan, nein!« rief Eliseth hastig. »Er hat es doch nicht so gemeint!«
»Sie hat recht, Erzmagusch! Ich – ich entschuldige mich!« Bragars Stimme war nicht mehr als ein Quieken. Die Schlange verschwand. Miathan stieß ein gehässiges, gackerndes Lachen aus, ein Lachen, das mit schockierender Plötzlichkeit wieder versiegte.
»Was wirst du dagegen tun?«
Die Wettermagusch runzelte die Stirn. »Gegen Bragar, Erzmagusch?«
»Nein, du dummes Weib! Gegen Aurian! Sie ist auf dem Weg hierher! Auf dem Weg zu mir; zu uns allen! Sie sucht meine Träume heim; sie kommt uns immer näher, mit Tod in ihren Augen …«
»Erzmagusch, wie ist das möglich?« protestierte Bragar. »Sie ist in Eliseths Sturm untergegangen. Wir haben es alle gespürt …«
»Es war nicht stark genug!« fuhr der Erzmagusch ihn an. »Nicht so, wie in dem Augenblick, als dieser Kretin von Davorshan es geschafft hat, sich umbringen zu lassen.«
Eliseth stöhnte auf, und Miathan gackerte von neuem los. »Oh, ich habe von Anfang an über dich und Davorshan Bescheid gewußt. Ich mag ja blind sein, aber mir entgeht hier nicht viel, laßt euch das gesagt sein.«
Eliseth drehte sich wütend zu ihm um. »Darum geht es jetzt gar nicht«, sagte sie energisch. »Aurian ist tot! Welchen Unterschied macht es schon, daß wir ihr Dahinscheiden kaum gespürt haben? Das ist doch nicht weiter überraschend, mit dem Ozean zwischen uns – ganz zu schweigen von all der Panik wegen ihres Angriffs auf dich.«
»Eliseth, du bist eine Närrin«, erwiderte Miathan. »Aurian lebt und ist eine Bedrohung für uns alle. Wenn wir behalten wollen, was wir gewonnen haben, dann muß irgend jemand sie aufhalten.« Seine spinnenartigen Hände umklammerten den Kristall an seinem Hals. »Und was ist mit diesem verfluchten Anvar? Ich weiß, daß er deinen stümperhaften Sturm überlebt hat.«
»Wer, zum Kuckuck, ist Anvar?« unterbrach ihn Bragar.
Eliseth sah ihn verständnislos an. »Keine Ahnung.«
»Er war Lady Aurians Diener.« Elewins respektvolle Stimme drang aus der Ecke zu ihnen hinüber. Der Haushofmeister war nun schon so lange dort, um seinen Herrn ergeben zu pflegen, daß sie seine Gegenwart ganz vergessen hatten. »Mein Lord Erzmagusch hat den armen Anvar nie gemocht«, fuhr er fort, »obwohl er der gewissenhafteste Junge war, den ich je gehabt habe –«
»Halt den Mund!« fauchte Miathan. »Ja, er war ihr Diener, und zwar gegen meinen Willen. Ich will, daß er stirbt, habt ihr gehört? Ich will seinen Kopf auf einem Spieß; sein Herz aus seinem lebendigen Körper herausgerissen; seine Leiche in Stücke gehackt und in den Erdboden getreten! Ich will …«
»Seht, Erzmagusch«, murmelte Eliseth und reichte ihm einen Kelch Wein. »Bragar und ich werden uns um Aurian und ihren Diener kümmern, das verspreche ich dir.«
»Nicht Aurian, du Idiotin! Aurian will ich lebend. Ich will sie …« Miathan leckte sich auf unappetitliche Art und Weise die Lippen und versank in eine schmachtende Tagträumerei. Bragar öffnete den Mund, um zu protestieren, aber Eliseth brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen.
»Keine Sorge, Erzmagusch«, sagte sie. »Du kannst die Angelegenheit beruhigt in unsere Hände legen. Bleib bei ihm, Elewin!« Dann nahm sie Bragars Hand und zog ihn entschlossen von Miathans Bett weg.
Elewin verbeugte sich respektvoll, als sie das Zimmer verließen. Dann sagte er: »Noch etwas Wein, Erzmagusch?« Er riß den Becher aus Miathans Umklammerung. Dann zog er ein kleines Briefchen aus seiner Tasche und schüttete dessen Inhalt, einen grünlichen Puder, in den Wein, bevor er ihn Miathan
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