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Die dunkle Quelle

Die dunkle Quelle

Titel: Die dunkle Quelle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tobias O. Meißner
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sechst. Deterio, Tugri, Rodraeg, Bestar und zwei kantige
Kruhnskrieger, die aus der Höhle gekommen waren und nun Bestar flankierten.
Tugri nahm hinter seinem Schreibtisch Platz, Deterio setzte sich locker darauf.
Rodraeg und Bestar bekamen Stühle angeboten, legten ihre sperrigen Rücksäcke ab
und setzten sich dem Schreibtisch gegenüber. Die gesamte Hütte wurde von einem
einzigen Raum eingenommen, vollgestopft mit Karten, Tabellen, Akten,
Unterlagen, Schreib- und Planungstischen, geometrischen Gerätschaften und
Kreidetafeln, die mit Arbeitsplänen und Vorgaben beschriftet waren. Eine siebte
Person huschte hinein und hinaus und servierte Gebäck und ein Heißgetränk, das
mit gemahlenen Röstfrüchten aufgegossen und mit Malz versetzt worden war.
    Â»Also, zuerst einmal
würde mich interessieren«, begann Deterio, dessen Augengläser beim Trinken
beschlugen, »wie es Euch beiden gelungen ist, unsere Wachmannschaften zu
umgehen. Wir haben es uns nämlich eine Menge kosten lassen, von sehr viel
unangenehmeren Besuchern, als Ihr es seid, verschont zu bleiben.«
    Â»Das war nicht weiter schwer«,
sagte Rodraeg freundlich. »Wir sind einfach dem verschmutzen Bach flußaufwärts
gefolgt und haben unterwegs nur zwei Wachtposten zu Gesicht bekommen. Da unsere
Neugier, die Quelle dieser Verschmutzung ausfindig zu machen, größer war als
unser Wunsch nach einer Unterhaltung mit einem einfachen Söldner, haben wir die
beiden einfach umgangen. Das war dermaßen einfach, daß ich mich wundere, warum
Ihr nicht regelmäßig Besuch erhaltet.«
    Deterio schüttelte
zungenschnalzend den Kopf. »Was habe ich Euch gesagt, Tugri? Nehmt die Kruhns,
wenn Ihr einen Krieg anfangen wollt. Nehmt sie nicht für Diskretion.« Tugri
nahm diesen Tadel ungerührt hin und behielt weiterhin Bestar im Auge.
    Â»Ihr seid also der
Verschmutzung flußaufwärts gefolgt«, nahm Deterio den Faden wieder auf. »Reine
Neugierde oder anderweitiges Interesse?«
    Â»Wir haben die
Verschmutzung zwar heute zum ersten Mal gesehen, aber gehört hatten wir schon
vorher von ihr«, sagte Rodraeg wahrheitsgemäß. Er hatte gelernt, daß es bei
komplizierten Lügengeschichten am geschicktesten war, so lange wie möglich auf
der Wahrheit aufzusatteln. »Ihr werdet sicherlich Verständnis dafür haben, daß
ich nicht alle Karten über die Vorgehensweise der Fabrikation, die ich
vertrete, auf den Tisch legen kann, aber soviel kann ich verraten: Wir arbeiten
regelmäßig mit einigen Magiern zusammen, die für uns Abweichungen vom
natürlichen Gleichgewicht des Kontinents aufspüren. Eine Flußverunreinigung muß
schon ziemlich massiv sein, um von ihnen aufgezeigt werden zu können und um
eine mehrwöchige Reise von mir in das betroffene Gebiet zu rechtfertigen. Diese
Verunreinigung hier ist äußerst massiv.«
    Â»Das ist sehr
bedauerlich«, sagte Deterio, und es lag keine Heuchelei in seinem Tonfall.
»Anfangs haben wir die Abfälle in der Höhle gelagert, bekamen es dann aber mit
giftigen Gasschwaden zu tun.« Hinter Rodraeg und Bestar öffnete sich die Tür,
ein rußiger Arbeiter kam herein, ging um die Gäste und den Schreibtisch herum,
tuschelte erst mit Tugri, dann kurz mit Deterio und verließ dann wieder die
Hütte, ohne Rodraeg und Bestar eines Blickes zu würdigen. Deterio redete
weiter, als sei er gar nicht unterbrochen worden. »Danach haben wir die Abfälle
aus der Höhle geschafft, mit dem Effekt, daß wir alle nachts Kopfschmerzen
bekamen und morgens unter Übelkeit litten. Station Nummer Drei war eine
verlassene Ogerbärenhöhle im Wald außerhalb dieses Tales. Aber auch hier
bekamen wir Probleme, wenn der Wind aus einer bestimmten Richtung wehte.
Außerdem argumentierten einige Terreker Arbeiter, daß das giftige Gas aus der
Abfallhöhle die Tiere und Pflanzen des Waldes ungebührlich schädigen würde, was
nicht von der Hand zu weisen war. Seit drei Monden nun leiten wir die Abfälle
direkt in den Bach, aus dem wir auch unser Kühlwasser abzweigen, und das Gift
wird dadurch derart verdünnt und verteilt, daß niemand mehr Grund hatte, sich
zu beklagen. Außer ein paar empfindsamen Magiern mehrere Wochenreisen entfernt
von hier.«
    Â»Habt Ihr Euch den Bach
in letzter Zeit angesehen?« fragte Rodraeg.
    Â»Selbstverständlich.
Ich bin ja wie gesagt erst

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