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Die dunkle Seite des Mondes

Die dunkle Seite des Mondes

Titel: Die dunkle Seite des Mondes Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfgang Hohlbein
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nach einem letzten Blick zur Treppe hinüber. Der Sternentransmitter war unbeschädigt. Der silberfarbene, dreißig Meter durchmessende Ring schwebte perfekt geformt über seinem massiven Sockel aus schwarzen Moroni-Maschinen, und etwa zweihundert Ameisen waren fieberhaft damit beschäftigt, eine große Plattform vor dem Ring zu montieren. Ansonsten wirkte die Halle wie ein Schlachtfeld. Dutzende der gewaltigen Maschinen waren explodiert. An einigen Stellen waren erhitzte Felsschichten vom darunterliegenden Basalt abgeplatzt und wie Steinschlag über Pulte und Versorgungsröhren hereingebrochen. Aufzugsschächte und Kabel lagen frei, Leitungen hingen in dicken Bündeln in die Luft, und Lüftungsanlagen waren wie tote Schlangen in das rußgeschwärzte Durcheinander hineingestürzt. Die Beleuchtung der Halle war nur noch teilweise intakt, und viele der großen Scheinwerfer flackerten in unregelmäßigen Abständen, als sei die Stromversorgung nicht mehr in Ordnung. Die Raffinerieanlage existierte nicht mehr. Statt dessen erhob sich ein Wald aus ausgebrannten Verstrebungen und vor Hitze verzogenen Stahlträgern wie das monströse Gerippe einer gewaltigen, hundertfüßigen Bestie aus der Zeit der Dinosaurier. Die geplatzten Wassertanks wirkten wie Kokons, aus denen gewaltige Insekten geschlüpft waren, und der noch immer aufsteigende Qualm und Dampf bildete Wolkenschleier von erschreckenden Formen, die mit den herumliegenden Trümmern zu einem schaurigen Schattenspiel verschmolzen. Kabelverkleidungen schwelten, der beißende Geruch nach verbranntem Plastik hing in der Luft, und hier und dort sah man die intensiv blauen Entladungen von Lichtbögen. Sie kletterten in der Deckung einer abgestürzten Rolltreppe nach oben, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Die Moroni schienen nicht einmal Brandwachen aufgestellt zu haben. »Sie benehmen sich wie Dummköpfe«, murmelte Hartmann und spähte zu den Ameisen, die in hektischer Betriebsamkeit an der Plattform arbeiteten. »Es sind zu wenige«, antwortete Kyle. Hartmann warf ihm einen fragenden Blick zu.  »Die Moroni sind eine Gruppen-Intelligenz«, erklärte der Megamann, »in noch stärkerem Ausmaß als die Jared. Ein einzelner Jared kann allein zurechtkommen, und er hat als Einzelwesen immer noch eine gewisse Intelligenz, aber keine Erinnerungen mehr. Ein Moroni-Einzelwesen ist nicht viel mehr als eine lebende Maschine. Sie brauchen einander, um Pläne zu machen und sich zu Handlungen zu entschließen. Hier sind einfach nicht mehr genug von ihnen, um sinnvoll zu agieren, und sie sind zu weit verteilt, als daß der eine Shait sie unter vollständiger Kontrolle haben könnte. Das da unten sind unreife Kinder, die von einem Shait geführt werden, der seinen Partner verloren hat.« »Sie haben mir viel über die Jared erzählt«, sagte Hartmann gedehnt. »Was ist mit den Shait? Klingt nicht so, als wenn sie gern gesehene Gäste in den Jared-Nestern wären.« Kyle lachte auf. »Sie wissen gar nicht, wie recht Sie haben«, sagte er. »Allerdings müssen Sie sorgfältig unterscheiden zwischen dem eigentlichen Wesen und der Maske.« »Ich verstehe nicht.« »Dieses monströse Wesen, das wir gesehen haben, ist nur eine Schale, eine Hülle, nicht das eigentliche Wesen. Es ist wie eine lebende Maske, hinter der sich der tatsächliche Feind versteckt.« Kyle spähte durch die träge nach oben steigenden Rauchwolken in die Halle hinunter. »Der Shait ist eigentlich ein Parasit, der schon vor Millionen Jahren in den Nestern der Moroni zu finden war, genauso wie diese Dschinn, derer er sich bedient.« Er bemerkte Hartmanns verständnisloses Gesicht, ohne sich umsehen zu müssen. »Diese Parasiten, die wie Spinnennetze aussehen und das Gehirn der Ameisen zerstören«, erklärte er. »Ich versuche, in der menschlichen Sprache passende Worte für diese Wesen zu finden. Der Jared-Name würde Ihnen nichts sagen.« Hartmann nickte stumm. »Ein Shait schlüpft aus Larven, die in lebenden Moroni abgelegt werden. Er brütet seine Eier im eigenen Körper aus und heftet die Larven am Körper seines Opfers an. Dutzende von Ameisen sterben auf diese Weise, aber in einem Moroni-Nest fällt das meistens nicht einmal auf.« »Wie eine Schlupfwespe«, sagte Hartmann. Der Gedanke an diese Larven verursachte ihm Übelkeit. Er fragte sich, wie groß sie wohl sein mochten, verzichtete aber darauf, Kyle danach zu fragen. »Moroni-Nester wurden von zahlreichen Parasiten befallen.

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