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Die Feuerkrone: Roman (Heyne fliegt) (German Edition)

Die Feuerkrone: Roman (Heyne fliegt) (German Edition)

Titel: Die Feuerkrone: Roman (Heyne fliegt) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Rae Carson
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ist sonst so unaufhörlich bemüht, für meine Sicherheit zu sorgen.
    Erst will er protestieren, aber ich unterbreche ihn. » Macht Euch keine Sorgen«, sage ich. » Ich werde Euch beschützen und zu Eurer Verteidigung eilen, sobald es nötig ist.«
    Er lacht, und es klingt wunderschön. » Mir genügt es wirklich, die Festivitäten von hier aus zu genießen«, erwidert er. » Ist das Belén, der da mit Mara tanzt?«
    Ich recke den Hals, als sich das Paar gerade so bewegt, dass ich nun auch das Gesicht von Maras Partner erkennen kann. Selbst aus dieser Entfernung ist die Augenklappe deutlich zu erkennen. » Ja, das ist er.« Ganz plötzlich packt mich das Bedürfnis, zu den beiden hinüberzumarschieren und ihm meinen Wein ins Gesicht zu schütten, für das, was er meiner Freundin vor Jahren angetan hat.
    » Nun, sie scheinen recht vertraut miteinander zu sein«, sagt Hector. » Jedenfalls sind sie entspannt in der Gesellschaft des anderen.«
    Seine Worte lassen mich innehalten. Hector hat recht. Mara plaudert, und Belén lacht dazu. Dann schweben die beiden hinter ein paar andere Tänzer, die mir die Sicht verstellen.
    » Sie sind alte Freunde«, erkläre ich und denke bei mir: Wenn Mara Belén so gründlich verzeihen kann, dann sollte ich das vielleicht auch können.
    Im Augenwinkel nehme ich eine Bewegung wahr, und als ich den Kopf ein wenig drehe, sehe ich Lord Liano auf mich zukommen, wobei sein energischer Schritt und sein leerer Blick einen eigenwilligen Kontrast bilden. Wieder sehe ich mich nach Tristán um und hoffe, dass er mich von einer weiteren nervtötenden Runde mit Liano bewahrt, aber er ist nirgendwo zu sehen. » Oh Gott«, raune ich leise.
    » Was ist denn?«, fragt Hector.
    » Bitte begleitet mich ein Stück. Ich brauche frische Luft. Vielleicht sollten wir kurz hinaus in den Garten gehen?«

16

    H ector bietet mir seinen Arm, und ich nehme dankbar an. Wir wenden uns gerade zum Gehen, als Lord Liano ruft: » Euer Majestät!«
    » Einfach weitergehen«, murmele ich unterdrückt.
    Hector lacht leise. » Kann ich daraus schließen, dass Euer erster Tanz mit ihm kein großer Erfolg war?«
    » Ich habe gelernt, dass man ein Pekari am besten tötet, indem man ihm einen Speer in die Kehle stößt, direkt oberhalb des Brustbeins.«
    » Aaah. Nun, wenn Ihr je das Bedürfnis haben solltet, ihn in Eurer Gegenwart zu beschäftigen, während Ihr in Ruhe Euren eigenen Gedanken nachgehen könnt, fragt ihn nach dem Pumaweibchen, das er mit seinen Jungen in einer Höhle überrascht hat. Die Geschichte bietet genug Stoff für einen Vortrag von einer guten halben Stunde, ohne Unterbrechung.«
    » Ich werde daran denken. Vielen Dank.«
    Die Flügeltüren zu den Gärten stehen offen, um die frische Luft in den Saal zu lassen. Als wir in die Nacht hinaustreten und den gewundenen, grob gepflasterten Weg beschreiten, atme ich tief den süßen Duft der gelben Nachtblüher ein. Sie sind im Grunde eine Art Unkraut, weil sie sich überall um Flechtwände und Farnkraut schlingen, und wenn man sie nicht in Schach hält, ersticken sie alle anderen Pflanzen in ihrer Nähe. Aber wir lassen sie in Ruhe, pflanzen sie sogar bewusst an, weil sie nachts ihre netzartigen Blütenkelche weit öffnen und dabei Stempel zeigen, die heller als Glühwürmchen leuchten.
    » Hector, würde es Euch etwas ausmachen… oder, anders gefragt, glaubt Ihr, ich könnte ungefährdet ein kleines Stück allein gehen?«
    » Ich denke, ja«, sagt er, auch wenn ich deutlich spüre, dass ihm das nicht recht ist. » Der Garten ist von einer Mauer umgeben, und ich habe ringsherum Wächter postiert. Auch um den Anstand zu wahren, ist es sicherlich besser, wenn ich dort Wache stehe, wo mich alle sehen können. Aber Ihr versprecht mir, in Rufweite zu bleiben?«
    » Natürlich.«
    Er drückt meinen Arm und lässt mich gehen. Und als ich durch den Garten der kleinen Sterne wandere, fühle ich mich fast ein wenig benommen– von meinem Glas Wein, von der kühlen Brise auf meiner Haut, von der Berührung und dem Geruch des Mannes, neben dem ich eben noch stand. In der Nähe plätschert ein kleiner Brunnen. Gedämpftes Lachen und Musik umgeben mich.
    Die Palme neben mir raschelt unnatürlich. Ich höre hastiges Flüstern und schweren Atem.
    Sicherlich besteht keine Gefahr. Alle Gäste wurden auf Waffen durchsucht, und die Wächter kontrollieren jeden Eingang. Aber mein Mund ist trocken, und ein leichtes Zittern erfasst meine Finger, als ich nach dem Feuerstein taste und

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