Die Geliehene Zeit
wie durch Zauberei erschien ein hellroter Fleck auf meiner Haut.
»Möchtest du, daß ich es tue?« fragte er. »Soll ich dich auf diese Weise bestrafen?«
»Wenn... wenn es dir beliebt.« Meine Lippen zitterten so sehr, daß ich kaum sprechen konnte. Die Striemen auf meiner Brust brannten wie Feuer. Ich schloß die Augen und stellte mir in lebhaften Farben vor, wie sich eine Tracht Prügel mit einem Büschel Brennesseln anfühlen mußte.
Plötzlich lockerte sich der schraubstockartige Griff um mein Handgelenk. Als ich die Augen öffnete, sah ich Jamie mit untergeschlagenen Beinen neben mir sitzen. Er hatte die Pflanzen weggeworfen, und ein reuiges Lächeln spielte um seine Lippen.
»Einmal habe ich dich aus gutem Grund geschlagen, Sassenach, und du hast gedroht, mir mit meinem eigenen Dolch den Bauch aufzuschlitzen. Jetzt bittest du mich, dich mit Brennesseln auszupeitschen?« Verwundert schüttelte er den Kopf und legte seine Hand auf meine Wange. »Ist dir mein Stolz so viel wert?«
»Ja. Ja, verdammt noch mal!« Ich setzte mich auf, packte ihn an den Schultern und küßte ihn, zu unser beider Überraschung, unbeholfen und heftig.
Ich spürte, wie er zusammenzuckte, doch dann zog er mich an sich, die Arme fest um meinen Rücken geschlungen, und erwiderte meinen Kuß. Er drückte mich flach auf die Erde, so daß ich mich unter seinem Gewicht nicht mehr rühren konnte. Seine Schultern verdeckten den hellen Himmel über mir, und mit den Händen hielt er meine Arme fest.
»Gut«, flüsterte er. Unverwandt sah er mir in die Augen und zwang mich, seinem Blick standzuhalten. »Gut. Wenn du es wünschst, werde ich dich bestrafen.« Gebieterisch bewegte er seine Hüften, und meine Beine öffneten sich für ihn.
»Niemals«, flüsterte er. » Niemals. Nie ein anderer außer mir!
Sieh mich an! Versprich es mir! Sieh mich an, Claire!« Er drang hart in mich ein. Ich stöhnte und hätte am liebsten den Kopf weggedreht, doch er hielt mein Gesicht mit beiden Händen fest und zwang mich, ihm in die Augen zu blicken und seinen sinnlichen, schmerzverzerrten Mund zu sehen.
»Niemals.« Seine Stimme wurde noch leiser. »Denn du gehörst mir. Mein Weib, mein Herz, meine Seele.« Schwer wie ein Fels lag er auf mir, so daß ich stillhalten mußte, aber ich spürte ihn in mir und warf mich ihm entgegen, weil ich mehr wollte. Immer mehr.
»Mein Leib.« Nach Luft ringend gab er mir, was ich begehrte. Ich bäumte mich unter ihm auf, als wollte ich entkommen, und mein Rücken wölbte sich wie ein Bogen, mein Körper preßte sich noch heftiger an ihn. Nun legte er sich der Länge nach auf mich, fast ohne sich zu bewegen, so daß unsere innigste Berührung kaum enger war als die Vereinigung Haut an Haut.
Das Gras unter mir war hart und stachelig, der aromatische Duft der geknickten Stengel vermischte sich mit dem Geruch des Mannes, der mich nahm. Meine Brüste wurde flachgedrückt, und die Haare auf seiner Brust kitzelten mich, während wir uns umarmten. Ich wand mich unter ihm, drängte ihn zur Gewalt, spürte seine harten Schenkel, als er mich niederdrückte.
»Niemals«, flüsterte er, das Gesicht ganz nahe an meinem.
»Niemals«, erwiderte ich, wandte mich ab und schloß die Augen, um seinem durchdringenden Blick zu entgehen.
Mit sanftem, aber unerbittlichem Druck zwang er mich, ihn wieder anzusehen, während er sich weiter rhythmisch bewegte.
»Nein, meine Sassenach«, flüsterte er. »Öffne die Augen. Schau mich an. Denn das ist deine Strafe ebenso wie meine. Schau, was du mir angetan hast, so wie ich weiß, was ich dir angetan habe. Schau mich an.«
Und ich sah, als seine Gefangene, an ihn gefesselt. Sah, wie er die letzte Maske fallen ließ und mir seine Abgründe zeigte und die Wunden seiner Seele. Ich hätte um seine Qualen geweint, und um meine, wenn ich gekonnt hätte. Aber seine Augen hielten die meinen fest, offen, tränenlos, grenzenlos wie das Meer. Sein Leib hielt den meinen gefangen, trieb mich vor sich her wie der Westwind, der die Segel einer Bark bläht.
Und ich trat die Reise an in sein Innerstes, so wie er in mich, und als die letzten Stürme der Liebe mich erschütterten, schrie er auf,
und wir ritten zusammen auf den Wellen als ein Fleisch und erblickten uns selbst in den Augen des anderen.
Die Nachmittagssonne brannte heiß auf die weißen Kalkfelsen und warf tiefe Schatten. Endlich fand ich, was ich suchte. Trotz des Mangels an Erdreich wuchs es fröhlich in einer schmalen Spalte eines
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