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Die Herrin der Kelten

Die Herrin der Kelten

Titel: Die Herrin der Kelten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manda Scott
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als auch eine Feststellung.
    »Wenn die Götter es so wollen.«
    Seine Augen funkelten spöttisch. »Dann werde ich um ihre Fürsprache beten.«
    Sie schritten durch das Tor. Die anderen folgten ihnen in einer langen Schlange, während sie den Zurückbleibenden ein letztes Mal zum Abschied winkten. Der Sonnenhund hob abermals den Arm und ergriff Breacas Hand. Sie spürte die narbigen Schwielen von Schwert und Speer, als seine Handfläche die ihre berührte, und dann, überraschenderweise, das plötzliche Drücken eines Rings. Als sie hinunterblickte, sah sie einen Sonnenstrahl auf der goldenen Oberfläche des Rings aufblitzen, der mit dem erhaben gearbeiteten Symbol der Sonne und ihres Gefolgshundes geschmückt war. Cunobelin hatte das Gegenstück dazu während der gesamten Dauer ihres Aufenthalts am kleinen Finger seiner linken Hand getragen. Sie drehte seine Hand herum, um zu sehen, ob er den Ring noch immer trug, und zum ersten Mal verzog sich sein Gesicht zu einem offenen, aufrichtigen Lächeln.
    »Es ist meiner«, sagte er. »Ich würde nicht erlauben, dass eine Kopie davon angefertigt wird. Nimm ihn. Die Götter haben es nicht für angebracht gehalten, mir eine Tochter zu schenken. Aber vielleicht habe ich jetzt ja so etwas wie die ersten Anfänge einer Tochter gefunden. Wenn du Hilfe im Namen des Sonnenhunds brauchst, dann wirst du sie bekommen, selbst bis ans Ende der Welt und in alle vier Himmelsrichtungen.« Es war ein alter Schwur, und er hörte sich etwas seltsam aus dem Mund eines Mannes an, der aus seiner Verachtung für die Götter keinen Hehl gemacht hatte.
    Breaca hätte vielleicht direkt und ohne Umschweife darauf geantwortet, doch in diesem Moment tauchte Caradoc auf ihrer anderen Seite auf, und seine Anwesenheit diente ihr als Warnung.
    »Danke.« Sie probierte den Ring an und stellte fest, dass er am vierten Finger ihrer rechten Hand am besten passte. »Ich werde gut auf ihn aufpassen. Ich werde mich an dein Angebot erinnern, wenn die Eceni deinen Beistand brauchen.«
    »Nicht bloß die Eceni«, erwiderte Cunobelin. »Sondern du. Das ist ein Unterschied.«
     
    Sie ritten in gedrücktem Schweigen, während sie Pfaden folgten, die sich am Rand der Waldungen des Sonnenhunds entlangzogen und auf einer Seite von Feldern mit frisch gepflanztem Mais und Bohnen begrenzt wurden. Es war spätes Frühjahr, die Zeit des häufigsten und intensivsten Unkrautjätens, und die Felder waren voller Leute. Frauen und Männer unterbrachen ihre Arbeit, um sie mit Beifall zu begrüßen, als Breaca und ihre Delegation vorbeiritten. Caradoc wurde sofort an seinem Haar und der Farbe seines Umhangs erkannt, und er hielt häufig inne, um den Leuten zu winken und einen Gruß zuzurufen. Am späten Vormittag erkannte ihn ein Mann, der in einiger Entfernung auf dem Feld arbeitete, und schickte seinen Sohn, einen Jungen von vielleicht fünf oder sechs Jahren, um Caradoc zu bitten, ihn ein paar hundert Schritte weit auf seinem Pferd mitreiten zu lassen, damit der Junge später einmal voller Stolz sagen könnte, dass er mit dem größten Krieger geritten war, der jemals aus der Festung gekommen war. Der Kleine war schmuddelig und ungewaschen und hatte Kopfläuse, doch Caradoc hob ihn bereitwillig vor sich auf den Sattel und setzte ihn dann später so behutsam wieder ab, als ob er ein geliebter Sohn wäre.
    Weiter draußen, auf dem höher gelegenen, weniger fruchtbaren Gelände, kamen sie an Weiden voller Rinder und Schafe vorbei, die durch Wassergräben begrenzt waren. Rotbraune, langhörnige Kühe grasten inmitten von zotteligen Kälbern. Mutterschafe, die an der für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Hitze Anstoß nahmen, scheuerten sich an den Hagedornbüschen, um ihre dicke Wolle loszuwerden. Auch hier gab es Leute, die Breaca und ihren Begleitern zujubelten, und immer wieder kam ein Schafhirte oder ein Kuhjunge angelaufen, um sie zu begrüßen und einen Schwatz mit ihnen zu halten und Neuigkeiten von der Festung und ihren Bewohnern auszutauschen. Das alles hielt sie zwar auf, aber nicht allzu sehr.
    Gegen Mittag durchwateten sie einen schmalen Fluss zwischen zwei Weidengehölzen und hielten dann im Schatten der Bäume an, um Rast einzulegen und eine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Sinochos organisierte das Essen; er hatte die Packpferde gesattelt und wusste, wo die am leichtesten verderblichen Vorräte verstaut waren. Breaca fesselte der Grauen die Vorderbeine, um sie mit den anderen Pferden grasen zu lassen, und ging dann allein

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