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Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
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drückte die Stadt nieder. In einem Wirtshaus um die Ecke begann wie zum Trotz gegen alle Sorgen eine ausgelassene Feier, denn der Wirt schien all seinen Weinvorrat zum Spottpreis anzubieten, wodurch er einfache Handwerker ebenso anlockte wie wohlhabende Händler. Musik, Gesang und schallendes Gelächter drangen verlockend an Adelinds Ohren. Nachdem sie ihren Rundgang durch das Spital beendet hatte, saß sie eine Weile grübelnd in ihrer Kammer und versuchte, ihre Aufmerksamkeit auf Gebete zu richten. Als ihr dies einfach nicht gelingen wollte, stand sie ohne weiteres Zögern auf, um sich der Feier anzuschließen, auch wenn sie dadurch mit den gewohnten Regeln brach. Die meisten der sociae und alle Patienten, die bereits gehen konnten, folgten ihr bereitwillig, sodass sie einen großen Tisch in einer Ecke bekamen. Bereits der erste Schluck süffigen Rotweins schenkte die erhoffte Entspannung. Hildegard füllte Ursannes Becher, bevor sie sich selbst einschenkte und Adelind scheu zulächelte.
    » Wir werden das gemeinsam durchstehen. Glaub mir! « , flüsterte sie. Adelind spürte, wie auch ihre Lippen sich zu einem Lächeln verzogen, und sie griff nach Hildegards Hand unter dem Tisch. Die Vergangenheit hatte in diesem Augenblick keine Bedeutung mehr. Indessen waren ein paar Spielleute auf einen Tisch gesprungen und stimmten mit ihren Fiedeln, Rasseln und Schalmeien eine wilde Melodie an.
    » Lasst uns tanzen, bevor man uns alle abschlachtet! « , rief ein bärtiger Mann in karmesinroter, goldbestickter Tunika und begann, sich im Klang der Musik zu drehen. Ein junges, mageres Mädchen folgte seinem Beispiel, und bald schon war das Wirtshaus voller hüpfender, schwankender, lachender und grölender Menschen. Adelind erhob sich, ohne auf Hildegards mahnendes Ziehen an ihrem Arm zu achten. Ein kleiner Junge mit schwarzen Zahnlücken ergriff ihre Hände, sodass sie gemeinsam herumwirbelten. Sie jauchzte. Sie wollte leben, noch einmal leben, bevor alles vorbei war. Der Junge wurde von einem großen, breiten Kerl zur Seite geschubst, Bärenarme umschlossen sie, und es ging weiter im Kreis, bis die Wände des Wirtshauses zu schwanken begannen. Die Melodie ließ ihren Körper zu einem willfährigen Instrument werden. Adelind merkte plötzlich, dass sie auf einem Tisch stand. Kurz geriet sie ins Wanken, wurde aber festgehalten und drehte sich weiter, bis der Stoff ihres Gewandes flog.
    » Dòna! « , rief eine Mädchenstimme. Adelind beschloss, dass damit viele Frauen gemeint sein konnten, und tanzte unbeirrt weiter.
    » So hört mich doch an! «
    Ein hübsches, spitzes Gesicht schob sich hartnäckig in ihr Blickfeld. Das Mädchen war ebenfalls auf den Tisch gesprungen und versuchte, sie durch einen energischen Griff am weiteren Drehen zu hindern. Der große Bär knurrte, wurde aber mit einem scharfen Wortschwall zu Boden gefegt. Adelind war bisher nicht aufgefallen, wie sehr Mabile Marcia glich. Sie kam zum Stillstand, auch wenn die Wände um sie herum sich noch weiterdrehten.
    » Dòna, Pedro von Aragon ist hier. Er verhandelt mit den Kreuzfahrern. Vielleicht kommt es zu einer Einigung « , verkündete Mabile lautstark. Hinter ihr standen Olivette und Samuel, hochgewachsen und schmächtig. Ihre blassen Gesichter hatten ein wenig Farbe bekommen.
    » Pedro… der… der König von Aragon? « , fragte Adelind wie ein begriffsstutziges Kind. Es klang zu wundervoll, um wahr zu sein.
    » Der Lehnsherr des Vescomte, den man den Katholischen nennt. Er sah sich wohl genötigt einzugreifen « , ließ Mabile diese Hoffnung Wirklichkeit werden.
    » Pedro von Aragon ist hier, um uns zu retten! « , wurde die Neuigkeit von einigen Umstehenden aufgegriffen und weitergegeben, bis alle Kehlen einstimmig diesen Namen riefen. Adelind vermutete, dass Mabile nicht als Einzige die frohe Botschaft verkündet hatte, denn die Nachricht verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit. Die Musik der Spielleute wurde lauter und fröhlicher. Der Wirt ließ weitere Weinfässer hereinbringen, die Becher wurden neu gefüllt, während Münzen über den Tisch wanderten.
    » Ich glaube, dank seinem neuen Lebensmut erhöht er gleich wieder die Preise « , flüsterte Mabile, doch als Adelind mit den Schultern zuckte, trank sie fröhlich mit. Sie feierten, bis es dunkel wurde. Adelind bat den Wirt, die Summe aufzuschreiben, denn sobald die Stadttore wieder offen waren, würde Esclarmonde sicher alle Schulden bezahlen. Er stimmte gutmütig zu. Die sociae gingen ins

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