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Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Ketzerin von Carcassonne: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tereza Vanek
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Raimond-Rogièr de Foix ist ein mutiger Mann, aber er allein könnte kaum etwas ausrichten, denn die Zahl seiner Ritter ist zu gering. Sich nun einzumischen, das würde dieses mörderische Heer nur schnell in seine Ländereien locken, nichts weiter. «
    Er setzte sich wieder auf einen prächtig geschmückten Stuhl, krallte die Finger um zwei hölzerne Löwenköpfe. Mit einem Nicken forderte er Adelind und Olivette auf, ebenfalls Platz zu nehmen. Sie wählten eine schlichte Bank unterhalb einer ockerfarbenen Ente auf der Wand.
    » Pedro von Aragon handelte ein Angebot für mich aus « , erzählte der Vescomte. » Meine Gefolgsleute und ich sollten die Stadt verlassen. Dann wäre das Heer eingedrungen, hätte geplündert und die Einwohner für die Duldung der Häresie bestraft. Anschließend hätte ich die Herrschaft weiter behalten können. «
    Adelind schnappte nach Luft. Die schöne Welt der Wandmalereien wurde zu einer Illusion. Sie hatte nicht gewusst, wie nah das Grauen, von dem sie nachts schweißgebadet aufwachte, an jenem Tag gewesen war, da sie ausgelassen in einer Weinschenke tanzte.
    » Ich lehnte ab « , sagte der blasse junge Mann. » Ich wollte meine Leute schützen. Danach reiste Pedro ab. Und wir werden weiter belagert. Kennt Ihr die Geschichte der Dame Carcas? «
    Adelind schüttelte den Kopf.
    » Nun, ein alter Bericht, auf den ich in einem Dokument gestoßen bin. Sie war eine Sarazenenfürstin, die nach dem Tod ihres Gemahls über die Stadt herrschte. Karl der Große griff an und belagerte sie fünf Jahre lang. Schließlich begann den Leuten sämtliche Nahrung auszugehen. Die Dame Carcas ließ sich das letzte noch lebende Ferkel bringen, gab ihm alles Getreide, das noch aufzutreiben war, zu fressen und warf es anschließend über die Mauer. Als es auf dem Boden aufschlug, platzte es vor den Augen der Belagerer. Sie sahen, wie vollgefressen dieses Schwein war, und beschlossen abzuziehen, da sie die Bewohner niemals würden aushungern können. Danach lief die Dame Carcas hinauf in den Glockenturm und läutete. Die bereits halb verhungerten Leute hörten sie und riefen: Carcas sona. Sie läutet. So erhielt unsere Stadt ihren Namen. «
    Er lachte, ohne dabei fröhlich zu klingen.
    » Eine sehr mutige und einfallsreiche Frau. Ich wollte ihr eine Statue errichten, nachdem die Wandmalereien beendet waren. Damals wusste ich noch nicht, dass auch mir eine Belagerung bevorstehen sollte. «
    Adelind holte Luft. Sie wusste nicht, wie viel Wahrheit in der Geschichte steckte, zumal damals vielleicht eine andere Sprache gesprochen worden war. Dieser Mann flüchtete sich in sinnlose Träumereien.
    » Wir werden keine fünf Jahre aushalten « , holte sie ihn in die Wirklichkeit zurück. » Sollte es nicht bald wieder regnen, halten wir keine Woche aus, weil die Brunnen austrocknen. Und über die Mauer geworfene fette Schweine werden uns nicht retten. «
    Sie richtete sich auf, zwang sich, jene Worte zu sagen, die sie fürchtete, doch ließ ihrer aller Lage nichts anderes zu.
    » Macht den Angreifern ein Angebot, Senhor. Versprecht, die Häretiker auszuliefern, wie es in Bezers gefordert wurde.So rettet ihr den Rest der Bewohner und auch Euch selbst. «
    Sie spürte Olivettes Blick auf sich ruhen, zunächst verschreckt, dann anerkennend, als habe auch Esclarmondes Tochter begriffen, dass es keine andere Lösung mehr gab.
    Der Vescomte ließ die Löwenköpfe los. Lange starrte er stumm in ihr Gesicht.
    » Das könnte Euren Tod bedeuten, Dòna. Und auch den aller anderen, die Eurer Kirche angehören. Man droht euch mit dem Scheiterhaufen, wenn ihr nicht abschwört. Der Papst betrachtet jede Abweichung von den Lehren seiner Kirche als eine Art Majestätsbeleidigung, als Störung der gottgewollten Ordnung dieser Welt. Doch eben um dieser Ordnung willen ist es meine Pflicht als Fürst, alle meine Untertanen zu schützen. «
    Adelind streckte ihren Rücken. All dies wusste sie bereits, doch wärmte die Loyalität dieses jungen, von ritterlichem Edelmut träumenden Mannes ihr Herz.
    » Wenn das Heer die Stadt überrennt wie in Bezers, dann werden alle Eure Untertanen niedergemetzelt. Auch wir. Es macht daher keinen Unterschied. «
    Der Vescomte senkte den Kopf.
    » Die Katholiken könnten in der Kathedrale Zuflucht suchen « , warf er ein. Adelind staunte, denn dieser Einfall war ihr bisher nicht gekommen. Ihre Zeit als Nonne lag wohl schon zu lange zurück. Doch warum hatte es in Bezers niemand getan? Tief in ihrem Kopf

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