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Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition)

Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition)

Titel: Die Kuppel des Himmels: Historischer Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sebastian Fleming
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sich in Gottes Hand und in den Sturm bewegten, wirkte dieser ruhiger.
    »Lateinersegel reffen!«, befahl er. Die Welt versank in Finsternis, und Himmel, Horizont und Wasser waren nicht mehr zu unterscheiden. Sie bewegten sich in einem ununterscheidbaren Schwarzgrau, das nur aus feiner Nässe bestand. Und als sei das noch nicht Furcht einflößend genug, stimmte der Sturm ein Geheul an, das allen durch Mark und Bein drang.
    »Das sind die Seelen der Verdammten, der sündigen Seeleute, die hier draußen ihr Leben gelassen haben. Haben keine Erlösung gefunden, die armen Kerle. Brüllen seitdem, als brate man sie am Spieß. Wie ist es mit Euch, Messèr Michelangelo, bereut Ihr jetzt Euren Entschluss?«
    »Nein! Und was die Seelen betrifft, schließe ich sie in mein Gebet ein«, antwortete der Künstler trocken.
    Der Kapitän schaute den Bildhauer erstaunt an. Ein harter Knochen! Die Wogen ergriffen das Schiff und spielten mit ihm. Michelangelo sah, dass der erfahrene Seemann neben ihm blass wurde. »Die See kabbelt.«
    »Was heißt das?«
    »Dass wir in Gottes Hand sind. Mal kommt eine Welle von vorn, mal von der rechten, mal von der linken Seite, weil die Windrichtung ständig wechselt. Das ist wirklich schlimm. Ich kann keinen Kurs einschlagen, jeder Kurs kann der falsche sein.«
    Der Kapitän hatte kaum ausgesprochen, als eine Welle ihr Wasser über ihnen ausschüttete. Das Schiff sprang hin und her. Manchmal krängte es, dann raste es wieder in ein Wellental.
    Francesco hatte inzwischen seinen ganzen Mageninhalt auf die Planken gespien, der vom Wasser ins Meer gewischt wurde, jetzt kam nur noch Galle.
    Trotz des brüllenden Sturmes fuhren alle bei dem Knall zusammen, dem ein stampfendes und reibendes Geräusch folgte. Das Schiff neigte sich zur Seite.
    »Der Marmor!«, brüllte der Kapitän.
    Michelangelo folgte ihm die Treppen hinunter zum Laderaum. Während der Kapitän die Klappe öffnete, neigte sich das Boot immer mehr nach links. Zwei Seile waren gerissen und der durch sie fixierte Block rutschte immer weiter auf die linke Schiffsseite.
    »Wer an seinem Leben hängt, zu mir!«, brüllte der Kapitän. Rasch kletterte Michelangelo zu ihm in den Laderaum, gefolgt von vier Matrosen. »Nehmt euch Bohlen! Und beeilt euch! Die nächste Welle von rechts bringt uns zum Kentern!«
    Die Matrosen bewaffneten sich mit Holzbalken, die sie als Hebel benutzten, um den Quader über die von den unteren Marmorblöcken gebildete schiefe Ebene nach oben zu schieben. Auch Michelangelo packte mit an. Nur das Glück konnte noch helfen, keine Woge durfte von rechts kommen und die anderen Steine nicht in Bewegung geraten. Beides hätte bedeutet, dass das Boot kenterte. Immer wieder stemmten sich die Männer mit ganzer Kraft gegen den Stein, aus dem nach dem Willen des Bildhauers einmal der Moses entstehen sollte. Es gelang ihnen zwar, den Block etwas zu bewegen, aber sie vermochten ihn nicht zu halten. Schon rutschte er in die alte Lage zurück. Wenigstens verhinderten sie, dass er weiter nach links sackte.
    »Haltet den Teufelsstein in dieser Position«, befahl der Kapitän.
    Michelangelo verzog unwillig das Gesicht. Teuflisch war nicht der Stein, sondern das gerissene Tau. Wer weiß, wie alt es schon war und was es alles bereits gehalten hatte. Aber was wollte er verlangen? Schließlich hatte er wenig gezahlt und diesen Seelenverkäufer mit Blick auf den unschlagbaren Preis angemietet.
    Der Kapitän kletterte aus dem Laderaum und rief die anderen Matrosen, einschließlich des Steuermanns, herbei. Gemeinsam schafften sie es Zug um Zug, den Stein zurückzuschieben. Sie benutzten Holzkeile, um ihn zu fixieren. Nun mussten sie ihn nur noch mit Seilen festbinden. Da traf sie eine Woge von rechts mit voller Wucht. Die Keile brachen wie Halme, und der Stein setzte sich erneut in Bewegung. Geistesgegenwärtig stellte der Kapitän seine Bohle gegen einen Stein und legte sie mit der anderen Seite an die Oberkante des Laderaumes, zwei Matrosen taten es ihm gleich. So krachte der Fels gegen die Balken, die ächzten, aber noch standhielten. Wieder drückten sie mit Balken den Brocken in seine alte Lage zurück. Diesmal gelang es, ihn zu fixieren und zu vertäuen. Obwohl sie völlig ausgelaugt und erschöpft waren, dachte keiner an Ausruhen. Den Kampf gegen die Gewalten hatten sie keineswegs gewonnen. Keine Minute zu früh kletterte der Steuermann aus dem Laderaum, um zu seinem Steuer zurückzukommen. Das Schiff raste auf die Insel Gorgona

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