Die Legenden der Albae: Tobender Sturm (Die Legenden der Albae 4) (German Edition)
auszusenden.« Ôdaiòn sah zu Ávoleï. »Du bist am vertrautesten mit dem Tronjor. Du wirst sie den Strom hinaufführen.«
»Wer«, rief Irïanora laut, »ist dieser Gefangene meines Oheims, für den ohne Weiteres ein Krieg begonnen wird? Wollt ihr die Worte des Kaisers nicht zumindest prüfen?«
Leïóva wandte den Kopf zur jungen Albin. »Er hat viele Namen, aber man kennt ihn als die Windstimme, sofern die Geschichten wahr sind und Cushròk den Richtigen fand. Er vermag Stürme zu entfesseln, die das Meer zu solch vernichtenden Wogen aufpeitschen, dass von unserer Heimat kein Stein mehr auf dem anderen stehen wird. Shôtoràs wird ihn gegen uns einsetzen, um uns zur Aufgabe zu zwingen, das ist gewiss.«
Das ist perfekt! Samusin, du gabst mir eine Waffe, wie ich sie mir nicht besser hätte erträumen können. Aiphatòn musste auf seine Züge achten, da er befürchtete, sich zu verraten.
»Zum Prüfen ist keine Zeit, und die Beschreibung war eindeutig. Zumal ich von Cushròks Mission wusste. Wer konnte ahnen, dass sie gelang? Wir dürfen nicht abwarten.« Modôia ließ ihren Blick über die Antlitze der Albae schweifen. »Elhàtor zieht in den Krieg.«
Keiner der Anwesenden jubelte.
Ávoleï richtete ihre gelblich grünen Augen auf Aiphatòn. »Und Ihr, Kaiser, werdet uns helfen. Damit ist Eure Schuld bei mir bezahlt.«
»Zu gerne. Ich schlage vor, dass ich unverzüglich eine kleine Vorhut führen und heimlich nach Dâkiòn zurückkehren werde, um mich bei Shôtoràs für seine Behandlung zu bedanken.« Seine Worte wurde von Ôdaiòn mit Beifall bedacht. Aiphatòn deutete eine Verbeugung an. »Zudem: Ich bekomme meinen Speer wieder.« Er lächelte. Kein Alb wird diesen Krieg überleben. Dafür sorge ich.
Ishím Voróo, Albaestadt Dsôn Dâkiòn, 5452. Teil der Unendlichkeit (6491. Sonnenzyklus), Spätsommer
Das soll sie sein, die Windstimme. Tanôtaï betrachtete den mondfahlen Alb, der in magischem Schlaf gehalten wurde.
Nodûcor lag auf einem sehr großen Bett in einem wunderschön eingerichteten, acht Schritt hohen Raum im Palast des Regenten. Kleine Treppen führten zu eingezogenen Decken und in offen gehaltene Etagen, wo sich Bibliotheken und Ruhegelegenheiten befanden. Durch die gewaltigen Fenster gab es in jeder Ebene herrliche, stets andere Ausblicke auf Dâkiòn. Weihrauchduft veredelte die Luft, reinigte sie und hinterließ einen aromatischen Geruch.
Wären die vier Cîani nicht gewesen, die ihre Bücher und Pergamentrollen überall auf dem Tisch, den Stühlen und Fensterbänken verteilt hatten, man hätte meinen können, Nodûcor sei ein privilegierter Gast von Shôtoràs.
Die Glashaare fingen das Sonnenlicht ein, die nackte, sehnige Brust hob und senkte sich langsam. Der magische Schlummer war tief.
Ungewöhnlich zumindest sieht er aus. Tanôtaï sah zu den Zauberkundigen, die leise disputierten, während sie zwischendurch in ihren Aufzeichnungen blätterten, Symbole heraussuchten und sich der schwarzen Halbmaske näherten, um sie genau zu inspizieren.
So ging es bereits viele Momente der Unendlichkeit.
Und du vermagst, dem Wind zu befehlen? Tanôtaïs Aufgabe war es, sich in der Nähe aufzuhalten, falls es Nodûcor gelingen sollte, aus dem Schlaf zu erwachen und fliehen zu wollen. Die Todestänzerin würde ihn besser zu fassen bekommen als die Cîani, von denen die meisten weniger Muskeln hatten als der dünne Gefangene. Ich bin sehr gespannt, wie sich deine Stimme anhört.
Die Tür öffnete sich.
Shôtoràs kam herein; das Klacken seines Stocks hatten alle vorher schon vernommen. »Wie steht es?«, fragte er voller Schwung und Zuversicht. »Kamen wir dem Rätsel auf die Spur, das uns Lethòras hinterließ?« Er nickte Tanôtaï grüßend zu und hinkte an das Bett. »Er trägt diese Maske noch immer?«
Die Roben tragenden Cîani verbeugten sich vor dem Regenten, das Unwohlsein stand ihnen auf den Zügen.
»Es verhält sich so, dass Lethòras sich eines Spruchs bediente, der aus verschiedenen Segmenten besteht, die wiederum verschlüsselt sind«, erklärte einer von ihnen. »Er schachtelte, wenn man so will, mehrere Zauber ineinander, um zu verhindern, dass man das Schloss mit geringem Aufwand löst.«
»Ich verstehe.« Shôtoràs berührte das schwarze Metall und fühlte das warnende Prickeln. »Und dieses Wissen nahm er mit in die Endlichkeit.«
»Leider, Regent.«
»Wie lange braucht ihr, bis ihr dieses Rätsel löst?«
Der Cîanoi machte aus seinem Unwissen und dem
Weitere Kostenlose Bücher