Die Rose von Asturien
verletzte. Schreiend wich er zurück, schlug die Tür zu, bevor sie ein zweites Mal zustechen konnte, und schob den Riegel vor.
Während das Blut aus seiner Wunde lief, starrte er seinen Herrn entsetzt an. »Bei Allah, was ist das für eine Furie!«
Fadl Ibn al Nafzi keuchte wie nach einem langen Lauf und wies den Eunuchen an, den Juden Eleasar zu holen, damit dieser ihn verarzte. Während sie den Flur entlanggingen, hörten sie noch, wie Maite mit dem erbeuteten Dolch die Tür attackierte.
»Sieh zu, dass sie nicht herauskommen kann. Der Hunger soll sie zähmen! Wenn ich das nächste Mal zu ihr komme, hat sie mir aus der Hand zu fressen.«
Wohl wissend, dass er seinem Eunuchen eine beinahe übermenschliche Aufgabe übertrug, ging Fadl Ibn al Nafzi in seine Gemächer und setzte sich auf einen Diwan. Der Schnitt auf der Brust blutete stark, und er spürte die tiefen Kratzer in seinem Gesicht, die Maites Fingernägel ihm zugefügt hatten. Er war schon schlimmer verwundet worden, doch niemals hatten die Verletzungen so geschmerzt wie diese. Obwohl es ihm gelungen war, die waskonische Furie unter sich zu zwingen, fühlte er den bitteren Geschmack einer Niederlage in sich aufsteigen.
18.
N
achdem sowohl Fadl Ibn al Nafzi wie auch sein Eunuch aus ihrem Zimmer geflohen waren, hackte Maite zuerst in voller Wut mit dem Dolch auf die Tür ein. Sie merkte jedoch rasch, dass sie dem dicken, harten Holz mit dieser Waffe nicht zu Leibe rücken konnte, sondern Gefahr lief, die Klinge zu zerbrechen. Daher hörte sie auf und kehrte zum Bett zurück. Die Laken waren zerwühlt, teilweise zerrissen und an mehreren Stellen mit Blut getränkt.
Nun wurde sie sich wieder ihres Körpers bewusst und empfand auf einmal starke Schmerzen. Sie blickte an sich hinunter und stellte fest, dass es rot aus ihrer Scheide quoll. Von den Frauen aus ihrem Dorf hatte sie zwar gehört, dass sie beim ersten Zusammensein mit einem Mann dort bluten würde, das aber für Ammenmärchen gehalten, mit denen man sie erschrecken wollte. Nun fragte sie sich, ob alle Männer wie Tiere über ihre Frauen herfielen und sie verletzten.
Mit einem Mal ekelte sie sich vor sich selbst und lief in die kleine Kammer, um sich zu waschen. Zuerst aber setzte sie sich auf den Abtritt, um alles an Flüssigkeit von sich zu geben, das sich in ihrer Blase gesammelt hatte. Im nächsten Augenblick brannte ihr Unterleib, als stehe er in Flammen. Während sie vor Schmerzen weinte, schwor sie, sich Fadl Ibn al Nafzi niemals freiwillig hinzugeben, ganz gleich, was er noch mit ihr machen würde. Sie war eine freie Waskonin und hatte als Nachkommin zahlreicher Häuptlinge und Tochter eines berühmten Anführers das Recht, sich ihren Gefährten selbst zu wählen. Genau das hatte Okin verhindern wollen. Dafür und besonders für diese letzte Stunde hatte ihr Onkel es verdient, durch ihre Hand zu sterben. Daran würden auch die Schreckensbilder in ihrem Innern sie nicht hindern.
Aus dem Haus des Berbers zu fliehen, würde jedoch weitausschwerer werden als damals aus Roderichs Burg. Zwar zählte sie keine acht Jahre mehr, aber die Mauren verstanden es, ihre Frauen einzusperren. Ohne Unterstützung von außen war es so gut wie unmöglich, von hier zu entkommen. Und hier im Maurenland gab es niemanden, der auch nur einen Finger für sie krümmen würde. Während sie darüber nachdachte, wusch sie sich gründlich und trat dann im Wohnraum ans Fenster, in der Hoffnung, den Hauch einer kühlenden Brise auf ihrer Haut zu spüren.
Inzwischen hatte jemand einen Sklaven geschickt, um das Unkraut zu jäten, und als Maite genauer hinsah, erkannte sie Konrad. Sofort machte ihr Herz einen Sprung. Zwar war auch er ein Gefangener der Mauren, aber er hatte ebenso wie sie gute Gründe, dies so schnell wie möglich zu ändern.
NEUNTER TEIL
Córdoba
1.
K
önig Karl starrte den Boten fassungslos an. »Was erzählst du da? Unsere Nachhut soll angegriffen und vernichtet worden sein?«
Dem Kurier war anzusehen, dass er jede andere Nachricht lieber überbracht hätte als diese. Er senkte den Kopf. »Leider ist es so, Herr. Nachdem Markgraf Rolands Trupp über die von ihm angekündigte Zeit hinaus ausgeblieben ist, sind wir ihm entgegengeritten und kamen bis in die Schlucht von Roncesvalles. Dort haben wir sie gefunden – hingemetzelt bis auf den letzten Mann.«
»Es soll keiner überlebt haben?«, fragte der König ungläubig. Er kannte die Schlucht und wusste, dass dort ein Überfall möglich
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