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Die Rose von Asturien

Titel: Die Rose von Asturien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Iny Lorentz
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Fadl beigebracht hatte, und auch die Wunde des Eunuchen Tahir. Während der Herr kein Wort über die Herkunft seiner Schrunden verloren hatte, war der Verschnittene umso mitteilungsfreudiger gewesen und hatte dem Arzt alles erzählt, was in Fadls Haus vorgegangen war.
    »Eine Frau ist bestens geeignet, deine Täuschung vollkommen zu machen, denn niemand wird in einem Juden und seinem Weib ein entflohenes Sklavenpaar vermuten.«
    »Wir werden zu dritt sein!«
    Eleasar blickte Konrad verwundert an. »Willst du deinen Landsmann mitnehmen?«
    Konrad schüttelte den Kopf und presste die Lippen zusammen. Auch der hilfsbereite Arzt würde wohl kaum den Mund halten, wenn er erfuhr, dass es sich bei der dritten Person um die neue Favoritin des Emirs handelte. Er war jedoch nicht bereit, ohne Ermengilda von hier wegzugehen, und die Gelegenheit erschien ihm günstiger denn je.
    »Gibt es ein Elixier, das die Haut und das Haar eines Menschen so dunkel machen kann wie die eines Mohren? Ihr Judenbesitzt doch auch Sklaven, und da würde ein schwarzhäutiger Diener nicht auffallen.«
    »Du bist wirklich klug, mein Freund. Doch du wirst beides stehlen müssen, denn ich will bei Gott, dem Gerechten, schwören können, dass ich dir nichts in die Hand gegeben habe. Bringe Fadls Diener dazu, dich ihren Wein holen zu lassen. Ich gebe ihn dir billiger, damit du jedes Mal ein paar Dirhem für dich behalten kannst. Da Fadl noch einige Wochen ausbleiben dürfte, kannst du auf diese Weise genug Geld sparen, um die Flucht wagen zu können. Ach ja, meine alten Kleider liegen in der Kammer nebenan. Die meines verstorbenen Weibes habe ich ebenfalls dort aufgehoben, und ein Saft, der selbst aus dir einen Mohren machen könnte, steht unten auf dem Bord in einer schwarzen Flasche.«
    Eleasar sagte sich, dass er damit genug für den jungen Mann getan hatte. Während er die letzten Narben seines Patienten versorgte, schalt er sich einen Narren, weil er so viel Mitgefühl an einen fränkischen Christen verschwendete. Der Gedanke an Fadl Ibn al Nafzi aber bestärkte ihn in seinem Tun. Der Berber hatte einen Verwandten von ihm umgeritten und den Verletzten mit dem Säbel geköpft, als dieser sich lauthals beschwert hatte. Auch sonst war der Berber für seine Grausamkeit verrufen, und das nicht zu Unrecht, wie man an diesem jungen Franken sah. Einen Mann zu töten, der den eigenen Bruder im Kampf erschlagen hatte, war eine Sache, diesen aber zu fangen und langsam zu Tode zu quälen, eine andere.
    »Deine Wunden heilen gut. In ein paar Wochen werden sie für dich nur noch eine Erinnerung an schlimme Tage sein. Doch jetzt sollten wir sehen, was dein Begleiter macht. Ich hoffe, sein Durst war nicht so groß, dass er die Sänfte nicht mehr tragen kann.«
    Als sie ins Erdgeschoss zurückkehrten, wirkte Ermo enttäuscht. »Da seid ihr ja schon!«
    Eleasar blickte in den Krug, um zu sehen, ob noch etwas Wein übrig wäre, und fand nur noch den Boden bedeckt. Den Rest füllte er in einen Becher, der nur halb voll wurde, und reichte ihn Konrad. »Hier, zur Stärkung!«
    »Danke!« Konrad ließ die süßlich schmeckende Flüssigkeit die Kehle hinunterrinnen und dachte wehmütig an die köstlichen Fruchtweine, die seine Mutter so meisterhaft anzusetzen wusste.
    Trotzdem bedankte er sich bei Eleasar und tippte Ermo an. »Auf geht’s! Wir müssen zum Palast zurück. Vielleicht wartet Maite bereits auf uns, und wir kriegen Ärger, weil wir so lange ausgeblieben sind.«
    »Pah, ich kenn doch die Weiber! Die finden vor lauter Schwatzen kein Ende.« Ermo schielte auf den leeren Weinkrug und sah den Arzt auffordernd an. Der machte jedoch keine Anstalten, seinen Mohrenknaben noch einmal loszuschicken. Daher stand Ermo widerwillig auf, schwankte aber so stark, dass er fast über die eigenen Füße gestolpert wäre.
    Konrad sah ihn bereits samt der Sänfte auf der Straße liegen, sagte aber nichts, sondern zuckte mit den Achseln. Schließlich hatte er Ermo nicht geheißen, sich zu betrinken. Mit einem freundlichen Gruß verabschiedete er sich von dem Arzt und trat auf die Straße hinaus.
    Ermo folgte ihm und stöhnte, als die heißen Strahlen der Sonne ihn trafen.
    Auch auf dem Vorhof des Palastes war es nicht kühler. Konrad dachte an Fadls Garten und sagte sich, dass dieser ein angenehmerer Aufenthaltsort wäre. Hier aber standen Ermo und er sich die Beine in den Leib. Dabei wartete er geradezu sehnsüchtig auf Maite, um von ihr zu erfahren, wie es Ermengilda

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