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Die Rose von Asturien

Titel: Die Rose von Asturien Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Iny Lorentz
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verließ er den Garten. Maite holte verärgert Luft, sah ihn dann aber mit einem Korb voll feiner, weißer Kieselsteine zurückkehren, und er begann, den Weg unter ihrem Fenster auszulegen. Dabei machte er so viel Lärm, dass sie hätte schreien müssen, um von ihm verstanden zu werden. Verzweifelt fragte sie sich, was er damit bezweckte. Als habe er ihre Frage geahnt, machte er eine knappe Kopfbewegung zur Seite. Nun begriff sie. Irgendjemand stand an einem der anderen Fenster und hätte mithören können.
    Es dauerte eine geraume Weile, bis Konrad mit dem Weg fertig war und nun das Unkraut unter ihrem Fenster zu zupfen begann.
    »Jetzt können wir reden«, rief er leise zu ihr hoch.
    »Was war?«, fragte sie, während sie ihre Finger in das Fenstergitter krallte.
    »Der Eunuch Tahir! Er wollte wissen, wann ich fertig bin. Wahrscheinlich soll ich gleich den Wein für die Bande besorgen.«
    »Dann sollten wir uns beeilen. Ermengilda will fliehen und baut darauf, dass wir ihr helfen.«
    »Ich tue es jederzeit!«
    Maite hörte ein gewisses Misstrauen in seiner Stimme. Also hatte er sich immer noch nicht mit dem Gedanken abgefunden, sich mit ihr verbünden zu müssen. Da jedoch nur sie ihm helfen konnte, würde ihm nichts anderes übrigbleiben.
    »Ermengilda bittet dich, alles zu tun, damit sie so rasch wie möglich den Mauren entkommen kann. Sie fürchtet den Emir und leidet sehr«, sagte sie und hörte im gleichen Augenblick, dass die Tür zu ihrer Zimmerflucht geöffnet wurde.
    »Vorsicht! Es kommt jemand«, warnte sie Konrad, huschte zu ihrem Sofa und griff nach dem Dolch. Als Tahir in die Kammertrat und die Waffe erblickte, zuckte er zurück. Unter der Tür blieb er stehen und sah sie an. »Hast du einen Wunsch?« Ja, dass du schleunigst wieder verschwindest, fuhr es Maite durch den Kopf. Aber sie rang sich ein Lächeln ab. »Ich hätte gerne etwas zu essen und ein anderes Kleid. Das hier ist völlig durchgeschwitzt.«
    »Ich werde beides veranlassen.« Der Eunuch neigte kurz den Kopf und verließ den Raum. Kaum hatte er die Türe hinter sich geschlossen, trat Maite wieder ans Fenster.
    »Jetzt können wir reden. Aber wir müssen uns beeilen. Hast du schon einen Plan, wie wir die Flucht bewerkstelligen könnten?«
    »Zumindest ansatzweise. Zuerst benötigen wir Geld. Es wird gewiss ein paar Wochen dauern, bis ich ein paar Münzen zusammengespart habe.«
    »So lange können wir nicht warten.« Maite überlegte. Sie selbst sah keine Möglichkeit, an Geld zu kommen, doch vielleicht konnte Ermengilda ihr helfen. Deren Kleid war über und über mit Perlen und kleinen Edelsteinen bestickt gewesen. Vermutlich hätte man mit deren Gegenwert bequem von hier bis Iruñea reisen können, ohne sich einen Genuss versagen zu müssen.
    »Ich könnte Geld besorgen oder besser gesagt, ein paar Edelsteine.«
    Konrad wollte schon fragen, was er damit anfangen solle. Dann aber fiel ihm ein, dass Eleasar sie ihm gewiss gegen Münzen eintauschen konnte. Dabei würde es ihm sogar möglich sein, dem freundlichen Arzt eine kleine Belohnung zukommen zu lassen.
    »Dann schaff sie her!«, rief er leise zu Maite hoch und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Es wird mir zu heiß. Ich muss nun aufhören.«
    »Wann können wir wieder miteinander reden?«, fragte Maite drängend.
    »Sobald du die Edelsteine hast.« Damit wandte Konrad sich ab und verließ den Garten wieder. Einer der Knechte begegnete ihm am Tor.
    »Na? Hast du Ausschau nach den Weibern unseres Herrn gehalten? Aber da bekommst du keine zu sehen. Bis auf die Neue sind alle woanders untergebracht. Und die ist ein Miststück, sage ich dir! Du hättest Fadl sehen sollen, nachdem er – du weißt schon was – mit ihr gemacht hat. Als hätte er mit einem Bären gekämpft! Tahir hat sie ein Loch in den Leib geschnitten. Wenn der nicht so fett wäre, befände er sich bereits bei den Huris im Paradies.«
    Konrad hatte zwar die Schrammen in Fadl Ibn al Nafzis Gesicht gesehen, diese aber nicht mit Maite in Verbindung gebracht. Das Mädchen musste sich wie eine Löwin gegen ihn gewehrt haben. Ihn beeindruckte ihr Mut, und er begriff, dass der Berber das Mädchen mit Gewalt genommen hatte. Das ließ seinen Hass gegen den Mann wieder hochkochen. Auch dafür wirst du einmal bezahlen, Fadl Ibn al Nafzi, schwor er sich und ging weiter, ohne dem Knecht eine Antwort zu geben.
    Dieser lachte und wies zur Tür. »Du wirst zu dem Juden Eleasar gehen und die Medizin holen, die er uns versprochen

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