Die Rose von Asturien
erging.
8.
A
ls Maite und Ermengilda voneinander schieden, schworen sie sich noch einmal, gemeinsam zu fliehen. Beide wussten, dass nur ein Wunder sie retten konnte, doch sie beteten inbrünstig zu Christus und allen Heiligen, ein solches geschehen zu lassen.
»Ich werde morgen wieder nach dir schicken lassen«, versprach Ermengilda, als ein Eunuch Maite aus dem Raum führte.
Diese nickte und sah sich aufmerksam um. Doch das, was sie wahrnahm, war nicht geeignet, hoffnungsvoll in die Zukunft zu sehen. Anders als in Fadls Haushalt wimmelte es hier von Eunuchen und Dienern, und sie gaben sorgfältig acht. Also würde es kaum möglich sein, Ermengilda hier herauszuholen. »Fliehen können wir nur, wenn es Ermengilda gelingt, den Palast zu verlassen«, murmelte Maite und erschrak beim Klang ihrer eigenen Worte.
Rasch blickte sie sich um und stellte erleichtert fest, dass die beiden Palasteunuchen, die sie begleitet hatten, gerade mit Tahir sprachen und keiner von den dreien auf sie geachtet hatte. Dennoch nahm sie sich vor, in Zukunft besser aufzupassen, um sich nicht durch eine unbewusste Bemerkung zu verraten.
Die Sänfte stand im inneren Hof bereit. Maite stieg ein und hörte dann, wie einer der Eunuchen nach den beiden Trägern und Fadls Knechten rief. Durch einen kleinen Spalt im Vorhang sah sie Konrad herankommen. Der vorher so verzweifelte Ausdruck auf seinem Gesicht hatte zu ihrer Verwunderung einem erwartungsfrohen Ausdruck Platz gemacht.
Hoffentlich hört er mir diesmal zu, dachte sie und lachte gleich darauf über ihre Besorgnis. Da sie von Ermengilda kam, würde er danach lechzen, etwas über die Asturierin zu erfahren. Vielleicht war es die Vorfreude darauf, die seine Augen so glänzenließ. Maite war froh, dass sie die Mittlerin zwischen ihm und ihrer Freundin spielen musste. Wäre es ihm möglich, selbst mit Ermengilda zu sprechen, würde er alles tun, um diese zu befreien. Sie selbst aber würde er wohl schlicht und einfach zurücklassen.
Im nächsten Moment fiel ihr auf, dass Ermo nicht mehr allzu sicher auf den Beinen stand. Da keiner von Fadls Knechten Lust hatte, Sklavenarbeit zu tun, zwangen sie ihn, die Tragholme der Sänfte zu packen und diese aufzuheben. Als Konrad den Schritt vorgab, geriet Ermo ins Straucheln und hätte die Sänfte beinahe unsanft abgesetzt.
»He, Sklave, geh langsamer!«, rief Tahir Konrad zu. Dieser nickte und schlug ein Tempo an, welches einer Schnecke angemessen war.
Nun konnte Ermo mit ihm Schritt halten, ohne über die eigenen Füße zu stolpern. Dennoch schnaufte er nach kurzer Zeit wie der Blasebalg eines Schmiedes, und der Schweiß lief ihm in Strömen über Gesicht und Rücken.
Die Knechte spotteten über ihn, denn ihnen war klar, dass der Mann betrunken war. Maite vermeinte aus ihren Worten herauszuhören, dass sie sich ärgerten, weil ein Sklave Wein hatte trinken können, während sie sich schließlich doch mit gekühltem Fruchtsorbet hatten begnügen müssen.
»Den Kerl schicken wir nicht mehr zum Juden, um Arznei zu holen«, rief einer schließlich aus.
»Und wer geht dann?«, fragte Tahir, der den Wein ebenfalls nicht verachtete.
Der Mann wies mit dem Daumen auf Konrad. »Der andere Frankensklave! Der Arzt hat vorhin noch gesagt, er müsse weiterhin nach dessen Verletzungen schauen. Da kann der Sklave den Wein … äh, die Arznei mitbringen.«
»Aber der Herr hat gesagt, wir sollen ihn scharf bewachen! Was ist, wenn er entflieht?«
»Ach, der Bursche weiß doch genau, dass er in seinem Sklavenkittel keine zwei Meilen weit kommt. Es kann ja einer von uns mitgehen und ihn bewachen.«
Während der Eunuch und die Knechte noch diskutierten, ob und wie sie Konrad Wein holen schicken sollten, schob Maite sich an die Vorderwand der Sänfte. Konrad hatte auf einmal mehr Gewicht zu tragen als Ermo, begriff aber, dass Maite ihm etwas sagen wollte, und spitzte die Ohren.
»Ich soll dich von Ermengilda grüßen. Sie hofft auf dich! Kannst du heute noch oder spätestens morgen früh wieder im Garten arbeiten? Ich muss dir viel erzählen.«
Ermengildas Schwangerschaft werde ich ihm aber nicht auf die Nase binden, dachte sie. Männer reagierten komisch, wenn die Frau, in die sie vernarrt waren, von einem anderen einen dicken Bauch bekam.
»Wie geht es ihr?« In seiner Erregung fragte Konrad beinahe zu laut.
»Ihr geht es gut, doch sie sehnt sich nach Freiheit und nach dir!« Es war eine leicht vergiftete Speise, die Maite Konrad anrichtete, denn sie war
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