Die Seevölker
Und ganz gewiß kann die Errichtung von Baum-»Leitern«, d. h.
die Übertragung der Ringzählung von einem Baum zur Fortsetzung an
einem anderen Baum, zu falschen Schlußfolgerungen führen; ein und
dasselbe Jahr kann in Südkalifornien trocken und im nördlichen Teil
des Staates naß sein.
2 Science News, Penguin Publications.
3 Glueck et al, Botanical Review, 7, 649-713; und 21, 245-365.
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Untersuchen wir nun im Lichte der Erforschung kosmischer Katastro-
phen die Korrektiven, die aus unserer Sicht in die C14-Methode einzu-
fügen sind. Bewerten müssen wir auch die grundsätzliche Abhängig-
keit von der orthodoxen Chronologie Ägyptens, die, wie wir sehen
werden, beendet werden muß.
Soweit meine Forschung die C14-Datierungsmethode berührt,
möchte ich die Erkenntnisse über die Naturereignisse (Welten im Zu-
sammenstoß, Erde im Aufruhr) von den Erkenntnissen über die wahre
Chronologie Ägyptens und der Alten Welt im allgemeinen (Reihe
»Zeitalter im Chaos«) trennen.
Libbys Entdeckungen, die 1952 veröffentlicht wurden, unterstützten
unmittelbar, und bestätigten sogar, drei voneinander unabhängige
Schlußfolgerungen meiner Untersuchungen über Naturereignisse der
Vergangenheit. In Welten im Zusammenstoß machte ich geltend, daß die
Zeit seit der letzten Vereisung drastisch zu reduzieren sei: die 1950 als
gültig angenommene Zahl – als Welten im Zusammenstoß veröffentlicht
wurde – betrug immer noch 35 000 Jahre, wie sie von Lyell 100 Jahre
früher vorgeschlagen worden war. Libby fand (und ich zitiere Fred-
erick Johnson, der am Buch Radiocarbon Dating beteiligt war), daß »das
Vordringen des Eises vor ungefähr 11 000 Jahren erfolgte … früher war
dieses Maximum des Vordringens vor ungefähr 25 000 Jahren ange-
nommen worden« – eigentlich sind es 35 000 Jahre, wenn man die Lite-
ratur jener Zeit nachsieht. Einige Jahre später fanden Rubin und Suess
vom Geological Survey der USA, daß – wie ich ebenfalls geltend ge-
macht hatte – ein neuerliches Vordringen des Eises vor nur 3 500 Jah-
ren noch stattgefunden hatte.
Die zweite Bestätigung betraf das Alter des Erdöls. 1950 war im
American Journal of Science eine Rezension des Yale-Geologen und Re-
daktionsmitgliedes Longwell erschienen, die meine gesamte Theorie
aufgrund der Überlegung ablehnte, daß Erdöl nie in jungen Gesteins-
formationen gefunden würde, da es jahrmillionenalt sei. Eine ähnliche
Kritik wurde im Artikel des Astronomen Edmondson geäußert, der
den Indiana University-Geologen J. B. Patton zitierte. Eine der frühen
C 14-Datierungen von Erdöl und erdölhaltigen Formationen auf dem
Land und in der See im Bereich des Golfs von Mexiko stammte von P.
V. Smith von den Esso-Forschungslaboratorien. Die »überraschende«
Tatsache war, daß das Öl dort in jungen Sedimenten gefunden und
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»innerhalb der letzten 9200 Jahre abgelagert wurde« (kursiv von mir).
Eigentlich hatte ich Libby gefragt, ob er dafür sorgen könnte, daß
Erdöl untersucht würde: er lenkte dann meine Aufmerksamkeit auf die
Arbeit von Smith.
Die dritte Bestätigung betraf ebenfalls eine der wichtigen Schlußfol-
gerungen in Welten im Zusammenstoß. Zum oben erwähnten Artikel
von Longwell trug auch ein Mexikologe bei: Professor George Kubler
aus Yale betonte, ich hätte gewisse Traditionen aus mittelamerikani-
schen Überlieferungen auf Ereignisse vor unserer Zeitrechnung bezo-
gen. Kubler bestand darauf, daß diese Überlieferungen nicht aus der
Zeit vom 8. bis 4. vorchristlichen Jahrhundert stammen konnten, son-
dern eher in der Zeit vom 4. bis 8. nachchristlichen Jahrhundert ent-
standen seien. Aber im Dezember 1956 ließ die National Geographie
Society in Verbindung mit der Smithsonian Institution verlauten, die
Ausgrabungen in La Venta hätten durch C14-Datierung nachgewiesen,
daß die klassische Periode der mittelamerikanischen Zivilisationen
(Olmeken, Tolteken, Mayas usw.) um volle 1000 Jahre zurückdatiert
und der Zeit vom 4. bis 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zuge-
schrieben werden müßte.
Mit diesen drei Bestätigungen (Ende der Eiszeit, Zeit der Erdölabla-
gerung, Zeit der klassischen Periode der mittelamerikanischen Zivilisa-
tionen) fand Wehen im Zusammenstoß sehr substantielle Bekräftigung.
Aber ich könnte und sollte mich mit dieser Unterstützung nicht zu-
friedengeben, ohne meinerseits darzulegen, wo die Schwierigkeiten
und Klippen der Methode
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