Die Seevölker
Libyschen Wüste (Berlin 1824).
3 Fakhri, Siwa Oasis, S. 100.
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sebericht auf das fünfte Regierungsjahr von Dareios II. bezieht oder –419.
Da Herihor Wenamun mit seiner Mission beauftragt hatte und da
Necht-hor-heb mit Wenamun beim Bau des Schreins in Umm-Ebeida
in der Oase mit Wenamun in Beziehung gestanden zu haben scheint,
ergibt sich, daß auch Herihor unter Dareios II. gelebt hat; er nahm die
religiöse Stellung eines Hohenpriesters ein, aber in den Oasen – sowohl
in der südlichen Oase el-Chargeh als auch in der nördlichen Siwa –
bekleidete er auch einen weltlichen Rang, nämlich den eines Befehlha-
bers der Armee.
Wir konnten aus gutem Grund feststellen, daß der Wenamun des
»kindischen Gereises«, dessen Manuskript ohne den Schlußteil erhal-
ten geblieben ist, sicher nach Ägypten zurückkehrte, und daß er, was
noch wichtiger ist, während der persischen Periode der ägyptischen
Geschichte gelebt hat, genauer gesagt, unter Dareios II. Das Manu-
skript und das Bauwerk waren Schöpfungen ein- und derselben Per-
son, die hier aus zwei, um siebenhundert Jahre getrennten, Existenzen,
wieder vereinigt wurde.
Wie wir gleich sehen werden, war der Hohepriester im Zeus-Am-
mon (Amun)-Tempel in Siwa, der Alexander dem Großen dort begeg-
net ist und ihn gesegnet hat, ein Nachkömmling von Herihor in der
dritten Generation. Diese Generationen füllen den Zeitraum zwischen
der Reise des Wenamun im Jahr –419 und dem Auftreten Alexanders
in Ägypten (–332), nämlich 87 Jahre.
Das geheime Königsversteck
Etwa zehn Jahre lang bis 1881, erreichten Antiquitäten aus einer ge-
heimen Quelle Touristen und Händler in Luxor, Kairo und Paris; diese
Antiquitäten kamen offensichtlich aus irgendeinem geheimen Versteck
oder aus Gräbern, die den Archäologen bisher unbekannt geblieben
waren. Als dieser illegale Handel ein besorgniserregendes Ausmaß
erreichte, führten Untersuchungen zu einer arabischen Familie im Dorf
Gournah in der westlichen Ebene jenseits des Nils, gegenüber von Lu-
xor. Als Mitglieder dieses Clans über ihre Tätigkeit vernommen wur-
den, leugneten sie hartnäckig jede Beteiligung an unerlaubten Grabun-
gen oder auch jegliche Kenntnis solcher Vorgänge. Der ägyptische
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Khedive selbst interessierte sich angelegentlich für diese Affäre, und er
wurde darüber von Gaston Maspero auf dem laufenden gehalten, ei-
nem bekannten Ägyptologen, dem man die Oberaufsicht über die Al-
tertümer anvertraut hatte. Einer aus dem Clan wurde auf einen vagen
Verdacht hin ins Gefängnis gesteckt; er verbrachte dort zwei Monate,
ohne irgendetwas zu enthüllen. Als er jedoch mangels eindeutiger Be-
weise wieder freigelassen wurde, stritt er sich mit seinen Komplizen,
zu denen auch sein älterer Bruder gehörte und verlangte als Ausgleich
für die im Gefängnis verbrachte Zeit die Hälfte statt eines Fünftels aller
Einnahmen aus dem künftigen Verkauf sämtlicher Antiquitäten; als
ihm dies verweigert wurde, war er so erbost über diese Ungerechtig-
keit, daß er jetzt bereit war, das Geheimnis den Behörden preis-
zugeben; sein älterer Bruder kam ihm jedoch zuvor.
Ganz in der Nähe des Tempels von Deir el-Bahari, der in der Zeit
der 18. Dynastie von der Königin Hatschepsut errichtet worden war,
verbarg unterhalb der Felshänge ein zugedecktes Loch einen zwölf
Meter tiefen Brunnen, der zu einem etwa 65 Meter langen Korridor
führte; an seinem Ende befand sich eine Kammer, die sieben mal vier
Meter maß und fünf Meter hoch war. Eine kleinere Kammer oder Ni-
sche befand sich auf halbem Wege des Korridors. In der Kammer und
in der Nische lagen Särge und Mumien von vielen bedeutenden Pha-
raonen der Vergangenheit, und einige Namen wurden von Maspero
und seinem Assistenten Emil Brugsch im Kerzenlicht entziffert.
Im Versteck lagen die Mumien von Amosis L, der nach der Vertrei-
bung der Hyksos aus ihrer Festung Auaris, die 18. Dynastie gegründet
hatte; von Amenophis L, dem von allen Königen am meisten verehrten
und für heilig gehaltenen Pharao; von Thutmosis I. und seinem Sohn
Thutmosis III., dem großen Eroberer; von Sethos dem Großen aus der
19. Dynastie, von seinem Sohn Ramses II. und auch von Ramses III.
aus der 20. Dynastie. Es war fast unglaublich. Maspero bekannte, er
habe erwartet, das geheime Grab irgendeines obskuren Königs oder
Fürsten zu finden, und nun fand er Könige, die jedem Historiker ein
Begriff waren; sie wurden
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