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Die Templerin

Die Templerin

Titel: Die Templerin Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfgang Hohlbein
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zurücktraten.
    Sie verließen den Raum und begaben sich in den zweiten Stock hinauf. Da keiner der Ritter Einwände erhob, schloß sich Robin den Männern (und vor allem Salim) an. Es war noch wärmer im Turm geworden, die Luft roch stickig und war vom Geruch brennenden Holzes und von Rauch durchdrungen.
    Den Grund dafür erkannte Robin, als sie hinter Salim in einen großen Raum im zweiten Stock traten, dessen Gucklöcher auf den Innenhof hinaus führten. Beißender Rauch lag in der Luft und sammelte sich zu einer schmutziggrauen Wolke unter der Decke. Sein Ursprung war ein prasselndes Feuer, das unter einem großen Kupferkessel brannte, der zwischen den beiden Fenstern aufgestellt worden war. Es war so heiß, daß Robin sich überwinden mußte, um nicht gleich wieder rückwärts aus der Tür zu wanken.
    Salim deutete zum Guckloch. Abbé ging wortlos hin, blickte einen Moment hinaus und trat dann kopfschüttelnd zurück.
    »Dummköpfe«, sagte er verächtlich.
    Robin wartete, bis auch Xavier und Jeromé zum Guckloch hin und wieder zurückgetreten waren, dann schob sie sich vorsichtig an dem heißen Kessel vorbei. Er schien nichts anderes als Wasser zu enthalten, das allerdings kurz vor dem Siedepunkt stand. Ihr war natürlich klar, wozu dieser Kessel diente, aber irgendwie gelang es ihr, den Gedanken nicht an sich herankommen zu lassen.
    Gunthars Krieger hatten sich auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes versammelt. Nicht alle, vielleicht dreißig an der Zahl , die aber trotzdem einen beeindruckenden Trupp bildeten. Obwohl fast außer Schußweite, trugen die Männer in der ersten Reihe ausnahmslos große Schilde, von denen viele aussahen, als wären sie gerade erst in aller Hast zusammengezimmert worden. Sie hatten sich um etwas geschart, das Robin nicht genau erkennen konnte, aber sehr groß war. »Ich hätte Gunthar für klüger gehalten«, grollte Xavier. »Er wirft die Leben seiner Männer weg, als wären sie nichts wert.«
    »Der Kummer um den Verlust seines Sohnes muß ihm den Verstand verwirrt haben«, sagte Abbé, und Jeromé fugte hinzu: »Oder er hat einen schlechten Berater.«
    »So schlecht nun auch wieder nicht.« Salim deutete über den Hof, auf das Dach des Pferdestalles. Dort war ungefähr ein halbes Dutzend Männer in Stellung gegangen, die mit großen, gefährlich aussehenden Bögen bewaffnet waren. »Es ist Zeit für Euer Nachmittagsgebet. Sie werden angreifen, wenn sie Euch auf den Knien und tief ins Gebet versunken wähnen.«
    Wie, um seine Worte zu bestätigen, hoben die Männer auf dem Dach in diesem Moment ihre Bögen und schössen eine erste Pfeilsalve ab. Nur wenige trafen überhaupt den Turm, und nicht ein einziger kam dem Guckloch auch nur nahe, aber die Salve war zugleich wohl auch das Signal zum Angriff gewesen, denn die Krieger unten auf dem Hof setzten sich in Bewegung, und als sich ihre Reihen teilten, sah Robin auch, woran sie während der letzten Stunden offenbar gearbeitet hatten: Durch eine schmale Gasse in dem Schildwall, den Gunthars Soldaten bildeten, rollte ein Leiterwagen heran, den sie offenbar kurzerhand aus dem Fundus der Komturei konfisziert hatten. Mit groben Stricken, aber auch Ketten war ein gewaltiger Balken daraufgebunden worden, in dem Robin beim zweiten Hinsehen den zentnerschweren Riegel erkannte, mit dem zuvor das Tor verschlossen gewesen war. Nun war er zu einem Rammbock geworden, der durchaus massiv genug sein mochte, um die Tür des Turms einzuschlagen.
    Abbé zeigte sich von der hastig zusammengebastelten Kriegsmaschine wenig beeindruckt. Er stand wieder am Guckloch und blickte mit einem Gesichtsausdruck hinaus, der irgendwo zwischen Verblüffung und Verachtung schwankte, in dem jedoch keine Spur von Furcht oder auch nur Beunruhigung zu sehen war. Ein Pfeil zerbrach klappernd an der Wand unweit der kleinen Maueröffnung, und Abbé trat ohne die mindeste Hast zur Seite, nahm so Aufstellung, daß er nicht mehr getroffen werden konnte, und hob den rechten Arm.
    »Haltet euch bereit.«
    Die Pfeile hagelten jetzt geradezu auf den Turm, und Gunthars Männer stürmten unter gellendem Kriegsgeschrei heran. Abbé hob den Arm noch ein wenig höher, und die beiden Tempelritter Xavier und Jeromé ergriffen zwei bereitstehende Stangen und schoben sie durch die Henkel des Kupferkessels.
    Robin wandte sich schaudernd ab. Sie wollte nicht sehen, was weiter geschah. Sie lief aus der Kammer und rannte die Treppe hinauf, so schnell sie konnte, und sah nicht mehr, was

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