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Die Terranauten TB 06 - Monument der Titanen

Die Terranauten TB 06 - Monument der Titanen

Titel: Die Terranauten TB 06 - Monument der Titanen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Andreas Weiler
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hinter ihrer Stirn sanft flüsterte.
    Die sie den Kopf des Kamins erreichte und sich daraus hervorarbeitete, erblickte sie das Nest.
    Es befand sich auf einem Felsvorsprung, der mitten ins Nichts hineinragte. Ein kleiner Steg führte hinauf, aber das Material sah wenig vertrauenerweckend aus. Das Gestein schien spröde zu sein von Wind und Regen, und vielleicht brach es auseinander, wenn sie es mit ihrem Gewicht belastete.
    Weit unten wartete Tirion.
    Und oben begannen sich die ersten Ausläufer der lichtlosen Wolken zu zeigen. Nayala begriff, daß ihr nicht mehr viel Zeit blieb. Wenn erst die Dunkelzeit begann, war sie dazu verurteilt, in irgendeinem Felswinkel Zuflucht zu suchen. An einen Abstieg gar war dann überhaupt nicht mehr zu denken.
    Zwei schuppige Mäuler schoben sich über den Rand des Nestes; glühende Augen betrachteten sie neugierig.
    Sie hob die Hand und konzentrierte sich auf das Sanctum. Der Wind schnitt ihr kalt ins Gesicht.
    »Fürchtet euch nicht«, murmelte sie, und das Sanctum strahlte ihre beruhigenden Gedanken verstärkt in die Hirne der Jungdrachen. Einer von ihnen krächzte. Die Mutter war nirgends zu sehen. »Von mir geht keine Gefahr für euch aus.«
    Sie trat auf den Steg.
    Der Fels knirschte unter ihren Füßen.
    Nayala biß die Zähne zusammen und schob sich vorsichtig weiter. Die Jungdrachen beobachteten sie schweigend und neugierig. In ihren Gedanken klebte ein starkes Hungergefühl, und sie warteten ungeduldig auf die Rückkehr ihrer Mutter.
    »Ganz ruhig«, sagte Nayala, und die Böen stahlen ihr sofort die Silben von den Lippen. »Ganz ruhig.«
    Zentimeter um Zentimeter kroch sie weiter.
    Über ihr rauschte die Luft, und ein gewaltiger Schatten flog heran. Nayala hob den Kopf.
    Die beiden dem Nest entgegenschwebenden Großdrachen krächzten zornig, als sie Nayala erblickten. Einer von ihnen winkelte seine Schwingen an und stürzte auf sie zu.
    Unter ihren Füßen knirschte der schmale und brüchige Steg.
    »Ich bin keine Nesträuberin!« rief Nayala. »Hört meine Worte.« Ihre Hand schloß sich fest um das heller aufglühende Sanctum.
    »Hört mich an. Ich bin gekommen, weil ich Hilfe suche, und nicht, um euren Kindern ein Leid zuzufügen.«
    Einer der beiden Großdrachen bremste seinen Flug mit gegen den Wind geneigten Schwingen ab und ließ sich im Nest nieder. Sein Maul öffnete sich und offenbarte eine Reihe von spitzen Zähnen. Ein finsteres Grollen wie von einem fernen Gewitter ertönte. Nayala schluckte. Sie hatte plötzlich Zweifel, ob es ihr wirklich gelingen konnte, einen Kontakt herzustellen.
    Der andere Drache zog Kreise und ließ Nayala ebenfalls nicht aus den Augen.
    »Könnt ihr mich verstehen, Drachen?« rief sie, und ihre fokussierten Gedanken wiederholten die Frage.
    Lautes Krächzen antwortete ihr, aber es klang diesmal ein wenig anders.
    Was willst du?
    Nayala war so überrascht, daß sie beinah den Halt verloren hätte.
    »Ich brauche Hilfe, Drachen. Deshalb bin ich hier.« Sie formte Bilder in ihrem Geist und lenkte sie mit Hilfe des Sanctums in die Hirne der Drachen. Die Jungen im Nest knurrten gierig und verlangten mit schnappenden Mäulern nach einer Mahlzeit.
    Warum sollten wir dir helfen. Fremde? Warum sollten wir dich und deinen Freund unten im Hügelland über die Hohen Berge tragen in eine ferne Region? Einer von uns wäre getrennt von unseren Kindern, und sie sind hungrig. Was sollte uns daran hindern, dich ihnen zum Fraß anzubieten?
    Kleine Steine lösten sich von dem Steg und fielen in die Tiefe. Es war inzwischen bereits so dunkel geworden, daß sich das Hügelland weit unten ihren Blicken entzog. Vor ihren Zehenspitzen war nichts als bodenlose Schwärze.
    »Ich könnte euch belohnen für den Dienst«, sagte Nayala heiser.
    Belohnen? Womit denn? Was hast du uns schon anzubieten?
    »Gesundheit«, entgegnete Nayala. »Gesundheit für eure Brut. Ich könnte mit Hilfe des Amuletts hier einen Bann über eure Jungen legen, auf daß sie geschützt sind vor Krankheiten und Parasiten.«
    Das könntest du wirklich? Der kreisende Großdrache krächzte; der Laut hallte hohl wider von den schweigenden Felswänden.
    »Ja.«
    Gut. Dann werden wir dir helfen. Fremde. Sprich den Bann.
    »Und wer garantiert mir, daß ihr dann euer Versprechen auch einhaltet?«
    Die Antwort war ein zorniges Kreischen.
    Es ist ein Drachen-Versprechen, Fremde. Du beleidigst uns, wenn du eine solche Vermutung hegst.
    Weitere Steine knirschten und fielen in die Nacht, die sich

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