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Don Quixote

Don Quixote

Titel: Don Quixote Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Miguel de Cervantes Saavedra
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Stallmeister. Indessen war aus der Kutsche schon ein Mann gestiegen, aus dessen Kleidung man sogleich sein Amt ersehen konnte, denn sein langes Kleid mit den weiten Ärmeln gab zu erkennen, daß er der Hörer sei, von dem der Diener erst gesprochen hatte. Er führte an der Hand ein Mädchen, die ungefähr sechzehn Jahre alt schien, in Reisekleidern, so edel, schön und liebenswürdig, daß alle über diesen Anblick erstaunten; so daß, wer nicht Dorothea, Luzinde und Zoraida gesehen hatte, die in der Schenke waren, glauben mußte, daß schwerlich eine solche Schönheit wie dieses Mädchen zu finden sei. Don Quixote war beim Eintritte des Hörers und des Mädchens zugegen, und als er sie sah, sprach er: »Der ehrwürdige Herr können sicher hereintreten und in diesem Kastell der Ruhe pflegen, denn ob es gleich hier eng und schlecht eingerichtet ist, so ist doch nichts in der Welt so eng und unbequem, daß nicht die Waffen und Wissenschaften noch Platz finden sollten, vorzüglich wenn sie als Führer und Herold die Schönheit mit sich bringen, wie sie die Wissenschaft Eurer Gnaden in dieser schönen Jungfrau mit sich bringt, der sich nicht nur Kastelle auftun und eröffnen, sondern selbst Felsen spalten und die hohen Gebirge sich niedersenken, um ihr eine Aufnahme zu bereiten. Tretet herein in dieses Paradies, denn hier werdet Ihr Sterne und Sonnen finden, des Himmels wohl würdig, den Ihr mit Euch führt ; hier werdet Ihr die Waffen in ihrem Glanz und die Schönheit in ihrer Glorie erblicken.«
    Der Hörer stand verwundert über diese Anrede des Don Quixote, den er hierauf in der Nähe genauer betrachtete, worauf er sich über sein Äußeres ebenso wie über seine Worte verwunderte, und ohne daß er wußte, was er antworten solle, verwunderte er sich von neuem, als er Luzinde, Dorothea und Zoraida vor sich erblickte, die auf die Neuigkeit von den neuen Gästen, und was ihnen die Wirtin von der Schönheit des Mädchens gesagt hatte, gekommen waren, um sie zu sehen und zu bewillkommnen; und Don Fernando, Cardenio und der Pfarrer begrüßten ihn auf eine einfachere, aber sehr höfliche Art. Der Herr Hörer trat herein, gleich erstaunt über das, was er sah, als was er hörte, und die Schönheiten der Schenke begrüßten die schöne Jungfrau. Der Hörer merkte nun wohl, daß die Gegenwärtigen angesehene Leute waren; aber der Anzug, das Gesicht und der Anstand des Don Quixote brachten ihn immer noch in Verwirrung; nachdem er alle höfliche Anerbietungen beantwortet und die Gelegenheit der Schenke betrachtet hatte, wurde es so eingerichtet, wie man es schon vorher eingerichtet hatte, daß alle Frauen sich in dem oben beschriebenen Gemache aufhalten und daß die Männer draußen, wie zu ihrer Bewachung, bleiben sollten; damit waren der Hörer und seine Tochter zufrieden, denn das war das junge Mädchen, sie ging mit den Damen sehr gern und freudig fort. Mit einem Teil des kleinen Bettes, welches dem Wirt gehörte, und mit der andern Hälfte, die der Hörer mit sich brachte, wurde so gut als möglich für die Nacht eine Einrichtung getroffen.
    Der Gefangene fühlte vom ersten Augenblicke, da er den Hörer sah, sein Herz klopfen und eine Ahnung, daß dieser sein Bruder sei; er fragte einen von den Dienern, die mitgekommen waren, wie er heiße und ob er nicht wisse, aus welcher Gegend er wäre. Der Diener antwortete, daß er der Lizentiat Juan Perez de Viedma genannt werde und, wie er gehört, aus einem Orte in den leonischen Gebirgen gebürtig sei.
    Durch diese Nachricht wurde seine Meinung bestätigt, daß dieser sein Bruder sei, der nach dem Rat seines Vaters den Wissenschaften gefolgt war. Er war hierüber erschüttert und vergnügt und rief Don Fernando, Cardenio und den Pfarrer beiseite, denen er erzählte, was sich zugetragen hatte und daß er gewiß wisse, der Hörer sei sein Bruder. Er hatte zugleich vom Diener erfahren, daß er als Hörer nach Indien in die mexikanische Regierung gehe; auch wußte er, daß das Mädchen seine Tochter sei, bei deren Geburt die Mutter gestorben war, und daß er durch die Mitgift sehr reich geworden, die mit der Tochter im Hause geblieben war. Er fragte sie um Rat, auf welche Weise er sich zu erkennen geben solle, wie er es erst erproben möchte, ob sein Bruder, wenn er sich ihm nenne, ihn verstieße, da er so arm sei, oder ob er ihn mit Liebe aufnehmen würde.
    »Überlaßt es mir, diese Probe zu machen«, sagte der Pfarrer, »vorzüglich da ich überzeugt bin, Herr Kapitän, daß Ihr

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