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Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
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Basilisken vorgeführt und zu Stein verwandelt, Hoher Herr?«, fragte sie bitter.
    Avid blickte sie verblüfft an und stieß ein ganz und gar nicht prinzenhaftes Schnauben aus.
    »Du solltest nichts beurteilen, was du nicht kennst, fremde Schöne! Seit der Basilisk die Todesurteile vollstreckt, sterben die Verbrecher zumindest schnell und schmerzlos. Das war nicht immer so, aber ich möchte dich nicht mit Details verschrecken. Oder liegt dir daran, wenn ich dir schildere, was genau passiert, wenn mein Herr Vater einen Verräter zum Ausweiden verurteilt?«
    »Mein Vat…, äh, also mein Herr König im Westlichen Reich hat die Todesstrafe und die Folter schon lange abgeschafft. Ganz schlimme Vergehen wie etwa Mord ahndet man mit der Verbannung in die Mittelwüste«, entgegnete sie schnippisch. Sie hoffte, dass dem Prinzen ihr kleiner Versprecher entgangen war. Die Kalesche rollte aus dem Tor und ließ den Palastbereich hinter sich.
    »So, du meinst also, die Verbannung in die Mittelwüste wäre kein Todesurteil? Hast du diesen Landstrich schon einmal mit eigenen Augen gesehen?«
    Janica schüttelte den Kopf. Sie hatte einmal mit ihrem Bruder ein Grenzkastell besucht. Dort, inmitten einer weiten Ebene, wuchsen zwar keine Bäume mehr, aber immerhin noch genug zähes Steppengras, um den Boden zu bedecken. Irgendwo am hitzeflimmernden Horizont, so hatte man ihr erklärt, ging diese Steppe in kahles Geröll über. Und doch musste es Wege geben, in dieser Einöde zu überleben, denn immer wieder fielen Banditen über Siedlungen und Posten am Rande der Wüste her. Wenn Janica es recht bedachte, hatte sie auch von ihrer Heimat, dem Westlichen Reich, nicht viel zu Gesicht bekommen. Ihr ganzes Leben hatte sich bisher im Schloss ihres Vaters abgespielt. Nun sollte sie in einem Harem eingesperrt werden. Sie tauschte einen goldenen Käfig gegen den anderen ein, wie deprimierend!
    »Warum lasst Ihr mich nicht einfach laufen?«, fragte sie unvermittelt. Avid glaubte, sich verhört zu haben.
    »Wie war das jetzt? Soll ich dich einfach hier mitten auf der Straße absetzen?«
    »Warum nicht? Wie mir scheint, ist das hier eine ziemlich große Stadt, ich könnte mich als Spülmagd verdingen!« Interessiert betrachtete sie das Gewimmel der Menschen in der von kleinen Ladengeschäften gesäumte Straße, die sie jetzt durchquerten. Ehrfürchtig wichen die Leute Avids Gefährt aus und verneigten sich, manche fielen sogar im Straßenstaub auf die Knie.
    Spülmagd? Ungläubig warf Avid einen Blick auf Janicas Hände. Schneeweiß, mit langen zarten Fingern, die Nägel ebenmäßig gefeilt – wenn diese Hände jemals schwere Arbeit verrichtet hatten, dann sollte ihm auf der Stelle die Nase abfallen!
    »Also gut, du würdest dir hier in der Sultansstadt dein tägliches Brot bis an dein Lebensende als Spülmagd verdienen. Sieht so dein Plan aus?«
    »Nun, ich würde meinen Lohn sparen und dann nach Hause reisen!«
    Avid lächelte amüsiert, zumindest langweilig würde ihm in Gesellschaft dieses Mädchens nicht werden!
    »Du vergisst, dass Wasserland eine Insel ist! Derzeit ist meine Bregantine das einzige Schiff, das die Klippen zu durchqueren und gleichzeitig Ware zu transportieren vermag. Aber nehmen wir einmal an, du könntest dich an Bord schmuggeln und mit uns über das Ewige Meer segeln. Wir bringen die Seidenballen meist nach Jeffilo, das ist eine Freie Stadt an der Steilküste des Festlandes. Du könntest dich in Jeffilo wieder als Spülmagd verdingen, bevor du deine Reise fortsetzt. Viel Auswahl hast du nicht, im Norden liegt die Mittelwüste, im Süden das Ewige Meer, und entlang der Küste einige Freie Städte voller mitunter recht rabiater Bewohner, die du wahrscheinlich lieber nicht kennenlernen willst.«
    »Oh!«, entfuhr es Janica. Sie hatten die Stadt hinter sich gelassen. Links und rechts des Weges breiteten sich endlose Flächen voller niedriger Bäume aus.
    »Es tut mir leid, Janica, aber dieser beschwerliche Weg, auf dem du wahrscheinlich umkommen würdest, ist nicht der Grund, warum ich dich nicht freilassen kann!« Avid schlag sich die Zügel um seine linke Hand. Der Weg führte jetzt weithin geradeaus, es waren kaum noch Menschen zu sehen. Der Prinz ließ die Rappwallache traben, wie es ihnen behagte. Außerdem hatte er nun seine rechte Hand frei, um sie auf Janicas Schenkel zu legen. Sie hielt für einen kurzen Moment die Luft an.
    »Mein Vater hat mir ein Geschenk gemacht, ich darf es nicht zurückweisen, weitergeben oder

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