Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
Vom Netzwerk:
gar einfach laufenlassen, das wäre eine Beleidigung des Sultans. Dafür kann er mich sogar hinrichten lassen.«
    »Aber Ihr seid sein Sohn!« Janica schüttelte ungläubig den Kopf und sah auf seine Hand nieder. Seine Finger ruhten ganz locker auf ihrem Bein, trotzdem schien ihre Haut darunter in Flammen zu stehen.
    Avid verzog verächtlich seine Mundwinkel. »Werid Gur Waradem hat gut drei Dutzend Söhne mit seinen Haremsweibern. Anadid und ich haben nur den Vorteil, von Werids erwählter Gattin geboren worden zu sein. Und der Sultan hat seinen Erben noch nicht bestimmt, er kann jederzeit einen beliebigen Spross seiner Lenden dazu auswählen. Du siehst, wenn er sein Gesicht wahren müsste, könnte mein Vater leicht auf einen seiner Söhne verzichten!«
    Janica fiel wieder nichts anderes ein, als ein leises »Oh!« auszustoßen. Avid lachte auf.
    »Wir sollten das Thema wechseln, meine Schöne! Siehst du diese Bäume? Es sind Maulbeeren, mit deren Blättern füttern die Bauern ihre Seidenraupen. Auf dem Festland gedeihen diese Pflanzen nicht, zu unserem Glück! Wasserland verdankt seinen Reichtum der Seide. Die zartesten Stoffe wiegt man uns in Jeffilo mit purem Gold auf!«
    Janica betrachtete nachdenklich die schier endlose Plantage, die sich links und rechts bis zum Horizont zu erstrecken schien.
    »Bauen Eure Bauern denn nur Maulbeerbäume an?«
    »Meine Schöne, die Spinnerinnen und Weber müssen auch etwas essen! Die Bäume tragen zwar saftige Früchte, aus denen ein ganz vorzüglicher Fruchtwein gekeltert wird, aber ein wenig Brot und Fleisch sollte schon auf den Tisch kommen, nicht wahr? Allerdings eignet sich der Boden hier zwischen der Sultansstadt und Nurripur besonders gut für die Maulbeeren. Dort vorn siehst du übrigens schon die Mauern von Nurripur!« Er nahm seine Hand wieder von Janica Bein, um die Zügel wieder aufzunehmen. Janica fühlte ein leises Bedauern. Seine Berührung war ihr auf eine noch nie gefühlte Weise angenehm gewesen.
    Wie von Geisterhand öffneten sich vor der Kalesche die beiden riesigen Flügel des Stadttores. Offenbar hatte man Avid schon aus der Ferne erkannt. Mit einem Blick zurück sah Janica, dass schwer bewaffnete Reisige das Tor hinter ihnen sofort wieder schlossen. Die Straße war schmal, hohe Häuser mit bis zu vier Geschossen ließen sie düster erscheinen. Außerdem fehlte das fröhliche Gewimmel der Sultansstadt. Hier gab es keine Händler, die am Straßenrand ihre Waren feilboten, keine bunt gekleideten Frauen, die um die Preise feilschten und keine Kinder, die hinter dem Wagen herliefen. Die einzigen Menschen, denen sie auf der Fahrt begegneten, waren zwei schlicht gekleidete Männer, die zur Seite traten und den Kopf vor dem Prinzen neigten. 
    »Warum ist diese Stadt von einer Mauer umgeben?«
    Avid musste wieder lächeln. Dieses Mädchen wollte aber auch alles wissen!
    »Hier lagert der gesamte Reichtum des Wasserlandes. Und der muss gut geschützt werden! In Nurripur leben all die Kaufleute, die mit Seide handeln dürfen, in ihren Häusern stapeln sich die Stoffballen und auch die Waren, die sie im Gegenzug nach Wasserland bringen. Geschmeide und Edelsteine aus dem Nordreich, Wein von den sonnigen Felsenhängen des Westlichen Königreiches, weiche Pelze von Tieren, die wir hier auf der Insel nicht kennen und Gewürze, die nur am Rand der Mittelwüste wachsen. Nur die Bewohner der Stadt dürfen sich innerhalb der Mauern aufhalten.«
    »Aber Ihr, mein Prinz, wohnt keineswegs in der Stadt Nurripur! Und ich erst recht nicht! Warum wurden die Tore geöffnet?«, erwiderte Janica, wie es schien, ein wenig schnippisch. Avids Grinsen wurde eine Spur breiter.
    »Deshalb!«, sagte er und wies mit einer kurzen Geste nach vorn. Die Straße endete – im Nichts!
    Vor ihnen breitete sich ein riesiger gepflasterter Platz aus, vor dem sich das Meer weitete und am Horizont mit dem Himmel eins wurde. An eine dicke Kaimauer klatschten die Wellen des Ewigen Meeres, feine Gischt stob im Wind bis zu Janica herüber. Unwillkürlich zog sie den Schleier fester um ihr Haar. Ein gutes Dutzend kleiner Segler tanzte auf den Wellen, dazwischen ragte ein beeindruckender Zweimaster empor.
    »Das ist meine Brigantine Windjäger!« Avid steuerte die Kalesche nahe an die Kaimauer heran. Nicht ohne Stolz erklärte er: »Siehst du, sie hat einen sehr geringen Tiefgang, nur deshalb können wir die Klippen vor der Insel durchfahren. Nurripur ist übrigens der einzige Hafen auf ganz Wasserland, an

Weitere Kostenlose Bücher