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Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
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leben nicht viele Menschen aus dem Westlichen Reich. Und wenn, dann verborgen in den Haremsgemächern der Paläste!«
    Janica zuckte ein wenig zusammen. Was ging hier vor sich? Sie versuchte, in Avids Gesicht zu lesen, doch sein ebenmäßiges Antlitz mit den fein geschwungenen Wangenknochen und dem markanten Kinn schien erstarrt zu sein, als wäre er soeben dem Basilisken begegnet.
    »Worauf wartet ihr? Lasst den Burschen herbringen!« Avid zog sich einen Stuhl heran und setzte sich rücklings darauf, verschränkte die Arme auf der Lehne und stützte seinen Kopf auf. In dieser Haltung verharrte er, auch als zwei Diener eine zerlumpte Gestalt hereinzerrten und vor den Männern auf den Boden stießen. Der Bettler blieb zusammengekrümmt auf den Dielen liegen und ächzte leise.
    Der Kapitän scheuchte die Diener mit einer Handbewegung davon und trat dann mit dem Fuß gegen den Mann.
    »Auf die Knie, du elender Wicht! Der Prinz will mit dir sprechen! Oder sollen wir dich noch einmal auspeitschen?«
    Jetzt bemerkte Janica die blutigen Striemen, die sich unter den Kleiderfetzen auf der fahlen Haut des Bettlers abzeichneten. Erschrocken hielt sie die Luft an.
    Avid hob lässig eine Hand, es war nicht klar, ob er mit dieser Geste Janica oder seinem Kapitän Einhalt gebieten wollte. Vorsichtshalber biss sich Janica auf die Zunge, damit ihr kein falsches Wort entschlüpfte.
    »Er ist entweder verstockt oder er hat sich schon sein Gehirn aus dem Schädel gesoffen! Man bekommt kein vernünftiges Wort aus ihm heraus!« Der Kapitän und der jüngere Mann, der eine ähnliche Tracht wie er trug, packten den Bettelmann an den Armen, zerrten ihn hoch und zwangen ihn auf die Knie. Seine Augen waren in dem verfilzten Gewirr von Bart und Haar kaum auszumachen. Der Schiffsführer griff in den schmutzigen Schopf und zerrte den Kopf des Mannes grob nach hinten. Der irre Blick des Bettlers richtete sich jetzt auf Avid.
    »So, du stammst also aus dem Westlichen Reich?« Der Prinz erhielt keine Antwort auf seine Frage. Daraufhin wiederholte er seine Worte in Janicas Muttersprache. Er sprach mit Akzent, aber fehlerfrei. Janica öffnete staunend den Mund.
    »Ja, aus Lewillan!«, nuschelte der Bettler undeutlich. Janica hatte den Namen der Stadt schon einmal gehört. Es war einer der wenigen Orte an der Küste des Westlichen Königsreiches, der für Boote zugänglich war, ansonsten war eine Schifffahrt ob der schroffen Küsten und Untiefen kaum möglich.
    Avid gab seinen Helfern wieder einen kurzen Wink. »Lasst den Trottel los! Er hat von unserer Sprache vermutlich gerade so viel gelernt, dass er sich in der Schänke Bier bestellen kann!«
    Der Mann sackte ein wenig zusammen, als der Kapitän und der Steuermann ihn losließen, hielt sich aber auf den Knien hockend.
    »Erzähle mir vom König deines Landes, du Elender! Er heißt Fernek, nicht wahr?« Um Avids Mundwinkel spielte ein amüsiertes Lächeln. Er konnte Janicas fassungslosen Blick in seinem Rücken förmlich spüren und war froh, dass diese Frau nicht die Gabe des Basilisken verfügte. Er wäre vermutlich sonst auf der Stelle zu Marmor erstarrt, selbst wenn er ihr momentan nicht in die Augen schaute.
    »Fernek. Jaja!«, brabbelte der Säufer.
    »Und seine Königin? Hat er Kinder, dieser Fernek?«, fuhr Avid mit seinem Verhör fort.
    »Königin? Die ist schon lange tot. Der Kronprinz heißt Ferinic. Es gibt noch eine Tochter …« Der Kopf des Bettlers sank ihm auf die Brust, er schwankte bedrohlich. Avid griff nach seinem Becher und schüttete dem Mann den Wein darin mitten ins Gesicht.
    »Die Tochter! Wie heißt die Tochter von König Fernek! Rede, du Abschaum, sonst lasse ich dich wirklich noch einmal die Peitsche schmecken!«
    Mit der Zunge haschte der Bettler nach den Weintröpfchen in seinem Bart.
    »Fernek … Tochter … Prinzessin Janica!«, lallte er.
    Avid wirkte sichtlich zufrieden. »Na bitte, der Bursche kann ja doch reden! Bringt ihn weg, bevor die Läuse hier überall herumkrabbeln!«
    »Sollen wir ihn verschwinden lassen?« Der Kapitän griff vielsagend zum Heft seines Säbels. Avid schüttelte den Kopf.
    »Du wirst dir doch die Waffe nicht mit diesem Abschaum besudeln wollen! Er ist unserer Sprache nicht mächtig, und selbst, wenn er etwas ausplaudern sollte, wer würde ihm schon glauben? Gebt ihm ein Goldstück und setzt ihn irgendwo an einer Taverne aus!« 
    Die Männer packten den Bettler und zerrten ihn unsanft davon. Bevor sie den Raum verließen, rief Avid ihnen

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