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Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
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jetzt in den Zimmern, die seitens des Baumeisters für seine zukünftige Gattin vorgesehen waren, dieses junge Ding. Natürlich konnte er es seiner Tante Waja überlassen, sich um das Weib zu kümmern. Oder er handhabte es wie sein Bruder Anadid, in dessen Harem es von hübschen Sklavenmädchen nur so wimmelte. Anadid wusste nicht einmal, wie die Frauen hießen, die er nach Lust und Laune »benutzte«, wie er sich verächtlich ausdrückte. Avid zog angewidert die Nase kraus. Nicht etwa, dass er den Freuden, die eine Frau einem Mann bereiten konnte, abgeneigt war. In Nurripur war er regelmäßig Kunde bei drei Edlen Gespielinnen. Diese Damen waren zwar bedeutend teurer als die wohlfeilen Hafenhuren, aber jedes Goldstück war gut angelegt bei diesen Frauen, die nicht nur wussten, wie man einen Mann verwöhnt, sondern auch penibel sauber und hoch gebildet waren.
    Mürrisch schob Avid seine Decke von sich und verließ das riesige Bett in seinem Gemach. Wie immer hatte er nackt geschlafen, wie immer schlang er sich einfach nur lässig ein Tuch um die Hüften, wenn er frühmorgens sein Gemach verließ, um sich von den Speisen zu nehmen, die seinem Hausstand von den Dienerinnen im Harem serviert wurden. Waja hatte ihn ob dieser Marotte schon oft gerügt.
    »Warum lässt du dir das Frühstück nicht an dein Bett bringen? Was macht denn das für einen Eindruck, wenn ein Hoher Prinz wie du ohne Kleidung durch das Haus schleicht!«
    Über solche Einwände konnte er nur lächeln. Auch Waja hielt sich nicht an die üblichen Regeln. In anderen Adelshäusern würde es einen Skandal auslösen, wenn die Hohe Frau mit ihren alternden Dienstboten und einem Straßenmädchen gemeinsam an einem Tisch speiste. Also, wer sollte sich schon daran stören, wie er hier herumlief? Die Diener waren für ihn unsichtbare Wesen, die nun mal zum Haus gehörten wie ein Teppich oder eine Truhe. Inna konnte ihn sowieso nicht sehen, die Amme und der Eunuch waren schon ihres Alter und Standes wegen erhaben über den Anblick nackter Haut. Blieb nur Tante Waja. Die Schwester des Sultans hatte sich schließlich freiwillig dazu entschlossen, in seinem Haus zu leben, weil sie die Palastintrigen im Harem des Herrschers nicht mehr ertragen konnte. Dafür musste sie eben seine Grillen ertragen! Avid liebte seine Tante, sie hatte ihm zumindest teilweise die Mutter ersetzt, als er noch ein kleines Kind war. Aber er ärgerte sie auch ganz gern ein bisschen.
     
    Er stieß die Tür zu den Haremsgemächern auf – und erstarrte. Avid hatte nicht damit gerechnet, dass die neue Sklavin gemeinsam mit seinen anderen Hausgenossen die Mahlzeit einnahm. Nun fand er seine Bekleidung doch etwas knapp bemessen.
    Während Janica ihn mit runden Augen kurz musterte und dann den Kopf errötend wegdrehte, lächelte Waja dem Prinzen hoheitsvoll, und wie ihm schien, durchaus etwas schadenfroh ins Gesicht.
    »Prinz Avid, wie schön, dass du Zeit findest, mit uns zu speisen!« Mit einladender Handbewegung deutete sie auf die kniehohe Tafel, an der alle mit untergeschlagenen Beinen hockten. Nur Waja ruhte halb sitzend, halb liegend an der Stirnseite auf einem Wust von Kissen. Respektvoll hatten alle ihre Köpfe geneigt und hatten aufgehört zu essen. Avid überlegte, ob er in seine Gemächer zurücklaufen und sich ankleiden sollte. Aber diese Blöße wollte er sich vor Waja dann doch nicht geben! Die Tante sollte nicht meinen, er schäme sich wegen einer ganz gewöhnlichen Sklavin!
    Avid zupfte dezent an dem schreiend bunten Schaltuch, das er um die Hüften trug. Es wurde nicht länger, und er würde Mühe haben, sich an der Tafel niederzulassen, ohne tiefe Einblicke in seine männliche Anatomie zuzulassen. Umständlich hockte er sich zunächst auf die Knie und versuchte dann seine Beine unterzuschlagen, ohne das Tuch zu lüpfen. Er hätte sich eigentlich gar nicht so abzumühen brauchen, denn die Fremde schaute vor lauter Verlegenheit noch immer nicht auf.
    »Gebieter, dürfen wir jetzt weiter essen?«, klang Innas helle Stimme auf und ersparte Avid weitere Peinlichkeiten.
    »Ich habe hier nämlich ein Honigküchlein, und der Honig tropft mir herunter auf das Bein, ich werde zusammenkleben, wenn ich es jetzt nicht aufesse!«, plapperte die Kleine fröhlich weiter.
    »Aber natürlich, Inna, du kannst dein Küchlein jetzt verspeisen! Ich habe meinen Platz eingenommen«, sagte Avid sanft und zog eine große Schüssel vor sich, um sich gegen delikate Einblicke etwas abzuschirmen.
    »Du isst

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