Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)
noch zu: »Und macht das Schiff klar, prüft noch einmal die Ladung und die Vorräte! Wir laufen morgen mit der Abendflut aus!«
Janica saß stocksteif auf ihrem Stuhl und gab sich die größte Mühe, das spöttische Grinsen des Prinzen zu ignorieren.
»Ich heiße gar nicht Janica!«, sagte sie wie beiläufig. »Mein Name ist eigentlich Gerun!«
»Ach so? Ganz plötzlich heißt du Gerun?« Avid stand auf und stellte sich hinter sie. Seine Hände legten sich auf ihre Schultern. Sie schloss die Augen und gab sich dieser Berührung hin.
»Ich bitte dich, Mädchen! Du bist einer Sprache mächtig, die man auf dem Festland nur den Angehörigen des Adels und den Fernhändlern lehrt. Du kannst deine Zunge nicht im Zaum halten, eine so vorlaute Zofe wie du würde jeden Tag Prügel einstecken! Deine Hände sind viel zu weich, als dass sie je irgendeine Arbeit verrichtet haben könnten. Soll ich die Aufzählung fortsetzen, Prinzessin?«
Janica schüttelte resigniert den Kopf. Avid hatte sie durchschaut, was spielte das schon für eine Rolle! Sie war nach wie vor seine Sklavin!
»Wie bist du nach Wasserland geraten?« Avid streichelte mit seinen Daumen die Haut an ihrem Hals. Wie zart sich diese Frau anfühlte!
»Das würdet Ihr mir doch nicht glauben, Herr!«, murmelte sie.
»Warum nicht? Ich könnte es zumindest versuchen!«
»Der Drache hat mich gefressen!« Janica lachte bitter auf. »Nun, nicht ganz, er hat mich nur ins Maul genommen, aber nicht zerkaut und runtergeschluckt! Ist das eine schlüssige Erklärung?«
Avid schwieg eine Weile. Seine Hände wanderten tiefer, hin zu Janicas Brüsten. Sie atmete tief ein, als er die weichen Hügel umfasste. Das Prickeln in ihren Nippeln sagte ihr, dass sie sich zusammenzogen und klein und hart wurden. Bei allen Göttern, warum machte der Prinz so etwas mit ihr? Wollte er sie demütigen? Oder wollte er sein Recht als ihr Besitzer einfordern?
»Prinzessin Janica, ich will jetzt nicht darüber nachdenken, auf welche Weise du in diese missliche Lage geraten bist. Denn ganz egal, wer oder was du einmal warst, jetzt bist du nach dem Willen des Sultans mit Leib und Seele mein. Ich kann dich auf eine einzige Art aus der Sklaverei befreien: Indem ich dich heirate!«
Janica riss die Augen auf und fuhr herum, um ihm ins Gesicht zu sehen. Seine Hände glitten dabei von ihrem Busen.
»Und wo liegt der Unterschied? Ist es nicht egal, ob eine Frau in Eurem Harem als Sklavin oder als Gemahlin versauert?«
Aus Avids Gesicht war das Lächeln verschwunden.
»Da gibt es gewaltige Unterschiede, meine Schöne! Als Sklavin bist du ein Nichts, als meine Hohe Frau hingegen geradezu unantastbar. Wenn Anadid herausfindet, wer du bist, wird er dich als Druckmittel gegen das Westliche Reich benutzen. Er nutzt jede Gelegenheit, um unseren Vater zu beeindrucken. Willst du deinem Land etwa Schaden zufügen? Ich möchte, dass du niemandem offenbarst, dass du Ferneks Tochter bist!«
Janica senkte den Kopf. Mit fast den gleichen Worten hatte Kana-Tu sie davor gewarnt, ihre Herkunft preiszugeben. Aber Kana-Tu war weit weg, irgendwo im kalten Nordland hockte er mit seinem Drachenonkel am Kamin, wärmte sich die Füße und hatte sie längst vergessen. Sie kniff sich mit den Nägeln in ihre Handflächen, um sich durch diesen Schmerz von den Tränen abzulenken, die Ihr in die Augen stiegen. Warum, bei allen Göttern, dachte sie ausgerechnet in dem Augenblick, in dem ihr ein anderer Mann – nicht gerade sehr feinfühlig, aber immerhin! – einen Heiratsantrag machte, an Kana-Tu? Trotzig sah sie auf zu Avid.
»Wenn es denn das Schicksal so will, werde ich dich heiraten! Aber wenn du auf die Idee kommst, deinen Harem mit einem Schock Nebenfrauen und Sklavinnen aufzufüllen, kratze ich dir höchstpersönlich die Augen aus!«
In seinen Pupillen glomm ein Funkeln auf. »Na endlich gibst du es auf, mich so steif und förmlich anzureden! Ich weiß doch, tief in dir loht die Flamme der Leidenschaft!«
»Du täuschst dich, Avid! Ich habe lediglich Hunger! Mit leerem Magen bin ich unleidlich!«
»Das lässt sich ändern! Ich habe ein Mahl für uns vorbereiten lassen, ich hoffe, danach schnurrst du wie ein Kätzchen!« Avid klatschte in die Hände, und sogleich huschten Bedienstete herein, die Schüsseln und Platten auf dem Tisch arrangierten. Janica lief das Wasser im Mund zusammen ob der Fülle verführerisch duftender Speisen. Man hätte die gesamte Schlosswache ihres Vaters verköstigen können mit der Menge
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