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Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition)

Titel: Drachenspeise: 1 (Ein Märchen für große Mädchen) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Alderwood
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bürsten. Janica fielen die Augen zu. Sie bemerkte nicht mehr, wie die Frauen leise davonhuschten und ihr Zimmer verließen.
    Avid hatte inzwischen in seinen Gemächern damit begonnen, wahllos einige seiner Gewänder in den bereitstehenden Seesack zu werfen. Er brauchte nicht viel, während der Reise auf dem Meer genügte ihm die schlichte Kleidung der Schiffsleute. Bei den Händlern in Jeffilo musste er allerdings Eindruck schinden und in prächtiger Ausstattung auftreten. Er grinste ein wenig bei dem Gedanken, dass sich die Kaufleute vor ihm in den Staub werfen und gegenseitig mit ihren Geboten überbieten würden, um ihm die besten Seidenballen abzuschwatzen. Er war – ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Anadid – der Meinung, dass sich mit geschicktem, friedlichen Handel mehr Reichtum erwerben ließ als mit dem Schwert in der Hand.
    Wie oft hatte Anadid den Sultan gedrängt, Kriegsschiffe auf Kiel zu legen und eine Flotte auszurüsten, mit der man die reichen Küstenstädte auf dem Festland plündern konnte. Zum Glück wies ihr Vater solche Ansinnen Anadids stets zurück. Noch. Der Einfluss Anadids auf den langsam greise werdenden Werid Gur Waradem wuchs von Tag zu Tag, und Avid wusste nicht, wie er dieser unheilvollen Entwicklung Einhalt gebieten sollte. Das einzige Argument, das er Anadids Treiben entgegensetzen konnte, war eine erfolgreiche Rückkehr von seiner Reise, mit einem Laderaum, der voll mit Gewürzen und Gold gefüllt war. Avid versuchte, die bedrückenden Gedanken zu verscheuchen, indem er sich mit beiden Händen über das Gesicht strich.
    »Du bist ein Dummkopf, Prinz!«, ertönte plötzlich eine weibliche Stimme hinter ihm. Avid fuhr erschrocken zusammen.
    »Tante Waja! Es ziemt sich nicht für eine Dame deines Ranges, meine Räume ohne Erlaubnis zu betreten!«, zischte er. »Ich hätte nackt sein können!«
    »Zweifellos wäre das ein erfreulicher Anblick für eine alte Frau wie mich gewesen!« Die Schwester des Sultans ließ ihren Blick reichlich ungebührlich über die muskulöse Gestalt ihres Neffen wandern. Er hatte neben den Stiefeln auch seinen Kaftan schon abgelegt, und stand barfuß und mit bloßem Oberkörper vor ihr. Waja konnte ausgiebig seine breite Brust und die sehnigen Arme bewundern. »Zumal ich dich schon oft genug nackt gesehen habe!«
    »Da war ich ein kleines Kind!«, konterte Avid. Waja lächelte süffisant.
    »Du vergisst deine allzu leichte Bekleidung, wenn du dein Frühstück bei uns im Harem einnimmst! Aber lassen wir das Geplänkel, mein Prinz!« Sie tippte ihm mit ihrem Zeigefinger auf die Brust. »Du willst doch nicht allen Ernstes in See stechen, ohne dich wie ein Mann von deiner Braut zu verabschieden?«
    »Ich habe Janica schon gesagt, dass ich morgen bereits wieder in Nurripur sein werde und dass mein Schiff gegen Abend auslaufen wird!«
    Waja drehte ihre Augen Richtung Himmel. »Ihr Götter, warum habt ihr diesen Jungen mit so wenig Verstand gesegnet? Da legt ihr ihm ein wunderschönes Mädchen ins Bett, und er weiß nichts mit ihr anzufangen!«
    »Bitte, Tante Waja, lass diesen Unfug! Janica ist noch Jungfrau, und ich werde sie erst zum Weib machen, wenn die Trauzeremonie über uns gesprochen ist!«
    »Bist du wirklich so ein Trottel, mein Junge? Du wirst kaum aus dem Haus sein, wird Anadid hier auftauchen, sich deine Jungfrau krallen und als Beweis, dass du seine Geschenke missachtest, zum Sultan schleppen. Wenn sie dann wirklich noch unberührt ist, bekommt Anadid deine Jungfrau und du gewaltigen Ärger!«
    Fassungslos schaute Avid seine Tante an. »Auf solche krausen Gedanken kann doch kein Mensch kommen!«
    »Doch, dein Bruder schon!«, erwiderte sie bitter. »Ich habe lang genug im Harem des Sultans gelebt, um zu wissen, welche Brut da aus Alias Schoß kroch!«
    »Tante Waja! Alia war auch meine Mutter!«
    »Ja, eben! Und mein Bruder und Anadid haben dir nie verziehen, dass sie bei deiner Geburt gestorben ist! Außerdem war sie eine Nordfrau! Sie hat Werid gehasst!« Waja kniff ihre Lippen zu dünnen Strichen zusammen, wandte sich um und lief mit raschen Schritten aus dem Raum. Avid schaute ihr düster nach. Seine Hände ballten sich zu Fäusten.
    »Verfluchtes Weibervolk!«, murmelte er, dann stürmte er seiner Tante nach. Er schaffte es sogar, vor ihr an der Tür zum Harem zu sein. Schweigend riss er die Türflügel auf und ließ Waja eintreten. Dann schob er den inneren Riegel vor.
    »Tante Waja, Nadana und Inna, ihr werdet euch jetzt in euren Kammern

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