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Ein ganz schoen starker Plan

Ein ganz schoen starker Plan

Titel: Ein ganz schoen starker Plan Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Arne Svingen
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Jungen klopften mir auf die Schulter, ungefähr so, als ob ich beim Sport ein tolles Tor geschossen hätte. In den ersten fünf Minuten lärmte die Klasse, als ob es ein Fest wäre, aber als Bürste nicht zurückkam, ging den Gesprächen die Luft aus. War er wirklich vollständig zusammengebrochen?
    Erst nach zwanzig Minuten tauchte die Rektorin auf und sagte, wir könnten eine ganz besonders lange Pause machen. Sie ging, ehe ich sie fragen konnte, was denn passiert sei.
    »Das war nicht deine Schuld«, sagte ein Mädchen tröstend.
    Vermutlich sagte sie das, damit ich mich besser fühlte, aber es überzeugte mich nur endgültig davon, dass Bürste seinen Zusammenbruch mir verdankte. Ich war kein Traumschüler, ich war wohl so einer, von dem die Lehrer im Lehrerzimmer ein Bild aufhängten und darauf Pfeile warfen. Aber ich hatte wirklich nicht vor, Lehrer in den Wahnsinn zu treiben.
    Ich ging aufs Klo, schloss ab und setzte mich auf den Deckel, um die Sache zu Papier zu bringen.

    Ich steckte das Blatt in die Tasche und schloss die Tür auf. Im Gang begegnete mir Liv, die langsamer wurde, als sie mich sah. Es war sonst niemand in der Nähe.
    »Hallo, Liv.«
    »Warum sagst du das?«
    »Tschuldigung, ich nehm es zurück.«
    »Du hast doch schon hallo gesagt.«
    »Tut mir leid, es kann doch jetzt aussehen, als ob ich dich kenne«, sagte ich und schaute mich über die Schulter um.
    »Tust du ja. Aber wir wollten nicht in der Schule, sondern nach der Schule hallo sagen«, erklärte sie mit strenger Stimme.
    »Dann müssen wir am selben Ort sein.«
    »Vielleicht können wir am selben Ort sein«, sagte sie und lächelte gerade so sehr, dass ich mich wie frisch gegrillt fühlte. »Ich habe übrigens gehört, dass du Bürste zum Durchdrehen gebracht hast.«
    »Das ist nur zu einem Drittel meine Schuld. Das habe ich ausgerechnet.«
    »Du bist witzig.«
    »Du bist …«
    Ich wollt schon »hübsch«, sagen, aber mir fiel ein, dass sie dann doch glauben konnte, ich sei total verrückt nach ihr. Ich musste hier einen auf cool machen, wenn wir wieder Eis essen wollten.
    » … ziemlich listig.«
    Ziemlich listig? Was sollte das bedeuten?
    »Und du bist ganz schön komisch«, sagte sie und ging. Aber nach zwei Schritten drehte sie sich um und fügte hinzu: »Dann um drei in der Eisdiele.«
    Ich nickte eifrig. Sie wollte sich mit mir treffen! Sie mochte Jungs, die ganz schön komisch waren. Erst nach einigen Minuten fiel mir ein, dass das der denkbar blödeste Zeitpunkt war. Um drei sollte ich mit dem Drachen zu Hause sein. Das hatte ich feierlich versprechen müssen. Ich versuchte so verzweifelt, eine Lösung für dieses Problem zu finden, dass ichdie Rektorin erst entdeckte, als ich fast mit ihr zusammengestoßen wäre.
    »Ach, hallo, was macht denn Bürs … ich meine, Bernt?«
    Die Rektorin lächelte mich an. Sie lächelte sonst nie, wenn sie etwas sagte. »Er ist nach Hause gefahren. Verstehst du, ich habe ihm gesagt, er soll dir etwas mehr, wie soll ich sagen, mehr Ellenbogenfreiheit geben. Du bist vielleicht nicht ganz so wie andere Kinder, und wir müssen uns doch auch um die kümmern, die anders sind. Das hat dein Vater mir klargemacht. Ja, dein Vater … der … ja, also, ich wollte dich da etwas fragen, was ihn betrifft …«
    Sie strich sich die gebleichten Haare glatt.
    »Müssen wir über Papa reden?«, fragte ich mit besorgtem Tonfall.
    »Nein, nein, ich meine nicht das Tropfen. Er kommt mir nur vor wie ein großartiger Mann. Ich bin ihm ja schon begegnet, ich weiß also, wie toll … äh, vergiss das bitte, aber gestern war da etwas bei unserem Gespräch, ein ganz besonderes Verständnis.«
    Ihre Wangen wurden tiefrot.
    »Er ist im Moment nicht ganz er selbst«, erklärte ich.
    Die Rektorin blinzelte hektisch und suchte sichtlich nach Worten.
    »Ich möchte dich nur bitten, deinen Vater zu grüßen und zu sagen, dass ich mich gern mit ihm unterhalten habe.«
    Die Rektorin zappelte im Stehen, so, wie die Lehrer es uns immer verbieten. Ich ahnte, dass eine Frage im Anmarsch war, die ich nicht beantworten wollte. Ich versuchte, ihr zuvorzukommen und sagte: »Das Tropfen ist schlimmer geworden.«
    »So was kann man operieren.«
    »Er war zuletzt auf der Grundschule beim Arzt und fürchtet sich vor allen, die weiße Kittel tragen.«
    »Hat er ei … eine Freundin, die … die sich um ihn kümmern kann?«
    Das war die Frage. Ich hätte mit ja antworten können, hatte aber so eine Ahnung, dass sie das nicht

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