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Elben Drachen Schatten

Elben Drachen Schatten

Titel: Elben Drachen Schatten Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alfred Bekker
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erführe er davon, dass er einer Verräterin durch die Gabe seines Tranks das Leben verlängert? Ihr mögt zu allen Göttern von Elben und Menschen beten, dass er Eure Treulosigkeit niemals entdeckt - ja, es nicht mal in Erwähnung zieht, denn wenn er in Eurem Geist danach forscht, hättet Ihr keine Möglichkeit, es vor ihm zu verbergen.«
    Magolas trat näher. Larana erhob sich von ihrem Platz. Sie zitterte am ganzen Leib. Magolas fasste sie bei den Schultern und schüttelte langsam den Kopf. »Wie konntest du das nur tun, geliebte Larana? Wie konntest du nur so eine Närrin sein? Nicht einmal ich könnte das Wissen über deinen Verrat vor Xaror verbergen, sollte er gezielt meinen Geist danach durchforschen.«
    »Aber ich habe ihn wirklich nicht gerufen … Seine Stimme war da … Und sein Gesicht. Ein Gesicht, das deinem gleicht, auch wenn es um Jahrhunderte älter wirkt …«
    Magolas atmete tief durch. Er sah die Leidenschaft in ihren Augen. Dieselbe Leidenschaft, die dort vor mehr als einem Menschalter gelodert hatte, als er ihr zum ersten Mal begegnet war. Aber diese Leidenschaft paarte sich mit Schmerz. Einem Schmerz, der bis in den tiefsten Grund ihrer Seele reichte und sie innerlich zerriss. Wie sehr hätte sich Magolas gewünscht, daran etwas ändern zu können. Aber es gab kein Entkommen aus dem Netz, in das sie sich beide verstrickt hatten.
    »Du hast ihn gerufen«, sagte Magolas ruhig. Der Zorn war aus seinem Tonfall völlig verschwunden, in seiner Stimme klangen jene Gefühle auf, die sich in Laranas Augen widerspiegelten: Liebe und Schmerz. »Du hast ihn gerufen, denn ich hatte deinen Geist, ohne dass du es wusstest, gegen seine Einflüsterungen magisch geschützt – so wie ich es auch bei unseren Kindern versuchte. Wäre da nicht deine Bereitschaft gewesen, seine Gedanken zu empfangen, wäre nichts geschehen. Es war dein Wunsch, dein Ruf, der ihm das Tor öffnete und mich zwang, ihn zu töten. Denn die Seelen unserer Kinder wären niemals vor seinen Einflüsterungen sicher gewesen.«
    »Warum nicht? Sind sie zu begabt, um sie abschirmen zu können? Zu stark?«, fragte Larana.
    »Ja, vielleicht. Und ein geschickter Magier wie Andir hätte ihre kindliche Neugier immer wieder ausgenutzt, um den magischen Schutz zu umgehen.«
    Magolas strich Larana zärtlich durchs das Haar und über die Wangen. Dann nahm er ihre Hand. Sie war eiskalt, kälter noch als die Hand einer Elbin.
    Auf einmal wich sie einen Schritt vor ihm zurück. Fassungslos sah sie ihn an. »Aber nicht nur an den Kindern führst du schwarzmagische Rituale durch, ohne dass sie über deren Bedeutung etwas wissen oder auch nur ahnen.«
    »Das wird bald nicht mehr vor ihnen zu verbergen sein«, erwiderte Magolas ruhig. »Außerdem war es zu ihrem Besten. So wie bei dir auch.«
    Larana löste ihre Hand aus seinem Griff. Sie schluchzte. Tränen glitzerten in ihren Auen. Tränen, in denen sich sowohl tiefe Melancholie als auch wilder Zorn manifestierten.
    Und plötzlich starrte sie auf ihre Arme. Dunkle Zeichen waren dort zu sehen. Ineinander verschnörkelte Linien, die jenen Symbolen glichen, die Magolas auf die Haut seiner Kinder brachte.
    Larana vollführte eine ruckartige Bewegung. Sie ging zu dem Teich in der Mitte des Atriums und blickte hinein. Auch überall in ihrem Gesicht waren diese Hexenzeichen einer dunklen Magie, die Larana weder verstand noch guthieß.
    »Woher kommen diese Zeichen?«, rief sie schier außer sich.
    Magolas aber blieb vollkommen ruhig. »Sie waren immer schon da. Seit vielen Jahren, Larana. Du hast sie nur nie gesehen, und sie sind auch jetzt noch für jeden unsichtbar, der dich betrachtet und nichts von ihrer Existenz weiß.«
    Larana stand der blanke Schrecken stand ihr ins Gesicht geschrieben. Was war nur aus ihnen beiden geworden? Wie hatte sich die unbeschwerte Liebe einer jungen Rhagar-Prinzessin, die nicht an das Morgen und schon gar nicht an das nächste Jahrtausend dachte, in etwas Derartiges verwandeln können? In etwas, das sich eindeutig böse anfühlte? In etwas, das nicht nur ihren Gemahl und sie selbst, sondern auch ihre Kinder zu Sklaven der Finsternis machte?
    »Wir können so nicht weitermachen, Magolas«, sagte sie. Sie tauchte die Oberarme ins Wasser, versuchte die magischen Zeichen abzuwaschen, die angeblich für alle anderen unsichtbar waren. Larana schleuderte sich Wasser ins Gesicht, rieb über die Haut, bis sie rot wurde, aber ansonsten war keinerlei Veränderung zu sehen. Die Zeichen ließen

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