Endymion - Pforten der Zeit & Die Auferstehung
Wasserfall hinauf erkämpfen, wo die gefrorene Atmosphäre fünf oder sechs Treppenfluchten heruntergetropft ist. Als sie unter dem schwarzen Himmel des Vakuums auf der Oberfläche steht, wo der Fallwind ihr peitschend Eiskristalle ins Gesicht weht, aktiviert sie das wechselnde Phasenfeld und läuft über das Eis zum Landungsboot zurück.
Drei junge Phantome untersuchen das Schiff. Nemes nimmt innerhalb einer Sekunde eine Bestandsaufnahme der Tiere vor – keine Säugetiere, das weiße »Fell« in Wirklichkeit röhrenförmige Schuppen, die gasförmige Atmosphäre speichern können, durch die Körperwärme festgehalten wird, Augen, die im tiefen Infrarotbereich sehen, im Überfluss vorhandene Lungenkapazität, die ihnen ermöglicht, zwölf Stunden und mehr ohne Sauerstoff auszukommen, jedes Tier mehr als fünf Meter lang, ungeheuer kräftige Vorderarme, Hinterbeine zum Graben und Ausweiden, jedes Tier sehr schnell.
Sie drehen sich zu ihr um, als Nemes näher kommt. Vor dem schwarzen Hintergrund sehen die Phantome mehr als alles andere riesigen weißen Wieseln oder Leguanen ähnlich. Ihre lang gestreckten Körper bewegen sich mit rasender Geschwindigkeit.
Nemes überlegt, ob sie ihnen ausweichen soll, aber wenn sie das Schiff angreifen, könnte es Komplikationen beim Start geben. Sie wechselt in Schnellzeit über. Die Phantome erstarren mitten in der Bewegung.
Eiskristalle schweben reglos vor dem schwarzen Himmel.
Sie schlachtet die drei Tiere auf denkbar ökonomische Weise, indem sie nur ihre rechte Hand und die diamantharte Klinge ihres phasenveränderten Unterarms benutzt. Bei der Arbeit überraschen sie zwei Dinge gelinde: Jedes Phantom besitzt zwei riesige Herzen mit fünf Kammern, und die Tiere scheinen auch dann noch kämpfen zu können, wenn nur eins noch funktioniert; jedes trägt eine Halskette aus kleinen menschlichen Schädeln.
Als sie fertig ist und wieder auf Normalzeit zurückgeschaltet hat, nachdem die drei Phantome wie gigantische Säcke mit organischen Abfällen in den Schnee gefallen sind, nimmt sich Nemes einen Augenblick Zeit, um die Halsketten zu betrachten. Menschliche Schädel. Möglicherweise von Menschenkindern. Interessant.
Nemes aktiviert das Landungsboot und fliegt nach Norden – mit Schubdüsen, da die Stummelflügel in diesem Fast-Vakuum keinen Auftrieb finden. Tiefenradar sondiert das Eis, bis der Fluss sichtbar wird. Über der Ebene des Flusses liegen viele Hunderte Kilometer Tunnel. In dieser Gegend sind die Phantome äußerst rege gewesen. Auf dem Tiefen-radardisplay zeichnet sich der Metallbogen des Farcasters wie ein helles Licht in dunklem Nebel ab. Das Instrument hat nicht so viel Erfolg, was das Aufspüren von Lebewesen in Bewegung betrifft. Mehrere Echos zeigen deutlich die Spuren erwachsener Phantome, die sich ihre Tunnel durch den Atmosphäregletscher bohren, aber diese Signale befinden sich Klicks entfernt im Norden und Osten.
Sie landet mit dem Landungsboot direkt über dem Farcasterportal und sucht die von Schneerillen gemusterte Oberfläche nach einem Höhleneingang ab. Als sie einen gefunden hat, dringt sie im Laufschritt in den Gletscher ein und deaktiviert das biomorphe Schild, als der Druck auf über 0,21 Bar und die Temperatur auf dreißig Grad unter dem Gefrierpunkt steigen.
Das Labyrinth der Tunnel ist Furcht einflößend, aber sie orientiert sich an der großen Metallmasse des Portals ein drittel Kilometer unter ihr, und binnen einer Stunde nähert sie sich der Ebene des Flusses. Hier unten herrscht so undurchdringliche Dunkelheit, dass sie weder mit Restlichtverstärker noch mit Infrarot sehen kann, und sie hat keine Taschenlampe mitgebracht, aber sie macht den Mund auf, worauf ein gleißender gelber Lichtstrahl den Tunnel und den Eisnebel vor ihr illuminiert.
Sie hört sie kommen, lange bevor die trüben Glutlaternen in dem langen, abfallenden Korridor zu sehen sind. Rhadamanth Nemes löscht das Licht und bleibt wartend im Tunnel stehen. Als sie um die Biegung kommen, sehen sie zuerst mehr wie eine Herde winziger Phantome als wie Menschen aus, aber aus Pater Glaucus’ Erinnerung kennt sie sie: Cuchiats Gruppe der Chitchatuk. Sie bleiben überrascht stehen beim Anblick einer einzelnen Frau ohne Gewänder oder sichtbaren Wärmeschutz, die in dem Gletschertunnel steht.
Cuchiat tritt vor und spricht rasch. »Das Unteilbare Volk grüßt die Kriegerin/Jägerin/Suchende, die es vorzieht, im Glanz der nahezu perfekten Unteilbarkeit zu reisen. Wenn du
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