Error
der Flucht vor Devins Leuten, wie ein Camper einem Mückenschwarm zu entkommen sucht – vor einer Woche hier verkrochen hatte, nun offenbar zum inoffiziellen Treffpunkt von Dodge und Skeletor, ein Reykjavik oder Panmunjom, geworden. Seit diesem Treffen war erst eine Woche vergangen, aber es kam einem viel länger vor. Verdammt, es kam einem vor, als hätte es in irgendeinem Paralleluniversum stattgefunden. Dem Universum, in dem Zula noch nicht verschwunden war.
»Ich war dort und habe einiges davon mitgekriegt«, sagte Devin, womit er Richards Gedanken schlagartig zurückbrachte – wenn auch nicht zur Realität, sondern von ihr weg. »Ich bin nur unsichtbar herumgeschwebt.« Er wollte Richard begreiflich machen, dass er keine der überaus verblüffenden Fähigkeiten seiner Charaktere eingesetzt hatte, um das Schlachtenglück zu wenden. »Es war ein Blutbad, keine Frage. Nicht gerade das, was wir – was sie – erwartet haben.«
»Du kannst ruhig ›wir‹ sagen«, sagte Richard schnell. Er hob die Hände, die Handflächen nach außen gekehrt. »Ich glaube schon längst nicht mehr daran, dass die Autoren so etwas wie die neutralen, objektiven Kräfte der Spielwelt sein müssen.«
Skeletor nickte, als habe er sich schon seit Jahren gefragt, wann Richard endlich darauf kommen würde. »Es funktioniert einfach nicht«, sagte er. »Wie haben ja schon über Gut gegen Böse geredet und wie das in die Hose gegangen ist.«
»Vollkommen lächerlich«, sagte Richard, als wäre das ein gewaltiges Eingeständnis. »Eine ganz schwache Leistung von unserer Seite. ›Wie bringen wir zwei Gruppen dazu, dass sie einander bekämpfen, miteinander konkurrieren? Ich weiß, wir machen die eine Gruppe zu den Guten und die andere zu den Bösen.‹ Genau das, was man als Arbeitsergebnis eines Firmengremiums erwartet.«
Skeletor nickte nur, starrte weiterhin größtenteils aus dem Fenster, ließ den Blick jedoch gelegentlich – vielleicht auf der Suche nach Zeichen von Sarkasmus – in Richards Richtung huschen.
»Wir hätten es euch überlassen sollen«, schloss Richard.
»So wie ich es sehe, ist es eigentlich ein Sport«, sagte Devin. »Vielleicht nicht wie Fußball, sondern eher wie eine Kombination aus Fechten und Schach. Allerdings muss es natürlich einer Geschichte folgen.« Er hob die Hand wie ein Schüler, der sich freiwillig zum Tafelputzen meldet. »Und da helfe ich gern.«
Und für gewaltige Geldbeträge, fügte Richard im Geiste hinzu. Aber er nickte einfach weiter. Machte ein interessiertes Gesicht. Als gäbe es irgendeinen Zweifel daran, was als Nächstes kommen würde.
Devin fuhr fort: »Am Ende kriegst du nämlich gar nichts, geschäftlich gesehen, wenn du dieses Konkurrenzelement nicht hast. Und für diejenigen, die allein questen und Eins-zu-eins-Wettkämpfe bestreiten wollen, gibt es das ja auch. Man kann das machen. Aber der eigentliche Reiz liegt im Mannschaftssportaspekt, in der sozialen Perspektive. Darin, dass man einer Armee angehört. Einem Bündnis.«
»Eine Uniform trägt«, sagte Richard. »Ein Maskottchen hat.«
»Ja, und genau dazu ist diese Geschichte von Hell gegen Erdton geworden. Ob wir das nun beabsichtigt haben oder nicht.« Hier bewegte sich Devin auf etwas dünnem Eis. Noch vor einer Woche wäre Richard wütend gewesen über seinen Verrat, über dieses unbekümmerte Eingeständnis. Vielleicht hätte Devin das sogar gespürt, gespürt, dass es zu einer Explosion führen könnte, und sich geweigert zu offenbaren, was er gerade so unverblümt gesagt hatte. Nun hatte er es gesagt, weil er irgendwie spüren konnte, dass es Richard im Grunde scheißegal war. Richard war schon viel weiter.
»Ich komme gerade aus Cambridge«, sagte Richard.
»Massachusetts?«
»England. Wo Donald die Hälfte der Zeit lebt.«
»Aha.«
»Ich möchte, dass du weißt, dass er mit alledem kein Problem hat.«
Es war ziemlich deutlich, dass Devin mit dieser Wendung des Gesprächs nicht gerechnet hatte, und sein Blick bekam etwas Gedankenverlorenes.
»Er lernt schnell. Du glaubst, ich scherze. Aber das tue ich nicht. Für jemanden, der noch nie im Leben ein Computerspiel gespielt hat …«
»Donald Cameron hat jetzt seinen eigenen Charakter in der Spielwelt!?«, rief Skeletor in so ziemlich dem gleichen Ton aus, in dem ein Tribun Hannibal hat die Alpen mit Elefanten überquert!? gesagt hätte.
»Natürlich einen ganz schwachen«, sagte Richard beruhigend. »Hatte eine Zeitlang noch nicht mal Schuhe.«
»Mir ist
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