Feuriger Rubin: Roman (German Edition)
Grinsen.
»Vielen Dank, Mylord. Eure Verlobte Lady Mary kann morgen um elf zu ihrer ersten Sitzung kommen, wenn es genehm ist.«
Cav nahm das sorgsam in Holz verschalte und mit braunem Papier umhüllte Gemälde. »Sehr genehm, Mr Beale.«
Will Cavendish kehrte nach Whitehall zurück und wies seinen Kutscher an, das Gemälde in seine Gemächer zu schaffen. Als er allein war, zog er das Bild aus seiner Verpackung, lehnte es gegen die Wand und trat zurück, damit er das porträtierte Objekt würdigen konnte.
Beim Anblick von Velvets Akt kniff er die Augen zusammen. Ein wahrer Leckerbissen, das steht fest. Als er mit den Fingerspitzen die langen Glieder nachzeichnete und das rotgoldene Lockengekräusel zwischen den Beinen berührte, wurde sein Schwanz hart und fing zu pulsieren an.
Kleines Luder! Nichts täte ich lieber, als dich tüchtig zu vögeln, aber du würdest sofort zu diesem dunklen Ungeheuer laufen, das du geheiratet hast, und ich würde mit einem Säbelhieb in der Kehle in der Themse landen. Cavendish lächelte. Da begnüge ich mich lieber mit etwas, das ich mir immer schon wünschte. Er stellte das Gemälde zurück in die Lattenkiste und setzte sich an den Schreibtisch, um einen Brief aufzusetzen.
Velvet war einsam. Zwar drängten sich im Empfangssaal wie immer Höflinge beiderlei Geschlechts, die ihre Freunde waren, doch das seichte Hofleben hatte für sie an Glanz verloren. Das Leben musste doch mehr bieten als Einkäufe, Theaterbesuche und verlustreiche Kartenpartien.
Sie biss sich auf die Lippen und gestand sich ein, dass Greysteels Abwesenheit sie einsam und ruhelos mache. Wäre dieser Teufel nach seiner Rückkehr aus Dover gewillt, ihre Differenzen zu begraben und versuchen, ihre Ehe zu kitten? Sie erstarrte, als sie sah, dass Will Cavendish sich ihr näherte.
»Was zum Teufel wollt Ihr?«, fauchte sie ihn an.
Der junge Lord Cav verbeugte sich höflich, überreichte ihr einen Umschlag und gesellte sich wieder zu seiner künftigen Braut.
Velvet riss den Umschlag auf und las die Nachricht, die er enthielt.
Euer Venus-Porträt befindet sich in meinem Besitz. Ich gebe es Euch im Austausch für die Besitzurkunde von Roehampton sehr gern zurück. Seid Ihr nicht gewillt, auf meinen Vorschlag einzugehen, gelangt die nackte Dame in die Hände einer so hochstehenden Persönlichkeit, dass der Skandal den Hof bis in die Grundfesten erschüttern wird.
Velvet schnappte nach Luft und ballte das Stück Papier in der Faust zusammen. Die Wände des Empfangssaales schienen auf sie einzudringen, der Boden hob sich, ihre Knie gaben nach, und Velvet fiel in Ohnmacht.
24
»Ach, du meine Güte! Lady Montgomery … lasst Euch helfen.« Die Countess of Suffolk hob Velvet auf, setzte sie auf einen Stuhl und fächelte ihr Luft zu, während andere Damen sich um sie scharten. Einige waren besorgt, andere nur neugierig, aber alle kamen zu einem Schluss: Die Countess of Eglinton war schwanger!
»Danke«, murmelte Velvet und versuchte, zu Atem zu kommen und sich vor diesem Halbkreis von Weiblichkeit zu fassen. Erleichtert stellte sie fest, dass sie noch immer den Brief umklammert hielt. Niemand darf den Inhalt auch nur ahnen.
»Hier, Velvet, trink ein wenig Wein.« Anna Marie Shrewsbury bot ihr ein Glas goldenen Rheinwein an.
»Nein, nein, wenn sie in anderen Umständen ist, sollte sie lieber keinen Wein trinken«, riet Lady Suffolk.
»Ich bin nicht …« Velvet verbiss sich die Antwort. Wenn sie abstritt, schwanger zu sein, würde der Verdacht womöglich auf den Brief in ihrer Hand fallen. »Ich bin nicht durstig. Vielleicht sollte ich hinaufgehen und mich hinlegen.«
»Ich begleite dich«, bot Lady Suffolk ihr an.
Buckingham warf Barbara einen schalkhaften Blick zu. »Bei Gott, dein Zustand muss ansteckend sein. Vielleicht sollte ich auf Abstand zu dir gehen.«
Barbara warf den Kopf zurück. »Als Countess bin ich jetzt eben Vorbild, George.«
Oben setzte Velvet sich vor das Feuer und las den Brief mit zitternden Fingern noch einmal. »Woher weiß dieser Lump, dass ich die Besitzurkunde von Roehampton habe?« Nach einiger Überlegung konnte sie sich alles zusammenreimen – sie hatte Christian Cavendish bei Henrys Leichenbegängnis von Greysteels Geschenk erzählt. Insgeheim verwünschte sie Lord Cav, und im nächsten Moment verwünschte sie sich selbst, weil sie ihr vollendetes Gemälde im Atelier zurückgelassen hatte.
»Dieser Hurensohn erpresst mich!« Sie sprang auf, durchmaß den Raum und
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